Archiv der Kategorie: Museen mit Audioguide

Besuch im Hans Fallada Museum in Carwitz

Im Rahmen eines Urlaubs Ende August in der Feldberger Seenlandschaft besuchten wir das Hans Fallada Museum in Carwitz.
Wir schoben diesen einzigen kulturellen Aspekt unseres Aufenthalts bis zum letzten Urlaubstag vor uns her, da wir bei herrlichsten Sommerwetter lieber beim Wandern und Paddeln die wundervolle Natur in ganzen Zügen genossen.
Doch wäre es schade gewesen, wenn wir uns nicht zu einer Besichtigung durchgerungen hätten.

Robert Dietzen – alias Hans Fallada – wurde im Vorpommerschen Greifswald geboren und lebte von 1933 bis 1944 zusammen mit seiner Familie im Mecklenburgischen Carwitz.

Die Ausstellung im ehemaligen Wohnhaus erzählt vom Leben und Werk des Schriftstellers.
Mittels etwas unhandlicher Audioguides von Soundgarden sind die Ausstellungsinhalte akustisch verfügbar.
Zum Abhören der Informationen tippt man auf dem Gerät die Ziffer ein, welche jeweils neben dem Türrahmen zu finden ist. Diese kann man nicht taktil erfassen.

Im Haus sind 7 Räume zugänglich. Zahlreiche originale Möbelstücke der Familie Dietzen sind vorhanden und können berührt werden. Manche davon wirken erstaunlich modern.
Im Filmzimmer im Obergeschoss mit Blick auf den See laufen Dokumentationen über Fallada.

Zur Ausstellung und zum Inhalt des Audioguides gehört nicht nur das Haus sondern auch das 15.000 m² große, parkähnliche Anwesen, das traumhaft am Carwitzsee gelegen ist.

An den Wegen stehen gelbe Schilder, auf denen die Nummern für die Audioguides in schwarz aufgebracht worden. Leider sind diese kaum noch zu entziffern.
Das parkähnliche Grundstück mit Scheune, Bootsschuppen, Bienenhaus und Dreiecksbeet wurde dem Zustand von 1938 angenähert. Im heutigen Scheunentheater standen einst Schweine, Kühe und Pferde. Ein kleines aber feines, neu hinzu gebautes Amphitheater bietet im Sommer den Zuhörern von Lesungen romantische Plätze mit Seeblick.

Die Inhalte der Audioguides gaben uns einen interessanten Einblick in die Carwitzer Jahre des Schriftstellers, so dass wir neugierig auf seine Bücher geworden sind und diese als Hörbücher bei der DZB zu Leipzig ausgeliehen haben.

Besucheradresse:
Hans-Fallada-Museum Carwitz, Zum Bohnenwerder 2, 17258 Feldberger Seenlandschaft
Telefon/Fax: (039831) 2 03 59
E-Mail: museum@fallada.de
Webseite: http://www.fallada.de

Foto: Blick zum Eingang des Fallada Hauses.
Foto: Falladas Haus
Foto: Das Dreiecksbeet auf dem Fallada Anwesen mit Blick auf den Giebel des Hauses.
Foto: Dreiecksbeet
Foto: Der schwarze Schreibtisch mit einer alten Schreibmaschine, rechts davon ein Tintenfass, eine Vase mit bunten Blümchen, eine Kaffeekanne sowie eine Schreibtischlampe. Im Hintergrund ist eine Sitzgruppe und eine Bücherwand zu sehen.
Foto: Original Schriftstück
Foto: Ein Schriftstück Falladas mit einem Bleistift.
Foto: Original Schriftstück
Foto: Der Audioguide des Fallada Museums, in Form eines großen Hörers.
Foto: Audioguide
Foto: Die Carwitzer Badestelle am Schmalen Luzin.
Foto: Carwitzer Badestelle
Foto: Blick auf eine Pferdekoppel bei Carwitz. Im Hintergrund der türkisfarbene Schmale Luzin. Im Vordergrund ein auf der saftigen Koppel grasendes Pferd.
Foto: Carwitz
Foto: Blick auf den Schmalen Luzin, links und rechts von ihm erheben sich majestätisch Wälder auf Hügeln. Auf dem türkisfarbenen Wasser tummeln sich in weiter Ferner einige Kajaks.
Foto: Schmaler Luzin

HTM Peenemünde

Zwei Jahre nach unserem ersten Besuch im HTM fuhren wir erneut nach Peenemünde. Neben dem Umbau und der Erweiterung der Ausstellungen wurde auch deren Zugänglichkeit für Besucher mit Sehbehinderung entscheidend verbessert:
Ein weißer Orientierungsstreifen, welcher jedoch nicht taktil erfassbar ist, führt nun vom Eingang aus direkt zur Kasse.
Die Treppengeländer sind inzwischen fast normgerecht und es sind Markierungen der Stufen vorhanden.
Außerdem wurde die Beleuchtung verbessert. Auch die Texte sind jetzt für mehr Leute lesbar als zuvor.
Die Nummern für die Audioguides wurden auf Schildern in kontrastreicher Reliefschrift angebracht. Auf diesen Schildern befindet sich oben rechts zusätzlich die Nummer für die Audioguides in Punktschrift.
Weiterhin gibt es zwei kleine Tastmodelle des Geländes.
An einem taktilen Wegeplan wird noch gearbeitet, wie auch an weiteren Orientierungshilfen für blinde und sehbehinderte Museumsbesucher.

Foto: Modell des Kraftwerksgeländes Im Vordergrund befindet sich das in Rot modellierte Kraftwerk, aus dem 6 Schornsteine empor ragen. Der in Unschärfe getauchte Hintergrund zeigt in Gelb den Schrägaufzug sowie in lila die Kranbrücke, welche zum Brecherhaus führt.
Foto: Modell des Kraftwerksgeländes

Nationalparkzentrum Königsstuhl

Im April 2013 starteten wir dem Königsstuhl einen weiteren Besuch ab.
Der Bus fährt nun direkt zum Eingang des Nationalparkzentrums und hält nicht mehr am Parkplatz. Somit mussten wir leider auf die kurze Wanderung durch den herrlichen Buchenwald verzichten.
Erst wenn man am Kassenhäuschen einen üppigen Eintritt, 7 EUR, gezahlt hat (die Begleitperson ist frei), darf man zur Aussichtsplattform des Königsstuhlfelsens und die Ausstellung im Nationalparkhaus besuchen.
In dessen Foyer empfängt den Besucher nun ein Tastmodell der Firma 3D Formenbau, welches die Halbinsel Jasmund darstellt. Daran kann man genau die Klippen der Kreidefelsen und die Geographie erkunden.
Bäume, Flüsse, Strassen und Gebäude sind allerdings nur aufgemalt.
Freudig haben wir auch die Veränderung der ausleihbaren Kopfhörer für den Audiorundgang durch die Ausstellung registriert: Im Vergleich zu früher werden nun offene Kopfhörersysteme eingesetzt, welche eine gewisse akustische Wahrnehmung der Umgebung gestatten, was besonders blinden Gästen zu Gute kommt.

Foto: Die Reliefkarte zeigt im Vordergrund Sasnitz, rechts davon beginnen die Kreidefelsen und ziehen an der rechten Seite des Reliefs entlang. Der Wald erstrahlt in einem üppigen grün, während die restliche Landmasse in braun gehalten ist. Gut ausmachen lässt sich die Struktur des Geländes.
Foto: Reliefkarte der Kreideküste

Gemäldeführer für alle im Staatlichen Museum Schwerin

Am 13. Oktober 2012 hatten wir um 15:00 Uhr eine Verabredung im Staatlichen Museum Schwerin. Wo wir schon mal in der Landeshauptstadt waren, nutzten wir die Gelegenheit, durch das Schlosspark- und das neue Marienplatzcenter zu schlendern. Auch eine Gassirunde um den Pfaffenteich sowie ein Spaziergang auf dem ehemaligen BUGA-Gelände am Schloss verkürzten uns die Wartezeit auf angenehme Weise. Bereits gegen 14:00 Uhr betraten wir das Foyer des Museums. Der Grund für unser frühzeitiges Erscheinen war, dass wir uns in aller Ruhe das neue Lese-Tast-Hörbuch erschließen wollten.

Neugierig nahmen wir das einzige zur Ausleihe bestimmte Exemplar entgegen und machten es uns im Cafe des Museums damit gemütlich.
Im Gemäldeführer „Das goldene Zeitalter“, welcher etwa die Größe eines Ordners hat, können 8 Reliefe und 7 Detaildrucke abgetastet werden. Es wurden die wichtigsten Elemente von 8 Gemälden Niederländischer Maler aus dem 17. Jahrhundert ausgewählt und taktil dargestellt, um diese auch für blinde und hochgradig sehbehinderte Kunstfreunde erfahrbar zu gestalten.
Die 8 Originale sind alle in der Dauerausstellung zu bewundern.
Die Beschreibungen der Gemälde stehen in Braille- und in Grossdruck im Buch, genau wie Wissenswertes zum jeweiligen Künstler und Zeitgeschichtliches.
Inspiriert vom im Multimar Tönning eingesetzten Hörstift des Vereins Andersicht, kommt bei diesem Exemplar des Gemäldeführers ebenfalls der Hörstift zum Einsatz, um die Informationen auch hörbar zu machen. Die kunstvoll gearbeiteten Reliefe der DZB weißen bis zu 7 Ebenen auf.
Sie sind mit kontrastoptimierten Farbdrucken unterlegt. Oben links eines jeden Reliefs finden sich taktile Pfeile, welche die Ausrichtung des Gemäldes anzeigen. Oberhalb der Pfeilspitze ist jeweils ein Label für den Hörstift aufgeklebt. Von 7 Gemälden wurden von jeweils einem ganz besonders bemerkenswerten Detail gedruckte Reliefe auf Papier angefertigt. Diese, wie auch die Brailleschrift im Buch, entstammen dem Siebdruckverfahren. Dieses Siebdruckverfahren erlaubt eine platzsparende Methodik der Reliefherstellung und ist in Deutschland bisher einzigartig.
Wir hören uns die Beschreibung eines Gemäldes an und versuchen gleichzeitig, diese nachzuvollziehen. Doch nach 4 Gemälden ist die Wartezeit um und die Führung beginnt. Aber lange müssen wir nicht auf das Buch verzichten, bereits nachdem wir uns vor dem ersten Original auf Hockern niedergelassen haben, teilt unsere Gästeführerin Frau Baumgart Gemäldeführer aus. Diesmal beinhalten die Gemäldeführer keine Labels und es steckt auch keine CD im Umschlag, wie es bei den zum Verkauf bestimmten Exemplaren der Fall wäre. Dafür beschreibt uns die Museumspädagogin mit eigenen Worten, was wir mit den Fingern sehen sollen. Wie immer, versteht es Frau Baumgart auch diesmal meisterlich, uns durch ihre eigene Begeisterung für die Kunst mitzureißen und in die Welt der Holländermühlen und Still-Leben zu entführen. So bedauern wir es, dass uns während der Führung nur 2 der 8 Gemälde nähergebracht werden.

Foto: Cover des Lese-Tast-Hörbuchs - Das Goldene Zeitalter
Foto: Lese-Tast-Hörbuch – Das Goldene Zeitalter
Foto: Aufgeschlagenes Buch - links Bildbeschreibungen in Braille- und Schwarzschrift, rechts das Bild "Steckbrett mit Flöte"
Foto: Steckbrett mit Flöte
Foto: Aufwändiges dargestelltes Gemälde von Blumen und Früchten
Foto: Girlande mit Blumen und Früchten
Foto: Gemälde: Der Geograph
Foto: Der Geograph
Foto: Aufgeschlagenes Buch - links eine Detaildarstellung eines Segelboots in Siebdruck, rechts Braille- und Schwarzschrift
Foto: Segelboot

Weitere Informationen zum Gemäldeführer: www.museum-fuer-alle.de
Zum Staatlichen Museum Schwerin und Führungen siehe auch unseren Beitrag aus dem Dezember 2010.

Mediaguides für Lilienthal

Am 24. Juni 2012 statteten wir dem Otto-Lilienthal-Museum in Anklam erneut einen Besuch ab, da wir von Neuerungen bei der Informationsvermittlung gehört haben (siehe unseren Bericht vom 19. Mai 2010).

Im Museum in Lilienthals Geburtsstadt stehen den Besuchern seit kurzem derzeit „Mediaguides“ zur Verfügung, mit deren Hilfe ergänzende Informationen zur Ausstellung abgerufen werden können.

Das funktioniert über sogenannte QR-Codes. Diese, in Japan schon weit verbreiteten, zweidimensionalen Quick-Response-Codes, sind an den quadratischen Symbolen zu erkennen. Diese können mittels Smartphone-Kameras und QR-Code-Reader App ausgelesen werden.
Im Personalmuseum für den Flugpionier, Ingenieur und Humanisten kann man sich derzeit für 3,- Euro ein iPad oder einen iPod Touch ausleihen. Diese wurden von der Firma Networks Marketing AG zur Verfügung gestellt, welche eine entsprechende App zum Scannen der Codes darauf installiert hat.
Nachdem das Museumspersonal an der Kasse einen Zugangscode eingegeben hat, kann es los gehen.
Wir aktivieren auf unserem iPad 2 VoiceOver, um überhaupt mit der App arbeiten zu können.
Nun können wir uns vorlesen lassen, was auf dem Bildschirm steht. Links oben finden wir „Scannen“. Wir öffnen mit Doppeltipp und legen den Ausschnitt der stabilen iPad-Hülle, worin sich die Kamera befindet, auf einen Code. Jetzt bewegen wir das iPad wagerecht und etwas nach oben, bis wir einen Quittierungston hören. Anschließend können wir uns die Überschrift vorlesen lassen. Durch die Aktivierung von Audio, MP3 und Play nacheinander, gelangen wir zum aufgesprochenen Text.
Für das Auflesen der Texte wurden Schauspieler der Theaterbühne Vorpommern engagiert.
Die Texte enthalten keine Beschreibungen des Raumes und der Exponate und keine Orientierungshinweise. Die etwa 5 x 5 cm großen und gut fühlbaren Quadrate, auf denen die Codes aufgeklebt sind, sind entweder links oder rechts der Informationsschilder, in verschiedener Höhe, angebracht.

Das selbstständige Auffinden ist durch blinde Personen kaum möglich, da man sich, aufgrund der vielen frei stehenden Exponate, nicht an den Wänden entlangtasten kann.

Weitere Informationen unter: Networks Mediaguide

Besucheradresse:
Ellbogenstraße 1, 17389 Anklam
Internet: Lilenthal-Museum

Jana beim Scannen eines QR-Codes. Im Display des iPads erscheint im rechten oberen Teil ein QR Code.
Jana beim Scannen eines QR-Codes. Im Display des iPads erscheint im rechten oberen Teil ein QR Code.
Warne Farben umhüllen einen blau gelb gestreiften Ballon.
Warne Farben umhüllen einen blau gelb gestreiften Ballon.

 

Multimar Wattforum Tönning

Im Rahmen eines Kurzurlaubs in Husum an der Nordsee, besuchten wir am 13. Mai 2012 das Informationszentrum für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, das Multimar Wattforum in Tönning. Von Husum aus ist Tönning stündlich innerhalb von ca. 20 Minuten mit dem Zug erreichbar.

In Tönning angekommen, folgt man zunächst der Straße nach Nordwesten in Richtung Zentrum, vorbei am Biohotel Miramar. Anschließend geht es weiter Richtung Nordost entlang der Westerstraße bis zu einem Park (Schlossgarten), den man durchqueren muss. Man wechselt die Straßenseite. An der Straße Am Hafen geht es zunächst in Richtung Südosten weiter, bis diese einen Bogen nach Nordosten einschlägt. Man folgt dem Straßenverlauf bis zum Ende. Der Fußweg führt nun direkt bis vor einen horizontal aufgestellten Reliefplan, welcher einen Überblick über das Weltnaturerbe Wattenmeer gibt.
Anschließend wendet man sich nach rechts, passiert eine Brücke und steht gleich darauf vor dem roten Eingang zum Multimar.
Nach dem Passieren von zwei Türen befindet sich rechts der Informationsstand mit Kasse.

Am Informationsstand leihen wir uns zunächst einen Hörstift aus, einen stiftartigen, robusten Audioguide ohne Kabel und Umhängeband. Dafür müssen wir 10 Euro Pfand hinterlegen.
Dann bitten wir noch darum, uns den Reliefordner ausleihen zu dürfen.
Auf einer Bank unweit des Infoschalters ertasten wir die farbig gestalteten reliefartigen Abbildungen einiger Nordseebewohner und lesen die zugehörigen Texte in Punkt- und kontrastreicher Großschrift.
Unsere Jacken verstauen wir in einem Schließfach.
Der Hörstift, welcher nur für die Walausstellung benötigt wird, findet bis dahin Platz in der Netzaußentasche des Rucksacks. Der Blindenführhund scheint willkommen zu sein.

Die Ausstellung beginnt vielversprechend mit riesigen Tastmodellen von Sandklaffmuschel, Amerikanischer Schwertmuschel und Wattwurm.
Die Texte sind in Großdruck und in Augenhöhe angebracht. In der Nähe steht ein großes, ca. 1,30 Meter hohes Meerwasserbecken, welches unabgedeckt ist.
Hier leben Nordseebewohner wie Schollen. Es folgen Aquarien, welche alle in der linken oberen Ecke blaue Schilder mit weißer Pyramidenschrift und Punktschrift besitzen.
Dort kann man den Inhalt der Glaskästen erfahren, wie z. B. Muschelbank, Seegraswiese, Sandgrund, Felswand, Hafenbecken, Geröllgrund.
Zum Begreifen gibt es hier leider nichts.
Insgesamt werden in 36 Aquarien 280 Arten gezeigt, welche im Wattenmeer beheimatet sind. Die Hörstation „Satt im Watt“ ist ebenfalls entsprechend beschildert und wird über einen Trackball bedient.
Es gibt zahlreiche interaktive Stationen, welche aber für blinde und hochgradig sehbehinderte Besucher nicht so gut zu erschließen sind. So kann man zwar an einem Fitnessgerät testen, wie schnell man treten kann, ohne allerdings akustisch zu erfahren, ob das nun die Geschwindigkeit eines jagenden Seehunds oder einer fliehenden Gans war.

In einem Aquarium kann man die bedrohten Seepferdchen bewundern und in Großschrift erfahren, dass diese eigentlich seit 2004 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und dennoch vom Aussterben bedroht sind. Als Beispiel für Meeresfrüchte kann man einen klebrigen Haufen lebendiger Miesmuscheln betasten.
Richtig toll ist die Station „von Augenblick und Generation“.
Hierbei handelt es sich um eine Hörstation mit Hörer. Die Hörstation ist an einer Wand angebracht und sieht aus wie ein riesiges Memory.
Links folgen mehrere Schalter von oben nach unten, welche auch in Braille beschriftet sind. Hier sind Seehund, Ringelgans, Seeregenpfeifer, Scholle, Kieselalge, Plankton, Seegras und Gezeitenmücke aufgeführt. Außerdem gibt es eine Zeiteinteilung, welche von links nach rechts aufgebaut ist. Diese beinhaltet Minute, Stunde, Tag, Jahr, Monat und Jahrzehnt, was alles auch in Braille zu lesen ist.
Man kann so jeweils eine Kombination aus Zeit und Art wählen und erhält sowohl akustische als auch visuelle Informationen.

Anschließend lockte uns ein Riesenaquarium eine Treppe hinunter. In diesem mehrere Meter hohen Aquarium leben unter anderem Störe.
Leider sind die zugehörigen Informationen auf dem Monitor für uns nicht zu entziffern und auch nicht akustisch abrufbar.

Weiterhin gibt es im Multimar zahlreiche Simmulationsgeräte, welche aber nicht für blinde geeignet sind.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bot interessante Diavorträge zu aktuellen Themen wie der Bedrohung von Korallenriffen und Überfischung an.
Wir folgen einigen Stufen nach unten. Rechts befindet sich ein kleiner Kinosaal. Wir wenden uns nach links und betreten die Walausstellung.

Die in dunkelblau gehaltene und daher ziemlich düster wirkende Walausstellung ist für uns das Highlight.
Wir passieren ein Schweinswalmodell und stehen linkerhand vor einem taktilen Übersichtsplan dieser Ausstellung mit Legende in Braille- und Großschrift.
Er wurde von Jochen Brodersen, drei-D Formenbau, erschaffen.
An der rechten Wand befindet sich mittig über diesem Reliefplan der erste Infopunkt für den Hörstift.

Wir schalten den Hörstift ein und vernehmen einen Quittierungston. Wir setzen ihn mit der Spitze voraus in die Öffnung und der Hörstift gleitet ein kleines stück hinein. Ein Quittierungston verrät uns sofort, dass er das Label erkannt hat.
Wir halten den Hörstift näher ans Ohr und lauschen einer sehr gut verständlichen Frauenstimme, welche uns in die Nutzung des Audioguides einweist.
Außerdem erfahren wir, wo die Infopunkte für den Hörstift zu finden sin. In der Regel befinden sich diese an den Wänden in Höhe eines Lichtschalters.
Bei Exponaten findet sich der Infopunkt immer an der rechten unteren Ecke.

Direkt auf dem Reliefplan befindet sich ein weiterer Infopunkt, über den wir nun Hinweise zur Orientierung mittels einer genauen Raumbeschreibung erhalten.
Solche Orientierungshinweise werden immer von einer sehr gut verständlichen männlichen Stimme gesprochen, alle anderen Informationen von der Weiblichen.

Das erste Thema ist die Wanderung der Wale.
Wir halten uns so gut wie möglich an der rechten Wand. Bald darauf stoßen wir auf einen großen, hell leuchtenden Globus, wo die Wanderrouten der Wale, leider nur graphisch, dargestellt sind – Vorsicht, auf die Nase achten!

Nun folgen rechts 10 unterschiedlich große Themenkammern, welche mit einem schweren Vorhang vom restlichen Raum getrennt sind.
Jede Kammer behandelt ein anderes, spannendes Thema zu Walen. Vor dem Zugang einer jeden Kammer sind, immer in der gleichen Höhe, Infopunkte für den Hörstift vorhanden, welche über das jeweilige Thema informieren, über davor befindliche Tastmodelle aufklären und eine genaue Raumbeschreibung geben.

Wir betreten sofort, nachdem der Hörstift das Thema genannt und die Außenmodelle beschrieben hat, die Kammer, um die Raumbeschreibung gleichzeitig hören und nachvollziehen zu können. In der ersten Kammer kann man verschiedene Walarten mittels Tastmodellen erfühlen.
Gleich gegenüber des Eingangs steht ein aufrechtes Modell eines Schweinswals in Originalgröße.
Rechts befinden sich, ca. in 1,80 Metern Höhe, kleinere Modelle von Schwertwal, Pott- und Buckelwal.
Hörbar gemacht wurden jeweils die meisten Texte, aber keine Grafiken auf Landkarten und Übersichtsplänen, die z. B. Schutzgebiete für Schweinswale und Wanderrouten der großen Wale zeigen.
Die Infopunkte befinden sich immer in der selben Höhe, so dass sie beim entlang gleiten der Hand an der Wand relativ leicht aufzufinden sind.
Auch in den anderen Kammern findet man hier und da Tastmodelle, wie z. B. von einem Kraken, einer Tiefseequelle und von riesigen Harpunen.
Mit denen werden auch noch heutzutage jedes Jahr mehr als tausend, eigentlich streng geschützte Wale abgeschlachtet, zu rein wissenschaftlichen Zwecken, versteht sich!!!

Manch eine Kammer hält auch akustische Überraschungen bereit, wie z. B. zum Thema Orientierungssystem der Meeressäuger und Lärmemission unter Wasser. In einer der letzten Kammern läuft eine Hörfilmschleife, in welcher man erfährt, wie der riesige Pottwal, der in der Mitte der Walausstellung zu bewundern ist, ins Multimar gelangt ist und wie er präpariert wurde.

Der Multimarwal ist sehr beeindruckend, man kann vor allem sein Gebiss gut ertasten. Auf einer Seite zeigt er seine künstliche Haut, auf der anderen sein nachempfundenes Skelett. Er ist 18 Meter lang und hat zu Lebzeiten um die 40 Tonnen gewogen. Allein der Kopf des Pottwals misst 5 Meter.
Diesem Giganten ist 1997 das flache Wattenmeer zum Verhängnis geworden, wo er mit 28 Jahren gestrandet war.

In der Walausstellung des Multimar konnten wir uns mit Hilfe des Hörstiftes und der Tastmodelle einen guten Überblick über die Riesen der Meere verschaffen, welche stark bedroht sind und unseren Schutz brauchen, um auch morgen noch durch die Meere unseres Planeten wandern zu können.

Besucheradresse:
Multima Wattforum, Am Robbenberg, 25832 Tönning
Internet: www.multimar-wattforum.de

Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Die auf einem Kunststoffetikett aufgebrachte Pyramidenschrift ist weiß auf blauem Grund, während die Punktschrift blau auf weißem Grund gestaltet ist.
Foto: Braile- und Pyramidenbeschriftung am Aquarium
Foto: Auf dem Tastplan der Walausstellung erkennt man die Themenkammern, welche in verschiedenen Farben dargestellt sind. Weiterhin sind die Braile- und Schwarzschriftbeschriftungen gut zu erkennen. Rechts unten sieht man einen Infopunkt, in den der Hörstift hineingeschoben wird.
Foto: Tastplan Walausstellung
Foto: Der Hörstift wird in einen roten, trichterförmigen erhabenen Kreis eingeführt. Im Hintergrund erkennt man eine Informationstafel, welche weiße Schrift auf blauem Grund enthält.
Foto: Hörstift im Infopunkt

Schweriner Schloss

In der Schweriner Innenstadt thront auf einer Insel im Schweriner See das romantische Schloss.
Es war lange Zeit Residenz der Mecklenburger Herzöge und Großherzöge. seit 1990 ist es Sitz des Landtages von Mecklenburg Vorpommern. Außerdem beherbergt das bedeutende Bauwerk des Historismus eine Schlosskirche und ein Schlossmuseum.
Zum Schlossmuseum gelangt man über das Gartenportal an der Südseite. Es zeigt restaurierte Wohn-, Gesellschafts- und Prunkräume der herzoglichen Familie. Wer nicht an einer der öffentlichen Führungen teilnehmen möchte, kann sich im Foyer einen Audioguide ausleihen. Führhunde sind erlaubt. In ca. 13 Räumen gibt es durchaus blinden- und sehbehindertenfreundliche Beschreibungen der Ausstattung und der baulichen Besonderheiten. Die Zahlen für die Guides sind auf pultartigen Aufstellern aufgedruckt und für Sehbehinderte recht gut lesbar. Das Personal war sehr hilfsbereit, nannte uns die jeweilige Nummer und geleitete uns zur nächsten Station weiter.
Die teilweise beheizbaren, wunderschönen und reich ausgestatteten und verzierten Räumlichkeiten verströmen insgesamt eine wohnliche Atmosphäre. Die hohen Fenster geben romantische Aussichten auf Schlossgarten und den See frei. Aber Vorsicht! Ein sagenumwobener Schlossgeist, das Petermännchen, spukt hier herum.

Foto: Das Schweriner Schloss bei strahlend blauem Himmel im warmen Sonnenlicht. Die gelbe Farbe des Schlosses und, die goldenen Verzierungen und Türme wirken märchenhaft. Das Schloss steht hinter dem Schlossgarten, welcher am rechten Bildrand von Bäumen gesäumt ist. Links davon einige Skulpturen und künstlich angelegte Wasserläufe in denen sich das Schloss spiegelt. Rings herum eine grüne Wiese.
Foto: Das Schweriner Schloss

Historisch-Technisches Museum Peenemünde

Im Norden der Insel Usedom liegt das beschauliche Peenemünde, direkt an der Mündung des Peenestroms in die Ostsee. Die Ortschaft ist mit der Usedomer Bäderbahn (UBB) stündlich von Zinnowitz erreichbar. Wendet man sich vom Bahnhof nach links, kann in ca. 10 Gehminuten das Historisch-Technische Museum (HTM) erreicht werden. Hat man sich erstmal bis zum Informations- und Verkaufsschalter vorgearbeitet, kann man dort Audioguides (allerdings ohne Kopfhörer) leihen, mit dessen Hilfe zahlreiche Informationen über die Ausstellungen abgehört werden können. Führhunde sind erlaubt.

Im HTM erfährt man vieles über die in Peenemünde entwickelte Rakete „Aggregat 4“, welche als ein technischer Meilenstein des 20. Jahrhunderts galt, da sie aufgrund ihrer enormen Reichweite das Tor zum Weltraum öffnete. Doch ihre Bestimmung war es, Sprengkörper zu transportieren. So steht der technischen Errungenschaft das Leid der Opfer der Raketenangriffe und der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge sowie Kriegsgefangenen entgegen, welche hier und anderswo zur Arbeit an den Raketen gezwungen wurden. Diese Rakete wurde im Zweiten Weltkrieg als „V2“ gegen die Alliierten eingesetzt. Außerdem befand sich hier eine hochmoderne Raketenversuchanstalt der nationalsozialistischen Luftwaffe, wo die „V1“ getestet wurde. Im Außenbereich kann man Nachbauten von „V1“ und „V2“ besichtigen. Aber auch ein Jagdflieger, eine Mig, ein Hubschrauber und ein Raketenschnellboot der NVA sind u. a. dort aufgestellt.

Erhalten ist noch das Steinkohlekraftwerk, wo bis 1990 noch Strom und Wärme erzeugt worden ist. Seit 1999 kann dieses als Museum besichtigt werden.
Leider ist die Ausstellung nur schwer für sehbehinderte und blinde Besucher zugänglich, teilweise sind die Räume sehr dunkel und die Nummern für die Audioguides kaum oder gar nicht lesbar.

Im Frühjahr/Sommer 2010 bekam Frau Uhlenbruch-Nußbaum im Rahmen des Praktikums „Perspektive Wiedereinstieg“ des Christlichen Jugenddorfes Garz den Auftrag, das HTM für sehbehinderte und blinde Besucher zugänglicher zu gestalten. In Zusammenarbeit mit Betroffenen erarbeitete sie gemeinsam mit ihrer Praktikumsbetreuerin ein Konzept, welches die Ausstellungen in Zukunft für Menschen mit Seheinschränkungen attraktiver machen wird. Noch in diesem Jahr soll laut Museumsleitung mit der Umsetzung des Konzeptes begonnen werden. Wir bleiben dran.

Aggregat 4 (A4) - Die Großrakete in ihrer typischen schwarz weißen Lakierung auf dem Außengelände des HTM.
Aggregat 4 (A4)

Meeresmuseum Stralsund

Direkt in der Stralsunder Innenstadt, zwischen Neuem und Altem Markt, befindet sich das Meeresmuseum in einem roten Backsteingebäude. Im Meeresmuseum Stralsund kann man für 2 Euro einen Audioguide ausleihen und mit dessen Hilfe ausführlichen Informationen über die dort ausgestellten Bewohner des Meeres und über Fischerboote lauschen. Allerdings sollte man vorher sicherstellen lassen, dass der Akku voll aufgeladen wurde, ansonsten gibt es evtl. eine böse Überraschung unterwegs. Teilweise sind die Nummern für den Audiguide gut lesbar angebracht, meist oberhalb der Vidrienen und Aquarien. Fällt allerdings die Hintergrundbeleuchtung aus, so wird es für Sehbehinderte schwierig, die Zahlen und Symbole zu deuten.

Führhunde sind erlaubt. Es werden spezielle Gruppenführungen für blinde und sehbehinderte Besucher angeboten.

Riesenschildkröte
Die Riesenschildkröte scheint durch das Wasser zu schweben.
Eine Annemonenfisch - Clownfisch, mit seinen drei weißen Streifen auf dem orangefarbenen Körper schwimmt durchs Aquarium.
Clownfisch schwimmt durch das Aquarium

Besucheradresse:
Katharinenberg 14-20, 18439 Stralsund
Internet:Deutsches Meeresmuseum Stralsund