Archiv der Kategorie: Reiseberichte

Kurztrip nach Magdeburg

Ende Oktober machten wir uns für 3 Tage auf in die Landeshauptstadt Sachsen-anhalts. Der Magdeburger Hauptbahnhof ist mit Leitsystemen, darunter auch ein aufgeklebter Leitstreifen, ausgestattet. Hier konnten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Gästeinformationssystem inklusive Nummernziehen machen, wobei man sich durchaus um Zugänglichkeit bemüht hat. Vom Bahnhof aus sind es nur etwa 100 Meter bis zur Ernst-Rheuter-Allee, von wo aus Straßenbahnen in Richtung Innenstadt fahren. Um zu unserem Hotel zu gelangen, mussten wir nur zwei Stationen fahren und an der Haltestelle „Zollhaus“ aussteigen. Dann folgte noch ein 2 km langer Spaziergang durch den Rotehornpark, welcher sich auf der Elbinsel Werder befindet und mit 200 Hektar der größte Stadtpark Magdeburgs ist. In der Altstadt konnten sich unsere Füße über glatte Gehwege freuen. Alles ist großzügig und breit angelegt, so dass es niemals voll oder gar stressig wurde. An allen Kreuzungen tackern und tuten Ampeln. Die Haltestelle nach der am Bahnhof heißt „Allee-Center“. Zwischen Bahnhof und Allee-Center lassen sich mindestens 3 Einkaufscenter erobern und sämtliche Sehenswürdigkeiten der Innenstadt erschließen. Diese reihen sich entlang des Breiten Wegs, welcher die Fritz-Rheuter-Allee kreuzt, hübsch aneinander. So findet man alleine auf einer Seite des Breiten Wegs in der ersten bis zur dritten reihe das Allee-Center, das romanische Kloster Unser lieben Frauen, das Modell der Heilige-Geist-Kirche, die Grüne Zitadelle, den 800 Jahre alten Dom und das Altstadtmodell von Egbert Broerken. Dem Allee-Center gegenüber, in zweiter Reihe neben der Ernst-Rheuter-Allee, findet man das Modell der Ullrichskirche. Das es diese Tastobjekte gibt und deren Standorte haben wir auf DATABUS recherchiert. Überquert man vor dem Alle-center die Fritz-Rheuter-Allee, so befindet sich in zweiter Reihe der Marktplatz mit dem Alten Rathaus. Dessen melodisches Glockenspiel, bestehend aus 47 Bronzeglocken aus Apolda, schmeichelt dem Gehör. Die Teilnahme an einer Führung durch die Grüne Zitadelle war für uns das absolute Highlight:
Dieser rosa verputzte, burgähnliche Bau aus 2005 wurde von Friedensreich Hundertwasser geplant. Für den Entwurf und die Planung wurden 7 Jahre benötigt, für den Bau 2 Jahre. Der Künstler, der sich auch Regentag und Dunkelbund nannte, entwarf für diesen Neubau 859 verschiedene bzw. verschieden gestaltete Tanzende Fenster. 150 farbenfrohe Keramiksäulen, davon jede ein Unikat, wurden einzeln von ihm gezeichnet. Diese kleinen Kunstwerke, die man natürlich auch gut betasten kann, umhüllen und verschönern die Betonstützen.
Im zehnstöckigen Gebäude befinden sich 55 Mietwohnungen zwischen 55 und 148 Quadratmetern, wobei jede eine anderen Grundriss aufweist. Gemeinsam sollten ihnen nur die runden Ecken und die verschieden geformten, kunterbunten Fließen sein. Die Fensterrahmen sind grundsätzlich dunkel, jeder Fenstergriff anders gestaltet. Die Stufen im Treppenhaus sind gewollt ausgetreten, jede Wohnungstür sieht anders aus. Um einen Farbkoller zu vermeiden, sind die Wände in den Treppenhäusern weiß gestrichen. Zinnen, Zwiebeltürmchen und goldene Kugeln schmücken das Dach. Die mit einer dünnen Platinschicht überzogenen Kugeln sind Symbole für Sonne und Licht. Es gibt zwei begrünte Innenhöfe, auf einem plätschert ein Springbrunnen.
In den beiden unteren Etagen befinden sich kleine Läden, ein Kindergarten, ein Theater, Arzt- und Rechtsanwaltpraxen sowie ein Hotel. Die Pflasterung der Innenhöfe ist keineswegs gerade, sie soll im Gegenteil an Waldboden erinnern und ist deshalb wellig. Überhaupt sucht man hier gerade Linien vergebens, da diese nur für Maschinen und nicht für Menschen gut sind. Dafür sind reichlich Kugeln, auch aus Beton, und Spiralformen zu bestaunen, wie u. a. am Wohnturm.
In der Tiefgarage des Gebäudekomplexes stehen 121 Parkplätze zur Verfügung. Eben so viele, von Schülern aus Magdeburg und Dessau entworfene und aufgeklebte Mosaike aus Bruchfließenstücken, jedes davon ist einzigartig, sollen den Autobesitzern als Orientierungshilfe dienen. Die Parkplatzbegrenzungen wirken zwar gerade, sind jedoch freihändig gezogen.
Der Maler, Grafiker und Umweltschützer erschuf mit der Grünen Zitadelle ein leuchtendes Beispiel für Stadtökologie. Weil die Bauten der Menschen der Natur Fläche wegnehmen, will er diese zurück geben. Deshalb wurde auf das Dach eine Gummifolie aufgebracht, worauf sich eine bis zu 3,80 Meter dicke Schicht aus Pflanzensubstrat befindet. Darauf wurden 170 flach wurzelnde Obst- und Laubbäume, 350 Büsche und 10.000 Blumenzwiebeln gepflanzt. Zusätzlich gehören zu allen Wohnungen kleine Gartengrundstücke bzw. Rasenflächen oder zumindest Balkone, damit die Bewohner immer ins Grüne treten können, wenn sie Lust dazu verspüren. Wer nur einen Balkon sein Eigen nennt, kann allerdings einen Gemeinschaftsgarten nutzen. Die Grundstücke schließen sich jeweils an die Wohnzimmer an und können nach Geschmack bewirtschaftet oder auch nicht bewirtschaftet werden.
Zu 13 Wohnungen gehört ein hölzerner Untermieter. Der Mieter einer solchen Wohnung ist dazu verpflichtet, sein Bäumchen zu gießen, es zu hegen und zu pflegen. Im Gegenzug spenden dessen Blätter ihm Schatten; Staub, Lärm und Schmutz werden vom Baum geschluckt. Solch ein Baum steht dann in einer mit Fenstern ausgestatteten Einbuchtung des Wohnzimmers. Bepflanzt sind übrigens auch die Zwiebeltürmchen.
Leider hat der Autodidakt Hundertwasser den Bau und die Fertigstellung seiner Zitadelle nicht mehr erlebt. Der „Architekturdoktor“, der den Gebäuden wieder Leben einhauchen wollte, starb 2000 im Alter von 72 Jahren.
Die einstündige Führung begann und endete vor der Information der Grünen Zitadelle gegenüber des Springbrunnens. In dessen Räumlichkeiten steht ein maßstabgerechtes, detailgetreues Modell der Grünen Zitadelle. Dieses ist allerdings hinter Glas verborgen, kann zwar umlaufen aber nicht angefasst werden. Die architektonische Form der Festung kann man statt dessen am Bronzemodell der Altstadt nachempfinden.

Foto: Ein Blick auf die Grüne Zitadelle vom Breiten Weg aus.
Foto: Die Grüne Zitadelle
Foto: Ein Blick auf die Grüne Zitadelle vom Breiten Weg aus.
Foto: Die Grüne Zitadelle
Foto: Die Grüne Zitadelle - Bäume wachsen aus den Fenstern
Foto: Grüne Zitadelle
Foto: Bronzerelief des Magdeburger Doms auf einem Steinsockel. Das Relief zeigt den Dom in einer seitlichen Ansicht, darunter Brailleschrift.
Foto: Bronzerelief des Magdeburger Doms
Foto: Springbrunnen im Innenhof der Grünen Zitadelle
Foto: Springbrunnen
Foto: Bunte Säulen mit Mosaikfliesen in der Grünen Zitadelle
Foto: Mosaiksäulen
Foto: Tanzende Fenster an einer Außenfassade der Grünen Zitadelle.
Foto: Tanzende Fenster
Foto: Bronzemodell der Stadt Magdeburg - in der Detailansicht die Grüne Zitadelle
Foto: Bronzemodell Magdeburg
Foto: Bronzemodell der Magdeburger Innenstadt aus der Vogelperspektive
Foto: Bronzemodell Magdeburg
Foto: Blick auf die Türme des Magdeburger Doms
Foto: Türme des Magdeburger Doms
Foto: Tastmodell der Ulrichskirche
Foto: Tastmodell der Ulrichskirche

Kurzurlaub in Naumburg an der Saale

Vom 20. bis zum 25. August 2012 besuchten wir die Domstadt Naumburg, in der „Toskana des Nordens“ gelegen. Als „Toskana des Nordens“ wird die Region im Nordosten von Thüringen und Südwesten von Sachsen-Anhalt bezeichnet, deren hügelige Landschaft und das milde Klima tatsächlich an die Italienische Toskana erinnern sollen. Ebenso wird hier in der Saale-Unstrut Region Wein angebaut. Naumburg ist Kreisstadt des Burgenlandkreises und Mittelpunkt des nördlichsten Qualitätsweinanbaugebietes in Deutschland. Die Tatsache, dass Naumburg ein Verkehrsknotenpunkt der Bahn ist, dürfte vor allem für Menschen interessant sein, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Die Stadt wird von einem Wirrwar an Straßen durchzogen, was die Orientierung nicht gerade einfach macht. Positiv sind die zahlreichen Zebrastreifen, welche das Überqueren der Straßen erleichtern. Auch finden sich hier und da Orientierungshilfen in Form von Rillen- und Noppenplatten. Um sich innerhalb eines Stadtgebietes zurecht zu finden, leistet uns vor allem das Navigationsgerät Kapten Plus gute Dienste. Mit seiner Hilfe fanden wir u. a. unsere Ferienwohnung, den Marktplatz mit der Wenzelskirche und den Dom.
Das Wahrzeichen von Naumburg, der Dom St. Peter und Paul, ist an seinen 4 Türmen zu erkennen. Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit 2 Chören und einem Kreuzgang. Das Bauwerk vereint den spätromanischen sowie den frühgotischen Baustiel. Berühmt ist er für die 12 lebensgroßen Stifterfiguren im Westchor, von denen Uta wohl die bekannteste sein dürfte. Sehr beeindruckt waren wir auch vom goldenen Treppengeländer, auf welchem kunstvoll der heilige Franziskus von Assisi und die Tiere dargestellt sind, zu denen er der Legende nach im Wald gepredigt haben soll. Wir haben es gründlich poliert. Im Dom St. Peter und Paul liegen Audioguides in Form von iPods für 3 Euro zur Ausleihe bereit. Leider sind die Ziffern, welche dort eingegeben werden müssen, kaum lesbar und auch nicht taktil an den Exponaten angebracht. Wir hatten an einer öffentlichen Führung teilgenommen, die zusammen mit dem eintritt 8,50 Euro kostet, wobei die Begleitperson freien Eintritt hat. Wir haben es nicht bereut!
Am Marktplatz von Naumburg steht die Wenzelskirche, welche im spätgotischen Stiel errichtet wurde. Ihr Turm misst 72 Meter und überragt somit die türme des Doms. In einer Höhe von 53 Metern befindet sich eine zu den Öffnungszeiten des Turms zugängliche Aussichtsplattform, von welcher man einen schönen Blick auf die Altstadt hat.

Es gibt einen Saale-Wanderweg, den wir gerne ausprobieren wollten und den es erstmal zu finden galt. Die Saale fließt nicht etwa durch Naumburg hindurch, sie umkreist die Stadt viel mehr in einem Abstand von mindestens 2 bis 3 Kilometern. Aufgrund der dürftigen Beschilderung viel es uns nicht ganz leicht, den Saale-Wanderweg zu finden. Auch dort ist die Beschilderung nicht besser, so dass man raten muss, wo dieser oder jener Abzweig hinführt. Entfernungsangaben fehlen ganz. Das Kapten-Navigationsgerät ist fernab des Straßennetzes leider keine Hilfe.
Unsere Wanderung führte uns, nach einigen Fehlversuchen, entlang der Kösener Straße bis hin zur Kleinen Saale und dort den Waldweg weiter bis hin zum Kloster Pforta. Die ehemalige Zisterzienserabtei beherbergt seit dem sechzehnten Jahrhundert die Landeschule Pforta. Doch da gerade Ferien waren, war das Internatsgymnasium leer und die Gebäude geschlossen. Statt dessen konnten wir in aller Ruhe die Außenbereiche und Innenhöfe erkunden.
Während unserer Wanderung entlang der Saale nach Bad Kösen kamen wir an Weinbergen und Weinwirtschaften vorbei. Das größte von ihnen ist das Landesweingut Klosterpforta mit seiner 850 jährigen Tradition.

Von Bad Kösen aus kann man mit dem Fahrgastschiff zur Rudelsburg fahren. Allerdings sollte man wissen, dass sich der Bootsanleger rechts neben dem Tierpark befindet. Vom Bahnhof aus sind es nur etwa 10 Gehminuten bis zum Bootsanleger. Ausgeschildert ist er, wie sollte es auch anders sein, nicht. Die mangelnde Beschilderung und die hoch frequentierte B87, die mitten durch den Ort führt, machten Bad Kösen für uns wenig attraktiv, so dass wir keinen Nerv dafür hatten, Sehenswürdigkeiten zu suchen. Die heiße Augustsonne tat ihr übriges.
Nach einer etwa 25 minütigen Bootsfahrt erreicht man den Bootsanleger unterhalb der Rudelsburg, welche zum Ort Saaleck gehört. Die unregelmäßigen Steintreppen die steil zum Höhenrücken hinauf führen, sind vermutlich ebenso alt wie die Burgruine selbst! Rechter Hand trifft man zunächst auf die Vorburg, wo man erst einmal einen kleinen Eintritt zahlen muss. Erhalten ist nicht viel, nur Reste der Ringmauern und zwei kleine Türme. Vom ersten Turm erhält man eine schöne Sicht über das Saaletal. Die Kernburg ist durch einen Halsgraben von der Vorburg getrennt. Wie man hinkommt, fragt man am besten den Mann am Eingang. Die Ruine der Rudelsburg wird gastronomisch genutzt. Bei schönem Wetter kann man auf einem kleinen Innenhof sitzen. Vom 20 Meter hohem Bergfried, der mit einem Durmhelm bekrönt ist, kann man das Saaletal überblicken.

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Apolda. Von Naumburg aus kann man stündlich mit der Bahn über Bad Kösen und Bad Sulza nach Apolda gelangen. Die Stadt war einst für Strickwaren und die Glockengießerei bekannt. In der Bahnhofsstraße befindet sich das Glocken- und Stadtmuseum. Hier kann man große und kleine, antike und neuzeitliche Glocken nicht nur ansehen sondern auch anfassen und schlagen. Ebenfalls laden Strick- und Textilmaschinen zum Begreifen ein. Die Bahnhofsstraße führt geradewegs in die Fußgängerzone hinein, die durch eine Straße zerschnitten wird. Anschließend mündet die Fußgängerzone in den Marktplatz, wo man unter anderem Thüringer Rostbratwurst und Apoldaer Bier genießen kann. Rechter Hand der Bahnhofsstraße, am Beginn der Buttstädter Straße, führt die Eisenbahnlinie Halle-Erfurt über einen 95 Meter langen, 23 Meter hohen und 8,80 Meter breiten Viadukt. Dieser wurde im 19. Jahrhundert aus Kalksandstein gebaut und steht unter Denkmalschutz.

Ganz besonders gut hat uns der Ausflug zum 5,5 km entfernten und zu Naumburg gehörigen Blütengrund gefallen. Dieser befindet sich an der Saale-Unstrut-Mündung, welche idyllisch von mit Reben bewachsenen Bergen gesäumt ist. Von einem Anleger aus pendelt die Fähre „Blütengrund“ hinüber zu einem Gartenlokal und entlang der Unstrut. Links vom Gartenlokal beginnen die Weinberge mit Straußwirtschaften und rechts führt ein schmaler Wanderweg durch eingezäunte Obstplantagen. Wir nutzen einen recht abenteuerlichen Weg, welcher den Berg des bekannten Malers Max Klinger hinauf führt. Oben befinden sich ein Museum und ein kleines Cafe, wo man anscheinend nicht auf Besucher wartet. Der tolle Blick entschädigt uns allerdings. Anschließend setzten wir unseren Weg weiter bis Kleinjena fort, von wo wir mit der Burgenlandbahn zurück nach Naumburg fuhren.

Das Naumburger Weinfest findet immer am letzten Augustwochenende statt. Wir hatten die Möglichkeit, bei der Eröffnung dabei zu sein. Anwesend waren vor allem Weinwirtschaften aus der 735 ha umfassenden Saale-Unstrut Region. Um die 30 verschiedene Rebsorten werden auf 50 Gütern angebaut und zu Wein verarbeitet. Auf der Bühne standen die Weinkönigin und die Weinprinzessinnen und erzählten von ihren Aufgaben. Wir erfuhren, dass nicht nur in Naumburg, Bad Kösen und Freiburg sondern auch in Laucha, Nebra sowie neuerdings in Bad Sulza und Weimar Wein angebaut wird. Dass der Saale-Unstrut-Wein nicht immer trocken sein muss, davon konnten wir uns überzeugen!

Rechts Uta und links Ekkehard
Foto: Uta und Ekkehard
Goldenes Geländer mit einem Pfau, Schlangen, Schnecken und anderen Tieren des Waldes. An der Spitze des Geländers befindet sich der heilige Franziskus.
Foto: Goldenes Geländer im Naumburger Dom
Wenzelskirche
Foto: Wenzelskirche
Blick über Naumburg - in der Ferne ist der Dom mit seinen vier Türmen zu sehen
Foto: Blick über Naumburg – in der Ferne ist der Dom mit seinen vier Türmen zu sehen
Kloster Pforta
Foto: Kloster Pforta
Innenhof des Kloster Pforta
Foto: Innenhof des Kloster Pforta
Blick in die Weinberge - in der Ferne ist hinter den Reben Saale-Unstrut Wein zu lesen.
Foto: Blick in die Weinberge
Im Vordergrund die Rudelsburg und im Hintergrund die Burg Saaleck
Foto: Blick von der Rudelsburg
Atemberaubender Blick von der Rudelsburg ins Tal
Foto: Blick von der Rudelsburg ins Tal
Viadukt in Apolda
Foto: Viadukt in Apolda
Eine Glocke aus dem Glockenmuseum in Apolda
Foto: Glocke
Blick über die Unstrut zu Weinwirtschaften
Foto: Blick über die Unstrut zu Weinwirtschaften
Blick hinauf, zu einer Straußwirtschaft
Foto: Blick hinauf, zu einer Straußwirtschaft
Blick vom Max Klinger Haus
Foto: Blick vom Max Klinger Haus

Weitere Informationen: http://www.saale-unstrut-tourismus.de

Multimar Wattforum Tönning

Im Rahmen eines Kurzurlaubs in Husum an der Nordsee, besuchten wir am 13. Mai 2012 das Informationszentrum für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, das Multimar Wattforum in Tönning. Von Husum aus ist Tönning stündlich innerhalb von ca. 20 Minuten mit dem Zug erreichbar.

In Tönning angekommen, folgt man zunächst der Straße nach Nordwesten in Richtung Zentrum, vorbei am Biohotel Miramar. Anschließend geht es weiter Richtung Nordost entlang der Westerstraße bis zu einem Park (Schlossgarten), den man durchqueren muss. Man wechselt die Straßenseite. An der Straße Am Hafen geht es zunächst in Richtung Südosten weiter, bis diese einen Bogen nach Nordosten einschlägt. Man folgt dem Straßenverlauf bis zum Ende. Der Fußweg führt nun direkt bis vor einen horizontal aufgestellten Reliefplan, welcher einen Überblick über das Weltnaturerbe Wattenmeer gibt.
Anschließend wendet man sich nach rechts, passiert eine Brücke und steht gleich darauf vor dem roten Eingang zum Multimar.
Nach dem Passieren von zwei Türen befindet sich rechts der Informationsstand mit Kasse.

Am Informationsstand leihen wir uns zunächst einen Hörstift aus, einen stiftartigen, robusten Audioguide ohne Kabel und Umhängeband. Dafür müssen wir 10 Euro Pfand hinterlegen.
Dann bitten wir noch darum, uns den Reliefordner ausleihen zu dürfen.
Auf einer Bank unweit des Infoschalters ertasten wir die farbig gestalteten reliefartigen Abbildungen einiger Nordseebewohner und lesen die zugehörigen Texte in Punkt- und kontrastreicher Großschrift.
Unsere Jacken verstauen wir in einem Schließfach.
Der Hörstift, welcher nur für die Walausstellung benötigt wird, findet bis dahin Platz in der Netzaußentasche des Rucksacks. Der Blindenführhund scheint willkommen zu sein.

Die Ausstellung beginnt vielversprechend mit riesigen Tastmodellen von Sandklaffmuschel, Amerikanischer Schwertmuschel und Wattwurm.
Die Texte sind in Großdruck und in Augenhöhe angebracht. In der Nähe steht ein großes, ca. 1,30 Meter hohes Meerwasserbecken, welches unabgedeckt ist.
Hier leben Nordseebewohner wie Schollen. Es folgen Aquarien, welche alle in der linken oberen Ecke blaue Schilder mit weißer Pyramidenschrift und Punktschrift besitzen.
Dort kann man den Inhalt der Glaskästen erfahren, wie z. B. Muschelbank, Seegraswiese, Sandgrund, Felswand, Hafenbecken, Geröllgrund.
Zum Begreifen gibt es hier leider nichts.
Insgesamt werden in 36 Aquarien 280 Arten gezeigt, welche im Wattenmeer beheimatet sind. Die Hörstation „Satt im Watt“ ist ebenfalls entsprechend beschildert und wird über einen Trackball bedient.
Es gibt zahlreiche interaktive Stationen, welche aber für blinde und hochgradig sehbehinderte Besucher nicht so gut zu erschließen sind. So kann man zwar an einem Fitnessgerät testen, wie schnell man treten kann, ohne allerdings akustisch zu erfahren, ob das nun die Geschwindigkeit eines jagenden Seehunds oder einer fliehenden Gans war.

In einem Aquarium kann man die bedrohten Seepferdchen bewundern und in Großschrift erfahren, dass diese eigentlich seit 2004 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und dennoch vom Aussterben bedroht sind. Als Beispiel für Meeresfrüchte kann man einen klebrigen Haufen lebendiger Miesmuscheln betasten.
Richtig toll ist die Station „von Augenblick und Generation“.
Hierbei handelt es sich um eine Hörstation mit Hörer. Die Hörstation ist an einer Wand angebracht und sieht aus wie ein riesiges Memory.
Links folgen mehrere Schalter von oben nach unten, welche auch in Braille beschriftet sind. Hier sind Seehund, Ringelgans, Seeregenpfeifer, Scholle, Kieselalge, Plankton, Seegras und Gezeitenmücke aufgeführt. Außerdem gibt es eine Zeiteinteilung, welche von links nach rechts aufgebaut ist. Diese beinhaltet Minute, Stunde, Tag, Jahr, Monat und Jahrzehnt, was alles auch in Braille zu lesen ist.
Man kann so jeweils eine Kombination aus Zeit und Art wählen und erhält sowohl akustische als auch visuelle Informationen.

Anschließend lockte uns ein Riesenaquarium eine Treppe hinunter. In diesem mehrere Meter hohen Aquarium leben unter anderem Störe.
Leider sind die zugehörigen Informationen auf dem Monitor für uns nicht zu entziffern und auch nicht akustisch abrufbar.

Weiterhin gibt es im Multimar zahlreiche Simmulationsgeräte, welche aber nicht für blinde geeignet sind.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bot interessante Diavorträge zu aktuellen Themen wie der Bedrohung von Korallenriffen und Überfischung an.
Wir folgen einigen Stufen nach unten. Rechts befindet sich ein kleiner Kinosaal. Wir wenden uns nach links und betreten die Walausstellung.

Die in dunkelblau gehaltene und daher ziemlich düster wirkende Walausstellung ist für uns das Highlight.
Wir passieren ein Schweinswalmodell und stehen linkerhand vor einem taktilen Übersichtsplan dieser Ausstellung mit Legende in Braille- und Großschrift.
Er wurde von Jochen Brodersen, drei-D Formenbau, erschaffen.
An der rechten Wand befindet sich mittig über diesem Reliefplan der erste Infopunkt für den Hörstift.

Wir schalten den Hörstift ein und vernehmen einen Quittierungston. Wir setzen ihn mit der Spitze voraus in die Öffnung und der Hörstift gleitet ein kleines stück hinein. Ein Quittierungston verrät uns sofort, dass er das Label erkannt hat.
Wir halten den Hörstift näher ans Ohr und lauschen einer sehr gut verständlichen Frauenstimme, welche uns in die Nutzung des Audioguides einweist.
Außerdem erfahren wir, wo die Infopunkte für den Hörstift zu finden sin. In der Regel befinden sich diese an den Wänden in Höhe eines Lichtschalters.
Bei Exponaten findet sich der Infopunkt immer an der rechten unteren Ecke.

Direkt auf dem Reliefplan befindet sich ein weiterer Infopunkt, über den wir nun Hinweise zur Orientierung mittels einer genauen Raumbeschreibung erhalten.
Solche Orientierungshinweise werden immer von einer sehr gut verständlichen männlichen Stimme gesprochen, alle anderen Informationen von der Weiblichen.

Das erste Thema ist die Wanderung der Wale.
Wir halten uns so gut wie möglich an der rechten Wand. Bald darauf stoßen wir auf einen großen, hell leuchtenden Globus, wo die Wanderrouten der Wale, leider nur graphisch, dargestellt sind – Vorsicht, auf die Nase achten!

Nun folgen rechts 10 unterschiedlich große Themenkammern, welche mit einem schweren Vorhang vom restlichen Raum getrennt sind.
Jede Kammer behandelt ein anderes, spannendes Thema zu Walen. Vor dem Zugang einer jeden Kammer sind, immer in der gleichen Höhe, Infopunkte für den Hörstift vorhanden, welche über das jeweilige Thema informieren, über davor befindliche Tastmodelle aufklären und eine genaue Raumbeschreibung geben.

Wir betreten sofort, nachdem der Hörstift das Thema genannt und die Außenmodelle beschrieben hat, die Kammer, um die Raumbeschreibung gleichzeitig hören und nachvollziehen zu können. In der ersten Kammer kann man verschiedene Walarten mittels Tastmodellen erfühlen.
Gleich gegenüber des Eingangs steht ein aufrechtes Modell eines Schweinswals in Originalgröße.
Rechts befinden sich, ca. in 1,80 Metern Höhe, kleinere Modelle von Schwertwal, Pott- und Buckelwal.
Hörbar gemacht wurden jeweils die meisten Texte, aber keine Grafiken auf Landkarten und Übersichtsplänen, die z. B. Schutzgebiete für Schweinswale und Wanderrouten der großen Wale zeigen.
Die Infopunkte befinden sich immer in der selben Höhe, so dass sie beim entlang gleiten der Hand an der Wand relativ leicht aufzufinden sind.
Auch in den anderen Kammern findet man hier und da Tastmodelle, wie z. B. von einem Kraken, einer Tiefseequelle und von riesigen Harpunen.
Mit denen werden auch noch heutzutage jedes Jahr mehr als tausend, eigentlich streng geschützte Wale abgeschlachtet, zu rein wissenschaftlichen Zwecken, versteht sich!!!

Manch eine Kammer hält auch akustische Überraschungen bereit, wie z. B. zum Thema Orientierungssystem der Meeressäuger und Lärmemission unter Wasser. In einer der letzten Kammern läuft eine Hörfilmschleife, in welcher man erfährt, wie der riesige Pottwal, der in der Mitte der Walausstellung zu bewundern ist, ins Multimar gelangt ist und wie er präpariert wurde.

Der Multimarwal ist sehr beeindruckend, man kann vor allem sein Gebiss gut ertasten. Auf einer Seite zeigt er seine künstliche Haut, auf der anderen sein nachempfundenes Skelett. Er ist 18 Meter lang und hat zu Lebzeiten um die 40 Tonnen gewogen. Allein der Kopf des Pottwals misst 5 Meter.
Diesem Giganten ist 1997 das flache Wattenmeer zum Verhängnis geworden, wo er mit 28 Jahren gestrandet war.

In der Walausstellung des Multimar konnten wir uns mit Hilfe des Hörstiftes und der Tastmodelle einen guten Überblick über die Riesen der Meere verschaffen, welche stark bedroht sind und unseren Schutz brauchen, um auch morgen noch durch die Meere unseres Planeten wandern zu können.

Besucheradresse:
Multima Wattforum, Am Robbenberg, 25832 Tönning
Internet: www.multimar-wattforum.de

Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Die auf einem Kunststoffetikett aufgebrachte Pyramidenschrift ist weiß auf blauem Grund, während die Punktschrift blau auf weißem Grund gestaltet ist.
Foto: Braile- und Pyramidenbeschriftung am Aquarium
Foto: Auf dem Tastplan der Walausstellung erkennt man die Themenkammern, welche in verschiedenen Farben dargestellt sind. Weiterhin sind die Braile- und Schwarzschriftbeschriftungen gut zu erkennen. Rechts unten sieht man einen Infopunkt, in den der Hörstift hineingeschoben wird.
Foto: Tastplan Walausstellung
Foto: Der Hörstift wird in einen roten, trichterförmigen erhabenen Kreis eingeführt. Im Hintergrund erkennt man eine Informationstafel, welche weiße Schrift auf blauem Grund enthält.
Foto: Hörstift im Infopunkt

Husum – Nordseemuseum – Hallig Hooge

Kurzurlaub an der Nordsee vom 29.08. bis zum 02.09.2010

Husum

Wir hatten uns im Internet nach einer hundefreundlichen Unterkunft in Husum umgeschaut und schließlich ein kleines Ferienhaus am Rand der Innenstadt, im Treibweg, gebucht. Zum Glück holte uns der Vermieter mit seinem Auto vom Husumer Bahnhof ab, so dass wir nicht mit Sack und Pack durch die Straßen irren mussten.

Mit seinen ca. 22 Tausend Einwohnern ist die angeblich „graue Stadt am Meer“ relativ übersichtlich und auch nicht eintönig grau! So brauchten wir nicht lange um uns ein wenig zu orientieren. Dazu dienten uns z. B. der Wasserturm, der direkt an einer Hauptstraße steht und das Torhaus am Schlossparkrand.

Besonders gefallen hat uns der nahegelegene Schlosspark, die gemütliche Fußgängerzone, der Marktplatz mit Tine-Brunnen und Marienkirche sowie die Flaniermeile am Binnenhafen mit Souveniershops und Fischrestaurants.

Besonders spannend fanden wir das Schlosscafè, wo man teilweise von hörbehinderten Azubis bedient wird, welche im Berufsbildungswerk in Husum zur Hauswirtschaftlerin bzw. zur Fachkraft für Gastgewerbe ausgebildet werden.

Mit Hilfe eines Fußgängernavigationsgerätes mit „open street map“ und Leselupe fanden wir die kleine Badestelle, die sich reichlich 3 km entfernt vom Binnenhafen befindet und wo es sogar einen Hundestrand gibt. Nach diesem führt ein Fußweg ein paar Meter von der Küste entfernt durch Schafweiden hindurch, welcher allerdings nicht gerade barfuß benutzt werden sollte! Hinter dem Deich gibt es einen Radweg.

Einige Sehenswürdigkeiten konnten wir nicht aufspüren, so haben wir das Theodor-Storm-Haus vergeblich gesucht. Leider waren die Mitarbeiterinnen der Touristinformation nicht gerade eine Hilfe, da ihre Aufgabe nur darin zu bestehen schien, Broschüren auszugeben.

Auf dem Bahnhof wurden auf den Bahnsteigen ein paar Rillenplatten als Leitlinie verlegt. Weiter hinten gibt es dann nur noch einen weißen Strich. Die Verkehrsflächen von Husum sind nicht als besonders blindenfreundlich zu bezeichnen, in den Bussen gibt es auch keine Ansage der nächsten Haltestelle.

Foto: Badestelle in Husum, links ein Strandkorb auf einer grünen Wiese und dahinter das Wattenmeer bei Ebbe.
Foto: Badestrand in Husum

Nordseemuseum „Nissenhaus“

Nur etwa 500 m entfernt vom Marktplatz befindet sich das Nordseemuseum, ein großer, u-förmiger Backsteinbau. Ein Grund dafür warum wir überhaupt ein paar Tage in Husum verbringen wollten, war, dass wir unbedingt die „Tag it guides“ der Firma Dräger&Lienert erleben wollten, welche hier zum Einsatz kommen um Informationen für seheingeschränkte Besucher zugänglich zu machen. Auf der Webseite von Andersicht e. V. hatten wir uns bereits alle verfügbaren Informationen herumtergeladen und waren somit bestens vorbereitet.

An der Museumskasse hängten wir uns voller Vorfreude jeder einen großen Brustbeutel um den Hals. Unter dem samtigen, blauen Stoff befindet sich ein Minicomputer, woran ein Lesestift und die beiden, separat nutzbaren Ohrhörer zum einhängen angeschlossen sind. Vorne auf der Tasche befinden sich 3 tastbare Symbole, worüber man mit Hilfe des Lesestiftes z. B. Informationen über die Bedienung des Gerätes abrufen kann. Wir hatten den Eindruck dass die Angestellten, welche uns die Audioguides betriebsbereit machten und übergaben, ein wenig überfordert mit der ganzen Technik waren. So waren die Ohrhörer nicht immer richtig eingestöpselt und ein Akku machte nach 2 Stunden schlapp.

Die runden, blauen und mit weiß umrahmten Tags, welche sich zumeist an den Wänden bzw. neben Infotafeln befinden, müssen nur kurz mit dem Lesestift fast berühert werden und schon erhält man zunächst einen akustischen Überblick über den Raum oder die dort gezeigten Exponate bzw. Schautafeln oder Modelle. Zum Vertiefen dieser Informationen berühert man die Tags ein zweites oder sogar ein drittes mal. Ganz besonders bemerkenswert war der untere Tag, welcher Informationen zum Auffinden des nächsten Tags gibt. Darauf befindliche Pfeile geben zusätzlich die Richtung an. Die Beschreibungen sind ausgesprochen detailiert und bildhaft, eben speziell für blinde Personen gemacht. Wir waren restlos begeistert! Aber auch ansonsten hat dieses Museum sehr viel zu bieten: Hörmuscheln, Kurzfilme, einiges zum Mitmachen und zahllose Modelle, die alle mit den Händen erkundet werden dürfen.

Im Obergeschoss hängen auf Leinwände aufgebrachte Fotodrucke und Gemälde mit Nordseemotiven, die sehr groß und ausgesprochen farbenfroh sind, so dass sie auch von hochgradig sehbehinderten Besuchern gut wahrgenommen werden können. Die Ausstellungsinhalte sind u. a.: die versunkene Siedlung Rungholt; Deichbau und Küstenschutz; Naturgewalten; Wohn- und Lebenskultur in Nordfriesland; Halligleben; Chancen, die die Nordseeküste bietet; Naturkunde; Ludwig Nissen und der Bildhauer Adolf Brütt.

Allerdings ist das Museum so groß und die Ausstellungen so umfangreich, dass wir nach 2,5 Stunden gerade mal eine der 3 Etagen geschafft hatten und uns erstmal ein Päuschen gönnten.

Modell eines Geesthardenhauses, das im linken Teil das Bildes ein mit Reet gedecktes Dach, das rote Mauerwerk sowie grüne Türen zeigt. Rechts ist der Dachstuhl offen und lässt einen Blick in das Innere des Hauses zu. Links vor dem Modell befinden sich die Tags.
Foto: Modell eines Geesthardenhauses

Hallig Hooge

Selbstverständlich wollten wir auch unbedingt die Insel besuchen, für die (ebenfalls unter Mitwirkung des Andersicht e. V.) ein Audioführer im Daisy-Format produziert worden ist. Wir luden diesen ebenfalls auf deren Internetpräsens herunter. Wir hatten ihn uns schon vor diesem Trip angehört und uns aus der Vielzahl der Informationen herausgesucht, was wir gerne sehen wollten. Auch vor Ort holte ich das Abspielgerät hin und wieder hervor, um Auskünfte zu einer bestimmten Warft zu erhalten. Die Aufsprachen sind sehr ausführlich gestaltet und geben genaue Informationen über sämtliche Häuser und Wege. Zusätzlich kann man noch Reliefkartenmaterial erwerben, was wir aber nicht taten.

Von Husum aus kommt man bequem mit dem Linienbus nach Nordstrand, wo die Fähre nach Sylt über Amrum und Hooge zeitlich abgestimmt mit dem Busankunfts- und Abfahrtszeiten verkehrt.

Nach ca. einer Stunde legten wir in Hooge an und liefen gleich den einzigen Weg hinunter in Richtung der ersten Warft (künstlich aufgeschütteter Wohnhügel). Von diesem zweigt ein unscheinbarer Pfad nach links zum Deich ab in den Naturerlebnisraum, wo sich z. B. der Windstein befindet.

Da der Inselverkehr hauptsächlich aus ein paar Pferdekutschen zu bestehen schien, liehen wir uns auf der ersten Warft ein recht altertümliches aber funktionstüchtiges Tandem aus. Darüber waren wir froh, da die Strecken zwischen den einzelnen Warften doch einige hundert Meter lang sind und wir nur 3 Stunden zur Verfügung hatten. Auch die Warften ansich sind nicht gerade klein, die größte misst immerhin 180 x 200m.

Von allem was wir uns vorgenommen hatten, schafften wir dann trotzdem nur einen kleinen Teil, die niedliche Kirche auf der Kirchwarft sowie hier und da ein paar hübsche Häuser. Leider durchkreuzte unser Hund den Plan, die interessante Hanswarft mit Sturmflutmuseum und all ihren anderen Sehenswürdigkeiten zu besuchen, da er beschloss, inklusive Leine ein Moorbad zu nehmen. Um ihn wieder fährentauglich zu bekommen, mussten wir nun erst einmal einen Priel (natürlicher Wasserlauf) aufsuchen.

Zwischen den Warften, die sicher aus der Vogelperspektive wie Maulwurfshügel auf einer Wiese aussehen, befinden sich Weiden, von Prielen durchzogene Wiesen und an der Küste auch Salzwiesen, welche gerade rot blühten.

Leider war unsere Zeit viel zu kurz, so dass wir nun einen weiteren Besuch auf der „Perle der Halligen“ planen.

Foto: die Kirchwarft, links im Bild der typische Erdhügel und die Kirche, mit einem weißen Zaun davor. Rechts davon ein Kanal, der zu einem Wehr führt, in dem sich die Wolken spiegeln. Im vorderen Bereich des Bildes ein verschnörkeltes Schild mit der Aufschrift "Kirchwarft"
Foto: Die Kirchwarft

Im Blindflug durch Stockholm
(25. bis 27. Mai 2010)

Hinweis: Der folgende Reisebericht über unseren Kurztrip nach Stockholm spiegelt lediglich unsere eigenen Beobachtungen und Erfahrungen wieder. Er ist daher nicht als allgemeingültig anzusehen.

Zur Vorbereitung auf diese Reise recherchierten wir im Internet nach günstigen Flügen, preiswerten Unterkünften und Sehenswürdigkeiten im „Venedig des Nordens“. Wir waren gespannt, ob die schwedische Metropole tatsächlich Ähnlichkeiten mit der italienischen Stadt aufweist und ob sie dem Ruf Schwedens, ein Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit zu sein, gerecht wird. Also schmiedeten wir keine großen Besichtigungspläne sondern ließen lieber alles auf uns zukommen.

Auch einen Service am Flughafen Berlin Schönefeld bestellten wir nicht, dafür kamen wir allerdings mehr als rechtzeitig auf dem Schönefelder Bahnhof an. Dieser ist sehr behindertenfreundlich gestaltet. Man wird gut zum Flughafen geleitet. Hierfür wurden große Flugzeuge auf den Boden gemalt und teilweise existiert auch ein Blindenleitsystem. Die Infotafeln sind recht gut erkennbar und leiten einen bis hin zum Informationsschalter im Terminal. Hier fragten wir mit „Blindgänger-Anstecker“ bzw. mit dem „Weißen Stock“ bewaffnet nach Begleitung zum Flugschalter von Germanwings. Nach einer ganzen Weile holte uns ein Mitarbeiter der Firma „Rollmops“ von dort ab.
Bei der Gepäckaufgabe befestigten wir noch schnell farbige Tücher an unseren Koffern, um später das Wiederfinden auf dem Gepäckband zu erleichtern. Auf unsere Bordingcards wurde „BLIND“ geschrieben und von nun an war alles ganz einfach.

In Stockholm wurden wir gleich nach der Landung von einem Servicemitarbeiter in Empfang genommen und zusammen mit unserem Gepäck zum Airportbus nach Stockholm City gebracht. Dankbar und frohen Mutes stiegen wir am Zentralbahnhof aus.
Von hier an sollte uns die Navigationssoftware „Kapten for iPhone“ auf dem iPhone zum „Best Hostel Old Town“ weiterleiten. Diese schickte uns dann auch hier und dort hin, von unserer Unterkunft war allerdings nichts zu entdecken. Auch Passanten die wir nach dem Weg fragten, waren überfordert. Schließlich gaben wir diese Methoden auf und nahmen uns die Wegbeschreibung vor, die vom Hostel per Mail geschickt worden war. Dabei stellten wir fest, daß die Straßenschilder gut lesbar sind, auch wenn kaum einmal die Straßennamen darauf standen, die wir erwartet hätten.
Auch die vielen akustischen Ampeln fielen uns auf. Deren Auffindesignal klingt eher wie ein metallisches Klopfen und das Freigabesignal ist als Knattern zu hören. Außerdem befinden sich zusätzlich Zebrastreifen am Übergang.

Nach einigen Stunden herumirrens fanden wir schließlich unsere Unterkunft kurz vor Torschluß. Das Hostel gleicht einem Labyrinth aus Gängen, Türen, Stufen, abenteuerlichen Wendeltreppen und der Boden ist garniert mit Dutzenden von Schwellen.
Interessant in diesem „architektonischen Meisterwerk“ ist auch der winzige nostalgische Lift. Jedesmal wenn sich die Türen hinter mir schlossen, hatte ich Angst, daß mein Zopf eingeklemmt wird. Immerhin sind die Tasten taktil und es gibt eine Ansage der Etagen, wenn auch auf schwedisch.

Entschädigt wurden wir allerdings durch die optimale Lage der Herberge am Rande von Gamla Stan, in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem Königspalast, dem Regierungsgebäude, des Stadthafens, der Altstadt und zahlloser anderer Sehenswürdigkeiten und Museen. An unserem ersten Abend machten wir nur noch eine kleine Stippvisite der Umgebung.
Dunkel wird es hier zu dieser Jahreszeit erst sehr spät und dann auch nur für wenige Stunden. Der folgende Tag sollte unser einziger kompletter Tag in Stockholm werden. Zufällig entdeckten wir in Hafennähe ein Infoschild mit Hinweis auf den Verkauf von Tickets für Bootsrundfahrten.
Spontan entschieden wir uns für die „Royal-Canal-Tour“. An Bord stellten wir freudig fest, daß an jedem Platz eingestöpselte Kopfhörer liegen. Darüber kann man in vielen verschiedenen Sprachen einer Tourbeschreibung lauschen. Hier werden Verlauf und Sehenswürdigkeiten am Ufer beschrieben, welche auf einer ebenfalls an jedem Platz ausliegenden Karte eingezeichnet und numeriert worden sind. So konnten wir uns auf deutsch einen Überblick über einen Großteil der Stadt machen. Diese Tour führte entlang eines Kanals bis hin zu den „Schären“ in der östlichen Ostsee.

Da uns das so gut gefallen hat, buchten wir gleich noch am nächsten Tag die „Under Stockholms Bridges-Tour“. Diese führte uns vom Mälanensee, der sich 120 km nach Westen erstreckt und aus welchem die Stockholmer ihr Trinkwasser beziehen, bis hin zur Ostsee. Wir passierten „Slussen“, eine Schleuse, durch welche hier das Süßwasser des Sees von dem Salzwasser der Ostsee getrennt wird.

Stockholm wurde auf 14 Inseln erbaut, die durch 53 Brücken verbunden sind. Diese sind natürlich nicht so filigran wie die in Venedig, da hier auch Autos darüber fahren, aber einige verzierte Bogenbrücken gibt es doch. Unterwegs erfuhren wir von vielen sehenswerten Gebäuden, Museen und Parks, die wir uns allerdings in einem späteren Trip vornehmen müssen.
An Bord erfuhren wir dann auch von der Möglichkeit, an Stadtrundfahrten mit Bussen teilzunehmen, wovon wir leider auch keinen Gebrauch mehr machen konnten.
Bei der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit erkundeten wir mit Hilfe eines Stadtplans aus dem Hostel, welcher mit Lupe einigermaßen lesbar ist, und mit taktilem Kompaß nur Gamla Stan und den Weg von dort zum Zentralbahnhof. Dieser war dann doch sehr einfach und in weniger als in einer halben Stunde zu meistern.
Beim Spaziergang durch die Innenstadt half der Langstock ungemein dabei, nicht ständig über den Haufen gerannt zu werden. Zu ihrer eigenen Sicherheit wichen die Leute ihm aus.
Die Bedeutung des blauen Abzeichens mit dem weißen Blindgänger darauf schien gänzlich unbekannt zu sein. Hilfe bekamen wir jedenfalls nie angeboten. Niemand schien auf die Idee zu kommen, daß der Benutzer eines Langstocks blind sein könnte und möglicherweise ein wenig Unterstützung bei der Orientierung schön wäre. Fragte man jemanden nach dem Weg, wurde nur irgendwie mit den Armen gewedelt. Wir mußten schon ganz deutlich sagen, daß wir blind bzw. sehbehindert sind und inständig darum bitten, zu unserem Ziel direkt hingebracht zu werden. Wie freundlich und hilfsbereit erschienen uns nun dagegen die Deutschen. Besonders bewußt wurde uns das, als wir auf dem Zentralbahnhof nach einem Infostand suchten, den wir nie fanden. In der Bahnhofshalle gab es keinerlei Blindenleitsystem, allerdings hängen die Monitore recht niedrig. Mit Hilfe eines Monokulars fanden wir schließlich doch noch den Ausgang zum Airportbus.

Uns fiel auf, daß hier Drehtüren sehr beliebt sind. Teilweise wurden sogar gleich 2 nacheinander eingebaut. Die Bushaltestellen am Zentralbahnhof sind mit einem Auffindestreifen quer über den Gehweg gekennzeichnet. Dieser besteht aus sehr breiten, in den Beton eingefrästen Rillen, die weiß gekennzeichnet sind. Diese enden am Bussteig in einem schwarzen Noppenfeld. Insgesamt haben wir festgestellt, daß die Beschilderung besser lesbar ist als in Deutschland, da die Tafeln und Monitore nicht so hoch hängen und die Schrift kontrastreicher dargestellt wird.

Am Abend wollten wir dann mal essen gehen und schauten uns die Angebote der Gaststätten an. Die Preise hinter den auf schwedisch ausgewiesenen Gerichten waren ganzschön gesalzen. Das einzige was preiswert erschien, war ein schwedisches Gericht was so ähnlich wie „Kot fressender Lumpi mit Potatows“ klang. Wir verzichteten darauf und landeten letztendlich bei einem Italiener, wo ausnahmsweise keine Selbstbedienung angesagt war und wir die Namen der Speisen deuten konnten.
Wegen eines Notfalls mußten wir dann leider bereits am folgenden Tag zurückfliegen.
Zum Frühstück gab es am letzten Tag Kornetto mit Kaffee. Das ist keine Eiscreme, sondern das sind sehr leckere Gebäckteile mit Marmeladenfüllung. Für die Heimreise nahmen wir uns dann noch Körnerbaguette mit Käse mit, die sich allerdings als große Mohnhörnchen entpuppten.

Beim Rückflug sicherte auch diesmal ein sehr pünktliches Erscheinen am Airpot eine einigermaßen streßfreie Reise. Eine schicke, skandinavienblonde, hoch gewachsene Angestellte von Germanwings verließ kurzerhand ihren Abfertigungsschalter, um uns im gemächlichen Wiegeschritt zu einer Stelle zu begleiten, von der wir in einer Stunde abgeholt und zum Gate gebracht werden sollten.
Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Milchkaffee. Die nette Verkäuferin fragte doch tatsächlich von sich aus, ob sie uns die Kaffeegläser an den Tisch bringen soll. Wir waren positiv überrascht.

Im Flieger begrüßte uns dann der Stewart vom Hinflug herzlich wie zwei alte Bekannte. Er sorgte dafür, daß wir zusammen sitzen konnten. Überhaupt war die Crew sehr nett und in Berlin Schönefeld warteten schon wieder die Leute von „Rollmops“ auf uns. Diese führten uns nicht nur erfolgreich wieder mit unserem Gepäck zusammen, sondern begleiteten uns gleich bis zum Zug nach Berlin Hauptbahnhof.

Das Rathaus Stockholms bei bedrohlichem, von dunklen Wolken verhangenen Himmel von einer Brücke fotografiert. Das Rathaus besitzt einen sehr hohen Turm mit einer goldenen Verzierung auf dem Dach.
Rathaus Stockholms
Eine Seite des königlichen Palasts, mit Wasserfällen die aus zwei Giebeln rauschen. Vor dem braunen Gebäude in Gamla Stan ist ein Fahrgastschiff zu sehen.
Der königliche Palast
Blau gekleidete Reiter mit silbernen Helmen, die zur Wachablösung in den Hof des königlichen Schlosses reiten. Angeführt von einem einzelnen braunen und einem schwarzen Pferd folgen 4 Schimmel und anschließend viele weitere sehr ansehnliche braune Pferde in einer Viererformation
Königliche Reiter auf dem Weg zur Wachablösung
Stockholms Nobelwohngegend, Standvägen, mit einem Wohnhaus direkt am Wasser. Das Wohnhaus ist cremeweiß. Seine Ecken sind wie riesige Säulen geformt. Alle Fenster sind mit einem gewölbten, markiesenartigen orangen Sonnenschutz versehen. Das Wohnhaus wirkt sehr reich verziert und prunkvoll. Rechts davon ein weiteres Wohnhaus, das mit kleinen Türmchen verziert ist, dessen Spitzen mit roten Ziegeln gedeckt sind.
Wohnhaus in Stockholms Nobelwohngegend
Stockholms Leuchtturm, klein weiß und der erste, der mit einer Automatik betrieben wurde. Der Leuchtturm steht auf einem Betonsockel im Wasser.
Leuchtturm vor Stockholm
Umgebaute Speicher vom Wasser aus fotografiert. Die Wohnhäuser sind sehr farbenfroh, von ziegelrot über orange bis hin zu braun erstrecken sich die Farben.
Zu Wohnhäusern umgebaute Speicher
Ein nostalgisches Ausflugsschiff im Stockholmer Stadthafen mit einem riesigen schwarzen Schornstein, den in der Mitte ein dickes gelbes Farbband ziert. Am Heck des Schiffes weht eine schwedische Fahne im Wind.
Nostalgisches Ausflugsschiff
Das Nordisch Museum, das durch einen Turm in der Mitte fast wie ein Schloss wirkt. Die schwarzen Ziegel glänzen im Sonnenlicht. Das Haus ist von Bäumen umrandet und von der Seeseite aus fotografiert.
Nordisches Museum
Das Grand Hotel Stockholm ein fünfstöckiges rotes Backsteingebäude mit Kupferdach, auf dem eine Fahnen und der Schriftzug Grand Hotel Stockholm thronen. Links neben dem Grand Hotel ein gelbliches Gebäude mit Türmchen und Türmen, die den Zwiebeltürmen etwas ähnlich sehen.
Grand Hotel Stockholm
Mit ihren vielen verschiedenen bunten Häusern erstrahlt die Skyline von Gamla Stan im Skeppsborn in der Mittagssonne.
Skyline von Gamla Stan

Ein Gebäude mit Türmchen, die Zwiebeltürmen gleichen. Das Gebäude befindet sich auf eine kleinen Anhöhe und erscheint etwas verträumt.

Typische Blindenampel in Stockholm, mit einem dunkelgrünen Mast, der gelbe Markierungen enthält. Außerdem der blaue Anforderungskasten, der nach innen zeigend angebracht ist. Die Fahrbahn, bzw. der Übergang ist mit einem Zebrastreifen markiert.
Blindenampel in Stockholm
Der Anforderungskasten einer Blindenampel in Stockholm. Blau mit einem weißen Männchen, einer weißen Hand sowie einem weißem Punkt an der Seite. Unterhalb dieser Symbole ein Reflektor.
Anforderungskasten einer Blindenampel