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Stippvisite im Schweriner Zoo

Am 29. Oktober waren wir wieder einmal zu Besuch in der Sieben Seen Stadt Schwerin. Unser Ziel war diesmal der Zoo, der sich im Südosten der Stadt erstreckt. Er umfasst eine Fläche von 25 Hektar und beherbergt 154 Arten mit 2.400 Einzeltieren.

Vom Hauptbahnhof aus gelangt man mit der Straßenbahnlinie 1 in Richtung Innenstadt in etwa 20 Minuten zur Haltestelle Zoo.
Nach dem Verlassen der Straßenbahn überquert man, entgegengesetzt der Fahrtrichtung, das Gleis und folgt anschließend der Treppe nach unten. Unten angekommen wendet man sich an der Straße nach rechts und überquert diese an der Ampel. Weiter geht es geradeaus, am AOK Gebäude entlang bis zur nächsten Ampelkreuzung. Hier muss man die Crivitzer Chaussee mit Hilfe von Inseln geradeaus überqueren. Drüben angelangt richtet man sich nach links und biegt rechts in die erste Seitenstraße ein. Jetzt befindet man sich bereits auf dem Zooparkplatz. Geradeaus gelangt man zum Kassenhäuschen.
Blinde und sehbehinderte Besucher können sich hier eine Infomappe mit Penfriend ausleihen. Dafür genügt die Angabe der Adresse. Die Infomappe beinhaltet einen Reliefplan vom Zoogelände, einen Reliefplan vom Humboldthaus, Texte in Braille- und Großdruck sowie drei Labels für den Penfriend.

Zunächst lassen wir uns vom Penfriend die Labels vorlesen. Wir hören eine Gebrauchsanweisung, eine Einführung und eine Wegbeschreibung zum Humboldthaus, der Südamerikaanlage.
Wir machen uns auf den Weg zum Humboldthaus, vorbei an Tiergehegen und dem Froschhaus, was witterungsbedingt leider geschlossen ist. Zunächst folgen wir dem Weg nach links und halten uns ab dem Bonbonhaus am rechten Wegrand, der uns in eine Rechtskurve führt.
Anschließend treffen wir auf ein Aufmerksamkeitsfeld aus Noppenplatten, welches eine Holzbrücke ankündigt. Unter uns genießen Alpaka, Wasserschwein und Nandu den Auslauf, während wir die Brücke überschreiten.
Etwa 25 Meter nach der Brücke finden wir links das Humboldthaus. Vor dem Eingang steht eine Station mit 3 Labels.

Wir öffnen die Doppeltür ins Innere des Gebäudes. Feuchte Wärme empfängt uns in der Südamerikaanlage. Die stickige Luft, Vogelschreie und exotische Pflanzen lassen uns in eine tropische Welt eintauchen.
Am Ende der rechten Wand kündigt ein rilliertes Aufmerksamkeitsfeld im Boden eine Infostation an. Vor Beginn der halbhohen Glasscheibe, welche das Tiergehege begrenzt, ist auf gleicher Höhe ein Holzschild angebracht. Unter dem Text sind mehrere Holzringe befestigt, worin sich je ein Label befindet. Ringe mit geriffeltem Rand halten Informationen zu den tierischen Bewohnern Südamerikas bereit, die man hier bestaunen kann. Ringe mit glatter Oberfläche geben Hinweise zur Orientierung. So erfahren wir mittels Penfriend etwas über Faultiere und Schildkröten.
Schräg gegenüber, rechts neben einer riesigen Vogelvoliere mit farbenfrohen Bewohnern, finden wir eine zweite Infostation. Diese ist so aufgebaut wie die erste. Ein Ameisenbär döst hier hinter der halbhohen Scheibe. Dort erfährt man spannendes über diese Rüsseltiere, Aras und Krallenaffen. Hinten rechts führt eine Treppe mit markierten Stufenkanten nach oben. Leider wird hier gerade umgebaut, so dass es für uns nichts zu entdecken gab.

Nach dem Verlassen der Anlage nahmen wir das Pult vor dem Eingang in Augenschein. Es stellte sich heraus, dass hier die selben Tierbeschreibungen wie im Haus abgehört werden können. Da wir nicht den selben Weg zurückgehen wollten, streiften wir noch ein wenig durch das Zoogelände. Wir passierten das großzügige Breitmaulnashorn- und Ziegengehege, doch im zugehörigen, geruchsintensiven Stall hielten wir es nicht lange aus. Auf einem anderen Gelände standen Rothschildgiraffen und Chapman-Zebras einträchtig wartend vor ihrem Stalleingang. Offenbar wollten sie dem ungemütlichen Wetter entfliehen. Im Zentrum des Zoos befindet sich eine riesige, naturbelassene Wasservogelanlage.
Das was wir vom Zoo mitbekommen haben, hat uns gut gefallen. Die Anlagen haben auf uns einen tierfreundlichen Eindruck gemacht.
Eine Nachfrage beim Servicepersonal ergab, dass die Audioinformationen weiter ausgebaut werden sollen, um allen Besuchern einen lebendigen Zoobesuch zu ermöglichen.

Foto: Relaxte Echse auf einem Ast
Foto: Relaxte Echse auf einem Ast
Foto: Eine mit halbrunden Ästen gerahmte Tegel mit Informationen in Schwarzschrift sowie im unteren Teil Lesepunkte für den Penfriend
Foto: Holztafel mit Informationen und Penfriend Lesepunkten
Foto: Tafel mit Penfriend Lesepunkten. Oberhalb der gelblichen Tafel befindet sich der Schriftzug Penfriend Lesepunkte - Audiosystem für sehbehinderte Menschen)
Foto: Tafel mit Penfriend Lesepunkten

Besucheradresse:
An der Crivitzer Chaussee 1
19063 Schwerin
Webseite: http://www.zoo-schwerin.de

Besuch im Hans Fallada Museum in Carwitz

Im Rahmen eines Urlaubs Ende August in der Feldberger Seenlandschaft besuchten wir das Hans Fallada Museum in Carwitz.
Wir schoben diesen einzigen kulturellen Aspekt unseres Aufenthalts bis zum letzten Urlaubstag vor uns her, da wir bei herrlichsten Sommerwetter lieber beim Wandern und Paddeln die wundervolle Natur in ganzen Zügen genossen.
Doch wäre es schade gewesen, wenn wir uns nicht zu einer Besichtigung durchgerungen hätten.

Robert Dietzen – alias Hans Fallada – wurde im Vorpommerschen Greifswald geboren und lebte von 1933 bis 1944 zusammen mit seiner Familie im Mecklenburgischen Carwitz.

Die Ausstellung im ehemaligen Wohnhaus erzählt vom Leben und Werk des Schriftstellers.
Mittels etwas unhandlicher Audioguides von Soundgarden sind die Ausstellungsinhalte akustisch verfügbar.
Zum Abhören der Informationen tippt man auf dem Gerät die Ziffer ein, welche jeweils neben dem Türrahmen zu finden ist. Diese kann man nicht taktil erfassen.

Im Haus sind 7 Räume zugänglich. Zahlreiche originale Möbelstücke der Familie Dietzen sind vorhanden und können berührt werden. Manche davon wirken erstaunlich modern.
Im Filmzimmer im Obergeschoss mit Blick auf den See laufen Dokumentationen über Fallada.

Zur Ausstellung und zum Inhalt des Audioguides gehört nicht nur das Haus sondern auch das 15.000 m² große, parkähnliche Anwesen, das traumhaft am Carwitzsee gelegen ist.

An den Wegen stehen gelbe Schilder, auf denen die Nummern für die Audioguides in schwarz aufgebracht worden. Leider sind diese kaum noch zu entziffern.
Das parkähnliche Grundstück mit Scheune, Bootsschuppen, Bienenhaus und Dreiecksbeet wurde dem Zustand von 1938 angenähert. Im heutigen Scheunentheater standen einst Schweine, Kühe und Pferde. Ein kleines aber feines, neu hinzu gebautes Amphitheater bietet im Sommer den Zuhörern von Lesungen romantische Plätze mit Seeblick.

Die Inhalte der Audioguides gaben uns einen interessanten Einblick in die Carwitzer Jahre des Schriftstellers, so dass wir neugierig auf seine Bücher geworden sind und diese als Hörbücher bei der DZB zu Leipzig ausgeliehen haben.

Besucheradresse:
Hans-Fallada-Museum Carwitz, Zum Bohnenwerder 2, 17258 Feldberger Seenlandschaft
Telefon/Fax: (039831) 2 03 59
E-Mail: museum@fallada.de
Webseite: http://www.fallada.de

Foto: Blick zum Eingang des Fallada Hauses.
Foto: Falladas Haus
Foto: Das Dreiecksbeet auf dem Fallada Anwesen mit Blick auf den Giebel des Hauses.
Foto: Dreiecksbeet
Foto: Der schwarze Schreibtisch mit einer alten Schreibmaschine, rechts davon ein Tintenfass, eine Vase mit bunten Blümchen, eine Kaffeekanne sowie eine Schreibtischlampe. Im Hintergrund ist eine Sitzgruppe und eine Bücherwand zu sehen.
Foto: Original Schriftstück
Foto: Ein Schriftstück Falladas mit einem Bleistift.
Foto: Original Schriftstück
Foto: Der Audioguide des Fallada Museums, in Form eines großen Hörers.
Foto: Audioguide
Foto: Die Carwitzer Badestelle am Schmalen Luzin.
Foto: Carwitzer Badestelle
Foto: Blick auf eine Pferdekoppel bei Carwitz. Im Hintergrund der türkisfarbene Schmale Luzin. Im Vordergrund ein auf der saftigen Koppel grasendes Pferd.
Foto: Carwitz
Foto: Blick auf den Schmalen Luzin, links und rechts von ihm erheben sich majestätisch Wälder auf Hügeln. Auf dem türkisfarbenen Wasser tummeln sich in weiter Ferner einige Kajaks.
Foto: Schmaler Luzin

Besuch im Naturerbezentrum Rügen

Ungeachtet der ablehnenden Haltung von Naturschutzverbänden, wurde auf der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) Naturerbefläche Prora das Naturerbezentrum Rügen mit einem Baumwipfelpfad errichtet.

In dem rund 2,5 Hektar großen Areal rund um das Forsthaus Prora wurden für diese Vorhaben einige Bäume und Buschwerk gerodet.
Als Kompensationsmaßnahme sollen an anderer Stelle 5 Hektar Wald durch die DBU Naturerbe GmbH aufgeforstet werden.

Der Betreiber, die Erlebnis Akademie Bad Kötzing, hat 13,5 Millionen Euro in das Projekt investiert.
Gefördert wurde es durch DBU Gelder.
Diese neue touristische Attraktion auf Rügen soll den Besuchern den Wert des nationalen Naturerbes Prora mit seinen Ökosystemen Wald, Offenland und Feuchtgebiet nahe bringen und die Tourismuswirtschaft ankurbeln.

Am 5. Juli machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Prora auf Rügen. Unser Ziel war das neu eröffnete Naturerbezentrum Rügen, welches mit kompletter Barrierefreiheit wirbt.
Und schließlich wird man bei einem so kostspieligen Projekt wohl auch mit einigen Extras für blinde und sehbehinderte Menschen rechnen können!
Am Bahnhof stellten wir fest, dass vor Ort kein Bus abfährt. Also suchten wir erst eine Bushaltestelle. Die Haltestelle „Prora Nord“ fanden wir, indem wir der Straße nach rechts folgten und diese überquerten, nach kurzem Weg dann auch.

Der Bus fuhr uns die kurze Strecke zur Haltestelle Forsthaus.
Nach Anweisung des Busfahrers folgten wir rechts einen Schotterweg entlang durch den Wald, bis wir auf einen noch im Bau befindlichen Parkplatz stießen. Wir folgten dem Bauzaun und kamen zu einem Fußweg mit einem weißen Seil als Begrenzung.
Am gerade im Umbau befindlichen Forsthaus, auch Schlösschen genannt, fanden wir die Kasse.
Der Eintritt war etwas ermäßigt und die Begleitperson frei.
Obwohl Hunde ausdrücklich verboten sind und es für diese extra Hundeboxen gibt, durfte mein Führhund nach kurzer Diskussion mit hinein. Wir liefen links an der Kasse vorbei. Der Fußweg geht dann in einen Kiesweg über. An einem Gatter muss man die Eintrittskarte einschieben.
Anschließend geht es rechts weiter auf einem gepflasterten Weg, dem sich der 1,25 Kilometer lange Baumwipfelpfad anschließt.
Der recht breite, ebene Steg besteht aus Holz. Die Seitenbegrenzungen sind fortlaufende, etwa 1,20 Meter hohe Geländer, die fast bis zum Boden reichen. Oben und unten befinden sich Holzbalken und in der Mitte ein stabiles Metallnetz.
Der Weg führt durch Buchenmischwald und Erlenbrüche hin zum Aussichtsturm.
Unterwegs gibt es verschiedene Erlebnisstationen, deren Inhalt sich uns nicht wirklich erschlossen hat. Es existieren keine Infotafeln, die den Besucher darüber aufklären.
Spiralförmig schlängelt sich nun der Baumwipfelpfad 40 Meter empor, wobei er eine hohe Buche umkreist. Oben angekommen bildet er einen Ring.

Es gibt keine geschlossene Plattform. Zwei Ferngläser optimieren die schöne Aussicht auf das Rügener Umland: die berühmten Feuersteinfelder, die naturnahen Hangbuchenwälder und die Ortschaften rings herum.
Der Rückweg führt nicht den selben Weg entlang.
Nach dem Passieren eines Drehkreuzes mit Kartenschlitz, hat man nun die Wahl zwischen einem auch mit taktilen Zahlen und Brailleschrift ausgestatteten Lift oder Stufen.
Unten kommt man direkt an der Erlebnisausstellung heraus.

Nach dem Eingang folgt man der Treppe nach unten in die interaktive Ausstellung. Diese soll barrierefrei sein, für blinde und sehbehinderte Besucher konnten wir allerdings keine speziellen Angebote entdecken.
Nach unseren Informationen ist die Anschaffung von Multimediaguides geplant. Allerdings ist der genaue Zeitpunkt der Einführung noch nicht bekannt.
Wir bleiben dran!

Besucheradresse:
Forsthaus Prora 1,
18609 Ostseebad Binz / OT Prora
Telefon: 038393 / 66 2200
Internet: www.nezr.de

Foto: Blick von unten hinauf zu den Plattformen des Baumwipfelpfades, der sich um die Buche windet
Foto: Baumwipfelpfad von unten
Foto: Blick von oben auf die Buche und Baumwipfelpfad
Foto: Buche mit Baumwipfelpfad
Foto: Im Vordergrund ein Teil der KDF Anlage von Prora, im Hintergrund der Fährhafen Mukran und ein Teil von Sasnitz
Foto: Blick auf Sasnitz und Mukran
Foto: Blick auf den Kleinen Jasmunder Bodden mit seinen bewaldeten Landzungen
Foto: Kleiner Jasmunder Bodden und Wald
Foto: Blick auf Wasser und Wald in Richtung Binz
Foto: Blick vom Baumwipfelpfad nach Binz

HTM Peenemünde

Zwei Jahre nach unserem ersten Besuch im HTM fuhren wir erneut nach Peenemünde. Neben dem Umbau und der Erweiterung der Ausstellungen wurde auch deren Zugänglichkeit für Besucher mit Sehbehinderung entscheidend verbessert:
Ein weißer Orientierungsstreifen, welcher jedoch nicht taktil erfassbar ist, führt nun vom Eingang aus direkt zur Kasse.
Die Treppengeländer sind inzwischen fast normgerecht und es sind Markierungen der Stufen vorhanden.
Außerdem wurde die Beleuchtung verbessert. Auch die Texte sind jetzt für mehr Leute lesbar als zuvor.
Die Nummern für die Audioguides wurden auf Schildern in kontrastreicher Reliefschrift angebracht. Auf diesen Schildern befindet sich oben rechts zusätzlich die Nummer für die Audioguides in Punktschrift.
Weiterhin gibt es zwei kleine Tastmodelle des Geländes.
An einem taktilen Wegeplan wird noch gearbeitet, wie auch an weiteren Orientierungshilfen für blinde und sehbehinderte Museumsbesucher.

Foto: Modell des Kraftwerksgeländes Im Vordergrund befindet sich das in Rot modellierte Kraftwerk, aus dem 6 Schornsteine empor ragen. Der in Unschärfe getauchte Hintergrund zeigt in Gelb den Schrägaufzug sowie in lila die Kranbrücke, welche zum Brecherhaus führt.
Foto: Modell des Kraftwerksgeländes

Nationalparkzentrum Königsstuhl

Im April 2013 starteten wir dem Königsstuhl einen weiteren Besuch ab.
Der Bus fährt nun direkt zum Eingang des Nationalparkzentrums und hält nicht mehr am Parkplatz. Somit mussten wir leider auf die kurze Wanderung durch den herrlichen Buchenwald verzichten.
Erst wenn man am Kassenhäuschen einen üppigen Eintritt, 7 EUR, gezahlt hat (die Begleitperson ist frei), darf man zur Aussichtsplattform des Königsstuhlfelsens und die Ausstellung im Nationalparkhaus besuchen.
In dessen Foyer empfängt den Besucher nun ein Tastmodell der Firma 3D Formenbau, welches die Halbinsel Jasmund darstellt. Daran kann man genau die Klippen der Kreidefelsen und die Geographie erkunden.
Bäume, Flüsse, Strassen und Gebäude sind allerdings nur aufgemalt.
Freudig haben wir auch die Veränderung der ausleihbaren Kopfhörer für den Audiorundgang durch die Ausstellung registriert: Im Vergleich zu früher werden nun offene Kopfhörersysteme eingesetzt, welche eine gewisse akustische Wahrnehmung der Umgebung gestatten, was besonders blinden Gästen zu Gute kommt.

Foto: Die Reliefkarte zeigt im Vordergrund Sasnitz, rechts davon beginnen die Kreidefelsen und ziehen an der rechten Seite des Reliefs entlang. Der Wald erstrahlt in einem üppigen grün, während die restliche Landmasse in braun gehalten ist. Gut ausmachen lässt sich die Struktur des Geländes.
Foto: Reliefkarte der Kreideküste

Besuch im Phantechnikum

Am 23.12.2012 haben wir das neu eröffnete Phantechnikum in Wismar besucht.
In dem interaktiven Museum werden vor allem Ausstellungsobjekte aus der Technikgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns gezeigt. Die Schwerpunkte sind hierbei Verkehrsgeschichte, Energieerzeugung und Innovationen. Zahlreiche Objekte laden zum Begreifen und Mitmachen ein. An Hörstationen können die Besucher akustische Informationen abrufen.

Das Phantechnikum ist bequem mit den Buslinien 242 (Haltestelle Werftstraße) und A (Haltestelle Bürgerpark) vom Bahnhof Wismar aus
in Richtung Seebad Wendorf erreichbar.
In der Straße „Zum Festplatz“, welche zum Bürgerpark führt, befindet sich, von der Lübschen Straße aus kommend, rechts der ehemalige Wohnkomplex russischer Offiziere. Dieser Gebäudekomplex wurde aufwendig entkernt und saniert und beherbergt nun die Ausstellungsräume des Phantechnikums. Das Foyer wurde neu errichtet. Dort findet man den Empfangsbereich mit kleinen Schließfächern.

Wir sind hier mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Herrn Quade verabredet. Er hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Dauerausstellung für alle Menschen zugänglich zu gestalten. Doch noch ist es nicht so weit. Die Anschaffung von Audioguides und die Installation von Orientierungshilfen sind noch in Planung.
Herr Quade, der sich im Vorfeld intensiv mit den speziellen Anforderungen u. a. blinder und sehbehinderter Besucher an ein Museum beschäftigt hat, führte uns kompetent durch die Ausstellungsbereiche Schifffahrt, Luft, Innovationen, Wasser und Feuer:

Als erstes betreten wir eine Halle zum Thema motorisierte Schiffe.
Entlang eines Podestes kann man 7 maßstabsgetreue Schiffsrümpfe zwischen 10 und 120 cm betasten. Nach einem Tipp von Herrn Quade suche ich zunächst am Rand des Podestes eine Lampe und fahre dann von dort aus mit der Hand nach hinten. Hier befindet sich dann in Greifhöhe jeweils ein Modell.

Anschließend betreten wir die Halle zum Thema Luftfahrt, welche vorwiegend in hellblau gehalten ist. Zahlreiche Flugobjekte hängen an der Decke. Auf einem grünen Podest steht der Nachbau eines roten Jagdfliegers aus dem 1. Weltkrieg, wie er damals von Manfred von Richthofen, dem „Roten Baron“, geflogen wurde.
Rechts kann man an einer Station erleben, wie ein Heißluftballon funktioniert, indem man mittels Knopfdruck Heißluft in einen Ballon blasen lässt.
An einer anderen Station erfährt der Besucher, wie Luftfahrt funktioniert. Dafür treten Herr Quade und ich kräftig in die Pedalen!
Zum Betasten laden in dieser Halle Flugzeugantriebe und Flugzeugrelieffe ein. Hier und da gibt es Sitzgelegenheiten, die sich kontrastreich vom Boden abheben.

Anschließend folgen wir einer Treppe nach oben. Hier heißt das Thema der Ausstellung zunächst „Dampfmaschinen“.
Geradeaus trifft man auf ein Podest mit Maschinen und rechts kommen wir zum Highlight:
Herr Quade hat zusammen mit zwei Kollegen eine „ultimative Erklärdampfmaschiene“ gebaut. An dieser lässt sich nun haptisch und akustisch gefahrlos nachvollziehen, wie so eine Dampfmaschiene überhaupt funktioniert.

Links von der Treppe aus gelangen wir zur Ausstellungshalle zum Thema Wasser. Hier werden Wände und Decke durch einen kräftigen Türkiston dominiert.
An einer Experimentierstation können die Besucher erleben, wie es sich anfühlt, in mitten einer Seifenblase zu stehen.
Andere Experimentierstationen veranschaulichen die Fortbewegung mittels Segel- und Motorschiffsantrieben. Eine weiteres Thema ist der Hochwasserschutz.

In der Ausstellung „Blitzlichter“ wird man mittels Stelen, worin sich ausziehbare Texttafeln befinden, und Hörbeiträgen über 10 Erfinderpersönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern informiert. Jeweils eine Erfindung wird näher vorgestellt, u. a. die Erfindung des Taucheranzugs, des Echolots und des Ankersteinbaukastens. Über Bewegungsmelder werden die zugehörigen Geschichten ausgelöst.

Wir fahren mit dem Lift, welcher barrierefrei ausgestattet ist, wieder nach unten ins Erdgeschoss.
Hier befindet sich das Vorführlabor zun Thema Feuer, wo von Zeit zu Zeit vom Personal Experimente durchgeführt werden.
Wir durchqueren Räume in flammemdem Orange mit rußgeschwärzten Decken und Fenstern. Besonders beeindruckend ist hier der Gang durch den Feuertunnel, wo optisch und akustisch Flammen simuliert werden.

Leider war es uns aus Zeitgründen nicht möglich alle Ausstellungsbereiche bis ins Detail zu erkunden. Wir haben uns jedoch fest vorgenommen, im Frühjahr das Phantechnikum noch einmal zu besuchen und dann Versäumtes nachzuholen.

Foto: Der ca. 2m große rotorange gestreifte Heißluftballon ruht auf einem ca. 2,50m hohen grauen Rohr, aus dem heiße Luft in den Ballon einströmt. Neben dem Rohr befindet sich ein Pult, dass die Bedienung der Experimentieranlage mittels 2 Knöpfen ermöglicht.
Foto: Experimentierstation des Heißluftballons
Foto: Das Modell des roten Dreideckers Fokker Dr. I den Manfred von Richthofen flog.
Foto: Modell des roten durch Manfred von Richthofen geflogenen Dreideckers Fokker Dr. I

Kontakt:
phanTECHNIKUM
Zum Festplatz 3
23966 Wismar
Telefon: 03841 25 78 11
Internet: www.phantechnikum.de

Coastal Cleanup Day 2012

Für diese Aktion haben wir gerne einen Samstag investiert, um mit Mülltüten bewaffnet am Strand von Loissin am Greifswalder Bodden Plastiktüten, Flaschen, Windeln, Papiertaschentücher und anderen Unrat einzusammeln:
Die US Umweltorganisation Ocean Conservancy ruft in jedem Jahr am dritten Samstag im September zum weltweiten Küsten-Reinigungstag, dem International Coastal Cleanup Day (ICC), auf.
An diesem Tag treffen sich weltweit engagierte Naturschützer, um Küsten, Gewässer und Flussufer vom Müll zu befreien.
Seit Herbst 2010 beteiligt sich der NABU mit eigenen Reinigungsaktionen am ICC.
Dieses Jahr gab es von September bis Anfang Oktober acht Reinigungsaktionen. Von Borkum bis Rügen befreiten NABU Gruppen und Partner mehrere Kilometer Küste von Müll und Unrat.
Über 80 freiwillige Helfer beteiligten sich an den Aktionen, darunter auch Rüdiger Joswig und Kollegen aus der ZDF-Serie „Küstenwache“.
Joswig ist seit 2011 Schirmherr des NABU-Projektes „Meere ohne Plastik“.
Zusammen sammelten alle Freiwilligen über 400 Kilogramm Müll.
Die Ausbeute war reich: Fahrradreifen, Flaschen, Textilien, Angelschnüren, ein Campingstuhl sowie unzählige Plastiktüten und Zigarettenstummel sammelten die NABU-Aktiven.
Besonders bemerkenswert war die Aktion des NABU Greifswald zusammen mit dem Verein OneEarth-OneOcean:
Rund 35 freiwillige Helfer sammelten gemeinsam auf dem Ryck und dem Greifswalder Bodden Müll und machten auf die zunehmende Verschmutzung der Meere aufmerksam. Dies alles war nur möglich durch die Unterstützung der NABU-Gruppen und –Aktiven, denen wir für Ihren Einsatz danken.
Auch im nächsten Jahr, vom 21. September 2013, dem offiziellen Startschuss für den International Coastal Cleanup Day, bis Anfang Oktober wird es an den Küsten von Nord-und Ostsee viele Reinigungsaktionen geben.
Wir hoffen, dass auch Sie mit dabei sein werden und ein Zeichen für die Umwelt setzen. Gemeinsam werden wir auf die Problematik von Meeresabfällen aufmerksam machen und die deutschen Meeresgewässer von einem Teil Ihrer Müllbelastung befreien. Bitte kontaktieren Sie uns bei Interesse und unterstützenSie das NABU-Projekt „Meere ohne Plastik“.
Mehr Informationen und Anleitungen für Reinigungs-und Sammelaktionen finden Sie auf NABU-Website.

Verfasser: Kim Cornelius Detloff (Referent für Meeresschutz) und Anke Lehmann

Audiorundgang durch die Güstrower Altstadt

Im Sommer und Herbst 2012 haben wir einen Audiorundgang im Daisy-Format für blinde und sehbehinderte Besucher der Barlachstadt Güstrow erarbeitet, der einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten vermitteln und die Orientierung auch für Ortsunkundige ermöglichen soll.
Unser Auftraggeber war die Güstrow-Information, von deren Seite wir Unterstützung in Form einer Stadtführung erhielten.
Erst dadurch wurde es uns möglich, den trockenen Informationen zu den Sehenswürdigkeiten ein wenig Leben einzuhauchen.
Seit kurzem kann man den Audiorundgang auf der Internetseite der Güstrow-Information anhören und die Daisy in der Touristinformation erhalten.
Der Rundgang wurde so konzeptiert, dass man ihn nicht nur zur Reisevorbereitung nutzen, sondern auch direkt danach laufen kann, indem man am Satzende jeweils die Pausetaste seines Daisy-Players drückt.
Die Spieldauer beträgt etwa 50 Minuten.
Er beginnt und endet am Bahnhof Güstrow und enthält detailierte Wegbeschreibungen.

Der Rundgang kann auch auf Ostsee-Spezial (ZIP Archiv, 16,5 MB) heruntergeladen werden.

Kurztrip nach Magdeburg

Ende Oktober machten wir uns für 3 Tage auf in die Landeshauptstadt Sachsen-anhalts. Der Magdeburger Hauptbahnhof ist mit Leitsystemen, darunter auch ein aufgeklebter Leitstreifen, ausgestattet. Hier konnten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Gästeinformationssystem inklusive Nummernziehen machen, wobei man sich durchaus um Zugänglichkeit bemüht hat. Vom Bahnhof aus sind es nur etwa 100 Meter bis zur Ernst-Rheuter-Allee, von wo aus Straßenbahnen in Richtung Innenstadt fahren. Um zu unserem Hotel zu gelangen, mussten wir nur zwei Stationen fahren und an der Haltestelle „Zollhaus“ aussteigen. Dann folgte noch ein 2 km langer Spaziergang durch den Rotehornpark, welcher sich auf der Elbinsel Werder befindet und mit 200 Hektar der größte Stadtpark Magdeburgs ist. In der Altstadt konnten sich unsere Füße über glatte Gehwege freuen. Alles ist großzügig und breit angelegt, so dass es niemals voll oder gar stressig wurde. An allen Kreuzungen tackern und tuten Ampeln. Die Haltestelle nach der am Bahnhof heißt „Allee-Center“. Zwischen Bahnhof und Allee-Center lassen sich mindestens 3 Einkaufscenter erobern und sämtliche Sehenswürdigkeiten der Innenstadt erschließen. Diese reihen sich entlang des Breiten Wegs, welcher die Fritz-Rheuter-Allee kreuzt, hübsch aneinander. So findet man alleine auf einer Seite des Breiten Wegs in der ersten bis zur dritten reihe das Allee-Center, das romanische Kloster Unser lieben Frauen, das Modell der Heilige-Geist-Kirche, die Grüne Zitadelle, den 800 Jahre alten Dom und das Altstadtmodell von Egbert Broerken. Dem Allee-Center gegenüber, in zweiter Reihe neben der Ernst-Rheuter-Allee, findet man das Modell der Ullrichskirche. Das es diese Tastobjekte gibt und deren Standorte haben wir auf DATABUS recherchiert. Überquert man vor dem Alle-center die Fritz-Rheuter-Allee, so befindet sich in zweiter Reihe der Marktplatz mit dem Alten Rathaus. Dessen melodisches Glockenspiel, bestehend aus 47 Bronzeglocken aus Apolda, schmeichelt dem Gehör. Die Teilnahme an einer Führung durch die Grüne Zitadelle war für uns das absolute Highlight:
Dieser rosa verputzte, burgähnliche Bau aus 2005 wurde von Friedensreich Hundertwasser geplant. Für den Entwurf und die Planung wurden 7 Jahre benötigt, für den Bau 2 Jahre. Der Künstler, der sich auch Regentag und Dunkelbund nannte, entwarf für diesen Neubau 859 verschiedene bzw. verschieden gestaltete Tanzende Fenster. 150 farbenfrohe Keramiksäulen, davon jede ein Unikat, wurden einzeln von ihm gezeichnet. Diese kleinen Kunstwerke, die man natürlich auch gut betasten kann, umhüllen und verschönern die Betonstützen.
Im zehnstöckigen Gebäude befinden sich 55 Mietwohnungen zwischen 55 und 148 Quadratmetern, wobei jede eine anderen Grundriss aufweist. Gemeinsam sollten ihnen nur die runden Ecken und die verschieden geformten, kunterbunten Fließen sein. Die Fensterrahmen sind grundsätzlich dunkel, jeder Fenstergriff anders gestaltet. Die Stufen im Treppenhaus sind gewollt ausgetreten, jede Wohnungstür sieht anders aus. Um einen Farbkoller zu vermeiden, sind die Wände in den Treppenhäusern weiß gestrichen. Zinnen, Zwiebeltürmchen und goldene Kugeln schmücken das Dach. Die mit einer dünnen Platinschicht überzogenen Kugeln sind Symbole für Sonne und Licht. Es gibt zwei begrünte Innenhöfe, auf einem plätschert ein Springbrunnen.
In den beiden unteren Etagen befinden sich kleine Läden, ein Kindergarten, ein Theater, Arzt- und Rechtsanwaltpraxen sowie ein Hotel. Die Pflasterung der Innenhöfe ist keineswegs gerade, sie soll im Gegenteil an Waldboden erinnern und ist deshalb wellig. Überhaupt sucht man hier gerade Linien vergebens, da diese nur für Maschinen und nicht für Menschen gut sind. Dafür sind reichlich Kugeln, auch aus Beton, und Spiralformen zu bestaunen, wie u. a. am Wohnturm.
In der Tiefgarage des Gebäudekomplexes stehen 121 Parkplätze zur Verfügung. Eben so viele, von Schülern aus Magdeburg und Dessau entworfene und aufgeklebte Mosaike aus Bruchfließenstücken, jedes davon ist einzigartig, sollen den Autobesitzern als Orientierungshilfe dienen. Die Parkplatzbegrenzungen wirken zwar gerade, sind jedoch freihändig gezogen.
Der Maler, Grafiker und Umweltschützer erschuf mit der Grünen Zitadelle ein leuchtendes Beispiel für Stadtökologie. Weil die Bauten der Menschen der Natur Fläche wegnehmen, will er diese zurück geben. Deshalb wurde auf das Dach eine Gummifolie aufgebracht, worauf sich eine bis zu 3,80 Meter dicke Schicht aus Pflanzensubstrat befindet. Darauf wurden 170 flach wurzelnde Obst- und Laubbäume, 350 Büsche und 10.000 Blumenzwiebeln gepflanzt. Zusätzlich gehören zu allen Wohnungen kleine Gartengrundstücke bzw. Rasenflächen oder zumindest Balkone, damit die Bewohner immer ins Grüne treten können, wenn sie Lust dazu verspüren. Wer nur einen Balkon sein Eigen nennt, kann allerdings einen Gemeinschaftsgarten nutzen. Die Grundstücke schließen sich jeweils an die Wohnzimmer an und können nach Geschmack bewirtschaftet oder auch nicht bewirtschaftet werden.
Zu 13 Wohnungen gehört ein hölzerner Untermieter. Der Mieter einer solchen Wohnung ist dazu verpflichtet, sein Bäumchen zu gießen, es zu hegen und zu pflegen. Im Gegenzug spenden dessen Blätter ihm Schatten; Staub, Lärm und Schmutz werden vom Baum geschluckt. Solch ein Baum steht dann in einer mit Fenstern ausgestatteten Einbuchtung des Wohnzimmers. Bepflanzt sind übrigens auch die Zwiebeltürmchen.
Leider hat der Autodidakt Hundertwasser den Bau und die Fertigstellung seiner Zitadelle nicht mehr erlebt. Der „Architekturdoktor“, der den Gebäuden wieder Leben einhauchen wollte, starb 2000 im Alter von 72 Jahren.
Die einstündige Führung begann und endete vor der Information der Grünen Zitadelle gegenüber des Springbrunnens. In dessen Räumlichkeiten steht ein maßstabgerechtes, detailgetreues Modell der Grünen Zitadelle. Dieses ist allerdings hinter Glas verborgen, kann zwar umlaufen aber nicht angefasst werden. Die architektonische Form der Festung kann man statt dessen am Bronzemodell der Altstadt nachempfinden.

Foto: Ein Blick auf die Grüne Zitadelle vom Breiten Weg aus.
Foto: Die Grüne Zitadelle
Foto: Ein Blick auf die Grüne Zitadelle vom Breiten Weg aus.
Foto: Die Grüne Zitadelle
Foto: Die Grüne Zitadelle - Bäume wachsen aus den Fenstern
Foto: Grüne Zitadelle
Foto: Bronzerelief des Magdeburger Doms auf einem Steinsockel. Das Relief zeigt den Dom in einer seitlichen Ansicht, darunter Brailleschrift.
Foto: Bronzerelief des Magdeburger Doms
Foto: Springbrunnen im Innenhof der Grünen Zitadelle
Foto: Springbrunnen
Foto: Bunte Säulen mit Mosaikfliesen in der Grünen Zitadelle
Foto: Mosaiksäulen
Foto: Tanzende Fenster an einer Außenfassade der Grünen Zitadelle.
Foto: Tanzende Fenster
Foto: Bronzemodell der Stadt Magdeburg - in der Detailansicht die Grüne Zitadelle
Foto: Bronzemodell Magdeburg
Foto: Bronzemodell der Magdeburger Innenstadt aus der Vogelperspektive
Foto: Bronzemodell Magdeburg
Foto: Blick auf die Türme des Magdeburger Doms
Foto: Türme des Magdeburger Doms
Foto: Tastmodell der Ulrichskirche
Foto: Tastmodell der Ulrichskirche

Gemäldeführer für alle im Staatlichen Museum Schwerin

Am 13. Oktober 2012 hatten wir um 15:00 Uhr eine Verabredung im Staatlichen Museum Schwerin. Wo wir schon mal in der Landeshauptstadt waren, nutzten wir die Gelegenheit, durch das Schlosspark- und das neue Marienplatzcenter zu schlendern. Auch eine Gassirunde um den Pfaffenteich sowie ein Spaziergang auf dem ehemaligen BUGA-Gelände am Schloss verkürzten uns die Wartezeit auf angenehme Weise. Bereits gegen 14:00 Uhr betraten wir das Foyer des Museums. Der Grund für unser frühzeitiges Erscheinen war, dass wir uns in aller Ruhe das neue Lese-Tast-Hörbuch erschließen wollten.

Neugierig nahmen wir das einzige zur Ausleihe bestimmte Exemplar entgegen und machten es uns im Cafe des Museums damit gemütlich.
Im Gemäldeführer „Das goldene Zeitalter“, welcher etwa die Größe eines Ordners hat, können 8 Reliefe und 7 Detaildrucke abgetastet werden. Es wurden die wichtigsten Elemente von 8 Gemälden Niederländischer Maler aus dem 17. Jahrhundert ausgewählt und taktil dargestellt, um diese auch für blinde und hochgradig sehbehinderte Kunstfreunde erfahrbar zu gestalten.
Die 8 Originale sind alle in der Dauerausstellung zu bewundern.
Die Beschreibungen der Gemälde stehen in Braille- und in Grossdruck im Buch, genau wie Wissenswertes zum jeweiligen Künstler und Zeitgeschichtliches.
Inspiriert vom im Multimar Tönning eingesetzten Hörstift des Vereins Andersicht, kommt bei diesem Exemplar des Gemäldeführers ebenfalls der Hörstift zum Einsatz, um die Informationen auch hörbar zu machen. Die kunstvoll gearbeiteten Reliefe der DZB weißen bis zu 7 Ebenen auf.
Sie sind mit kontrastoptimierten Farbdrucken unterlegt. Oben links eines jeden Reliefs finden sich taktile Pfeile, welche die Ausrichtung des Gemäldes anzeigen. Oberhalb der Pfeilspitze ist jeweils ein Label für den Hörstift aufgeklebt. Von 7 Gemälden wurden von jeweils einem ganz besonders bemerkenswerten Detail gedruckte Reliefe auf Papier angefertigt. Diese, wie auch die Brailleschrift im Buch, entstammen dem Siebdruckverfahren. Dieses Siebdruckverfahren erlaubt eine platzsparende Methodik der Reliefherstellung und ist in Deutschland bisher einzigartig.
Wir hören uns die Beschreibung eines Gemäldes an und versuchen gleichzeitig, diese nachzuvollziehen. Doch nach 4 Gemälden ist die Wartezeit um und die Führung beginnt. Aber lange müssen wir nicht auf das Buch verzichten, bereits nachdem wir uns vor dem ersten Original auf Hockern niedergelassen haben, teilt unsere Gästeführerin Frau Baumgart Gemäldeführer aus. Diesmal beinhalten die Gemäldeführer keine Labels und es steckt auch keine CD im Umschlag, wie es bei den zum Verkauf bestimmten Exemplaren der Fall wäre. Dafür beschreibt uns die Museumspädagogin mit eigenen Worten, was wir mit den Fingern sehen sollen. Wie immer, versteht es Frau Baumgart auch diesmal meisterlich, uns durch ihre eigene Begeisterung für die Kunst mitzureißen und in die Welt der Holländermühlen und Still-Leben zu entführen. So bedauern wir es, dass uns während der Führung nur 2 der 8 Gemälde nähergebracht werden.

Foto: Cover des Lese-Tast-Hörbuchs - Das Goldene Zeitalter
Foto: Lese-Tast-Hörbuch – Das Goldene Zeitalter
Foto: Aufgeschlagenes Buch - links Bildbeschreibungen in Braille- und Schwarzschrift, rechts das Bild "Steckbrett mit Flöte"
Foto: Steckbrett mit Flöte
Foto: Aufwändiges dargestelltes Gemälde von Blumen und Früchten
Foto: Girlande mit Blumen und Früchten
Foto: Gemälde: Der Geograph
Foto: Der Geograph
Foto: Aufgeschlagenes Buch - links eine Detaildarstellung eines Segelboots in Siebdruck, rechts Braille- und Schwarzschrift
Foto: Segelboot

Weitere Informationen zum Gemäldeführer: www.museum-fuer-alle.de
Zum Staatlichen Museum Schwerin und Führungen siehe auch unseren Beitrag aus dem Dezember 2010.