Archiv der Kategorie: Sonstiges

Stippvisite im Schweriner Zoo

Am 29. Oktober waren wir wieder einmal zu Besuch in der Sieben Seen Stadt Schwerin. Unser Ziel war diesmal der Zoo, der sich im Südosten der Stadt erstreckt. Er umfasst eine Fläche von 25 Hektar und beherbergt 154 Arten mit 2.400 Einzeltieren.

Vom Hauptbahnhof aus gelangt man mit der Straßenbahnlinie 1 in Richtung Innenstadt in etwa 20 Minuten zur Haltestelle Zoo.
Nach dem Verlassen der Straßenbahn überquert man, entgegengesetzt der Fahrtrichtung, das Gleis und folgt anschließend der Treppe nach unten. Unten angekommen wendet man sich an der Straße nach rechts und überquert diese an der Ampel. Weiter geht es geradeaus, am AOK Gebäude entlang bis zur nächsten Ampelkreuzung. Hier muss man die Crivitzer Chaussee mit Hilfe von Inseln geradeaus überqueren. Drüben angelangt richtet man sich nach links und biegt rechts in die erste Seitenstraße ein. Jetzt befindet man sich bereits auf dem Zooparkplatz. Geradeaus gelangt man zum Kassenhäuschen.
Blinde und sehbehinderte Besucher können sich hier eine Infomappe mit Penfriend ausleihen. Dafür genügt die Angabe der Adresse. Die Infomappe beinhaltet einen Reliefplan vom Zoogelände, einen Reliefplan vom Humboldthaus, Texte in Braille- und Großdruck sowie drei Labels für den Penfriend.

Zunächst lassen wir uns vom Penfriend die Labels vorlesen. Wir hören eine Gebrauchsanweisung, eine Einführung und eine Wegbeschreibung zum Humboldthaus, der Südamerikaanlage.
Wir machen uns auf den Weg zum Humboldthaus, vorbei an Tiergehegen und dem Froschhaus, was witterungsbedingt leider geschlossen ist. Zunächst folgen wir dem Weg nach links und halten uns ab dem Bonbonhaus am rechten Wegrand, der uns in eine Rechtskurve führt.
Anschließend treffen wir auf ein Aufmerksamkeitsfeld aus Noppenplatten, welches eine Holzbrücke ankündigt. Unter uns genießen Alpaka, Wasserschwein und Nandu den Auslauf, während wir die Brücke überschreiten.
Etwa 25 Meter nach der Brücke finden wir links das Humboldthaus. Vor dem Eingang steht eine Station mit 3 Labels.

Wir öffnen die Doppeltür ins Innere des Gebäudes. Feuchte Wärme empfängt uns in der Südamerikaanlage. Die stickige Luft, Vogelschreie und exotische Pflanzen lassen uns in eine tropische Welt eintauchen.
Am Ende der rechten Wand kündigt ein rilliertes Aufmerksamkeitsfeld im Boden eine Infostation an. Vor Beginn der halbhohen Glasscheibe, welche das Tiergehege begrenzt, ist auf gleicher Höhe ein Holzschild angebracht. Unter dem Text sind mehrere Holzringe befestigt, worin sich je ein Label befindet. Ringe mit geriffeltem Rand halten Informationen zu den tierischen Bewohnern Südamerikas bereit, die man hier bestaunen kann. Ringe mit glatter Oberfläche geben Hinweise zur Orientierung. So erfahren wir mittels Penfriend etwas über Faultiere und Schildkröten.
Schräg gegenüber, rechts neben einer riesigen Vogelvoliere mit farbenfrohen Bewohnern, finden wir eine zweite Infostation. Diese ist so aufgebaut wie die erste. Ein Ameisenbär döst hier hinter der halbhohen Scheibe. Dort erfährt man spannendes über diese Rüsseltiere, Aras und Krallenaffen. Hinten rechts führt eine Treppe mit markierten Stufenkanten nach oben. Leider wird hier gerade umgebaut, so dass es für uns nichts zu entdecken gab.

Nach dem Verlassen der Anlage nahmen wir das Pult vor dem Eingang in Augenschein. Es stellte sich heraus, dass hier die selben Tierbeschreibungen wie im Haus abgehört werden können. Da wir nicht den selben Weg zurückgehen wollten, streiften wir noch ein wenig durch das Zoogelände. Wir passierten das großzügige Breitmaulnashorn- und Ziegengehege, doch im zugehörigen, geruchsintensiven Stall hielten wir es nicht lange aus. Auf einem anderen Gelände standen Rothschildgiraffen und Chapman-Zebras einträchtig wartend vor ihrem Stalleingang. Offenbar wollten sie dem ungemütlichen Wetter entfliehen. Im Zentrum des Zoos befindet sich eine riesige, naturbelassene Wasservogelanlage.
Das was wir vom Zoo mitbekommen haben, hat uns gut gefallen. Die Anlagen haben auf uns einen tierfreundlichen Eindruck gemacht.
Eine Nachfrage beim Servicepersonal ergab, dass die Audioinformationen weiter ausgebaut werden sollen, um allen Besuchern einen lebendigen Zoobesuch zu ermöglichen.

Foto: Relaxte Echse auf einem Ast
Foto: Relaxte Echse auf einem Ast
Foto: Eine mit halbrunden Ästen gerahmte Tegel mit Informationen in Schwarzschrift sowie im unteren Teil Lesepunkte für den Penfriend
Foto: Holztafel mit Informationen und Penfriend Lesepunkten
Foto: Tafel mit Penfriend Lesepunkten. Oberhalb der gelblichen Tafel befindet sich der Schriftzug Penfriend Lesepunkte - Audiosystem für sehbehinderte Menschen)
Foto: Tafel mit Penfriend Lesepunkten

Besucheradresse:
An der Crivitzer Chaussee 1
19063 Schwerin
Webseite: http://www.zoo-schwerin.de

Info-Terminal in Güstrower Marienkirche

Sacris heißt der Prototyp eines mobilen Info-Terminals, welches seit März 2012 für ein Jahr in der Marienkirche Güstrow steht. Hierbei handelt es sich um ein digitales Informationssystem, also um eine Kombination aus Bildschirm und Hörstation.

Betritt man die Marienkirche, so fällt eventuell rechts ein leuchtendes i auf, welches für Information steht. Das orange-silberne Gerät steht nur wenige Meter vom Eingang entfernt. Links unterhalb des Bildschirms befindet sich ein großer, runder Knopf, durch dessen Betätigung der Willkommenstext mit der Benutzeranleitung vorgelesen wird. Rechts daneben ist selbiger Text in Brailleschrift aufgebracht. Rechts findet man 3 große, runde Knöpfe in Reihe. Diese dienen der Menüsteuerung. Alles was auf dem Monitor als Bild und Text angezeigt wird, ist gleichzeitig hörbar. Der Inhalt gleicht einer normalen Kirchenführung, beinhaltet also keine bildhaften Beschreibungen.

Die Navigation mittels der 3 gut tastbaren Knöpfe ist ungewöhnlich und teilweise nicht ganz einfach. Der Monitor ist vermutlich für Rollifahrer und Kinder in Augenhöhe angebracht, für Sehbehinderte ist das Erkennen des Monitorinhalts deshalb ziemlich unbequem. Dieser ist nicht höhenverstellbar. Es befindet sich keine Sitzgelegenheit vor dem Terminal.

Die Erschaffer von Sacris, das Architekturbüro Rutsch+Rutsch aus der Nähe von Schwerin, haben Fragebögen zur Nutzerfreundlichkeit des Prototypen ausgelegt. Die hieraus hervorgegangenen Informationen sollen in die Weiterentwicklung des Gerätes einfließen. Es wird angestrebt, Sacris in Kirchen in Mecklenburg einzusetzen, wo kein Personal für Kirchenführungen vorhanden ist.

Besucheradresse: Pfarrkirche St. Marien, Am Markt 1, 18273 Güstrow
Kontakt Architekturbüro: www.rutsch-rutsch.de

Foto: Sacris frontal - der Bildschirm und die darunter befindlichen Bedienelemente nebst Braillebeschreibung zur Handhabung des Geräts sind gut erkennbar.
Foto: Sacris
Foto: Sacris spricht für sich selbst - des Informationssystem ist in der seitlichen Ansicht wie ein i gestaltet. Der untere Teil des i's ist orange während der i-Punkt aus Aluminium gefertigt ist. Er enthält wiederum ein orange leuchtendes i. Die obere Rundung des i's leuchtet in einem hellen weiß.
Foto: Sacris seitlich
Foto: Der Eingang zu St. Marien
Foto: Eingang St. Marien

Unser zukünftiges Logo

Endlich haben wir ein Logo für Ostsee-spezial gefunden: Er ist grau, 1,50 bis 1,90 m lang, er besitz eine kleine, dreieckige Finne und kommt in der Ostsee vor – der Schweinswal. Er ist der einzige, heimische Wal und verwandt mit den Delphinen. Früher lebte er zurückgezogen und scheu, doch wird heute immer wieder von Seglern berichtet, dass ihre Boote von spielenden Schweinswalen mit ihren Jungen begleitet wurden, ganz nach Delphinart. Seinen Namen hat der Schweinswal vermutlich von seiner kurzen Schnauze, mit der er den Meeresgrund umwühlt, um Plattfische aufzustöbern. Wie alle Zahnwale gibt er Klicklaute von sich, die Echo-Ortungslaute, die je nach Situation in der Geschwindigkeit variieren können. Zur Kommunikation untereinander nutzen die Schweinswale einen Laut, der an das Zirpen von Vögeln erinnert. Schweinswale sind in Schulen von nur 3 bis 4 Tieren unterwegs. Sie halten sich eher im flachen, küstennahem Gewässer auf. Die Population in der Ostsee ist so klein, dass sie als vom Aussterben bedroht gilt. Die größte Bedrohung für die Schweinswale geht von den Fischernetzen der Menschen aus. Große Probleme bringen auch die Verlärmung, Vermüllung und Vergiftung der Meere mit sich. Greenpeace will mit verschiedenen Aktionen zur Rettung der Schweinswale beitragen. So wurden z. B. im Wasserschutzgebiet „Natura 2000“ in der Nordsee dreihundert Findlinge versenkt, um u. a. die dort befindliche Kinderstube der Schweinswale vor den folgen der Grundschleppnetzfischerei zu schützen. Es besteht die Hoffnung, dass sich in einem europäischen (möglichst einem weltweiten) Netzwerk von Meeresschutzgebieten Wale, Delphine, Fische und alle anderen Meereslebewesen erholen. Als unseren Beitrag dazu haben wir an einer Unterschriftenaktion teilgenommen, die Frau Ilse Aigner zeigen soll, dass sich die Situation in unseren Meeren ganz schnell ändern muss. Außerdem haben wir den Fischratgeber von Greenpeace mitgenommen, der uns darüber informieren soll, welchen Speisefisch wir unbedenklich kaufen können, weil er nachhaltig gefangen worden ist.

Quelle: Vortrag über den Schweinswal innerhalb der Greenpeace Aktionswoche im Ozeaneum Stralsund

Modell eines gewöhnlichen Schweinswals. Der Wal ist von der Seite aufgenommen, wobei die dunkelgraue Färbung am Rücken deutlich hervorsticht. Links im Bild befindet sich die Fluke, in der Mitte die Finne und ganz rechts die Schnauze.
Modell des gewöhnlichen Schweinswals
Dieser Schweinswal hat besondere Schutzausrüstung an. So trägt er einen roten Kopfhörer, der ihn gegen den Lärm schützt. Er besitzt eine rote Schwimmweste um seine Finne, die ihm Auftrieb verschafft, wenn er sich in den Netzen verfängt, die über ihn gelegt sind. Außerdem hat er Stielaugen am Kopf, die ihm helfen Gefahren aus allen Richtungen zu erkennen. An der Schnauze trägt er noch eine Schere, mit der er die Netze zerschneiden kann.
Schweinswalmodell mit Schutzausrüstung

Strandpromenade zwischen Ahlbeck und Swinemünde

Auf der „Sonneninsel“ Usedom verbindet eine ca. 8,4 km lange Strandpromenade die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Im August wurde der 3,6 km lange Abschnitt zwischen Ahlbeck und Swinemünde (Swinoujcie) freigegeben. Damit ist die Promenade zwischen Bansin und Swinoujcie mit 12 km Länge nun die längste Europas.
Wir sind nach Ahlbeck gekommen, um uns diesen letzten Abschnitt der Strandpromenade anzuschauen, weil dort auch an blinde und sehbehinderte Personen gedacht worden sein soll. Begleitet werden wir vom Vorsitzenden des BSV Gebietsgruppe Wolgast-Usedom, der auch Mitglied im Behindertenbeirat Wolgast ist. Dieser wurde in die Planung mit einbezogen.
Wir verlassen den Ahlbecker Bahnhof durch das Bahnhofsgebäude und wenden uns nach links, bis wir kurz darauf vor einem Park auf eine Akustikampel treffen. Hier überqueren wir und folgen dem Fußweg geradeaus die Bahnhofstraße entlang, biegen nach links in die Schulzenstraße ein und an der nächsten Gabelung rechts in die Strandstraße. Dieser folgen wir nun bis zur Dünenstraße (Promenade).
Auf der Promenade angekommen, wenden wir uns nach rechts. Linkerhand würde man zur Seebrücke und dann nach Heringsdorf gelangen. Rechts säumen Villen den Weg, links verhindern Bäume und Büsche teilweise den Blick auf den Strand. Der Radweg verläuft nun strandseitig und ist durch Gebüsch bzw. Wiese vom Fußweg getrennt. Dann verlaufen beide nebeneinander her, wobei wir direkt vor den Häusern lang gehen müssen. Diese sind bald zu Ende, neben uns stehen nun Bäume. Links verläuft der Küstenwald.
Unmerklich geht der alte in den neuen Promenadenabschnitt über. Wir erkennen dies an einem anthrazitfarbenem Querungsstreifen und spüren Noppenplatten unter den Füßen bzw. unter dem Langstock. Einige Meter weiter ist ein zweiter solcher Querungsstreifen eingebaut. Folgt man einem dieser Streifen und überquert den Radweg, so steht man vor dem Anfang bzw. dem Ende eines Strandzugangs. Dieser ist mit Sperrgeländern für Fahrräder ausgestattet, welche ihrerseits als Fahrradständerersatz dienen. Der Strandzugang selber ist stufenlos. Rad- und Fußweg sind jetzt durch einen ca. 30 cm breiten, anthrazitfarbenen Pflasterstreifen voneinander getrennt, welcher auch tastbar ist. Neben dem Fußweg finden sich in regelmäßigen Abständen weiße Granitblöcke, welche als Sitzgelegenheiten dienen sollen.
An diesem Tag haben wir nur etwa die Hälfte der Promenade nach Swinoujcie zurückgelegt, weshalb es wohl eine Fortsetzung geben wird.

Bild: Eine Person steht mit ihrem Langstock auf der Noppenplatte. Im Hintergrund endet der quer über den Radweg verlaufende Markierungsstreifen an einem silberfarbenen Gitter, das eine Abgrenzung des Strandzugangs bildet. Dieser befindet sich jedoch links vom Gitter.
Bild: Person mit Langstock
Bild: Zwei Markierungsstreifen führen quer über Fuß- und Radweg. Sie bilden den Beginn und das ende eines Strandaufgangs. Rad- und Fußweg sind ebenfalls durch einen Markierungsstreifen getrennt. Auf dem ockerfarbenen Fußweg befindet sich jeweils Noppenplatten.
Bild: Markierungsstreifen

Spurenweg in Kratzeburg

Die Gemeinde Kratzeburg gehört zu Mecklenburg-Strelitz und liegt im westlichen Teil des Müritznationalparks. Der Bahnhof Kratzeburg befindet sich auf der Strecke Rostock-Waren-Neustrelitz, wird aber nur von den Regionalbahnen angefahren. Die Landschaft um den Ort herum ist sehr wald- und seenreich und lädt zum Wandern zu Fuß und mit dem Boot ein.
Kommt man in Kratzeburg an, so fühlt man sich um einige Jahrzehnte zurückversetzt. Denn im Bahnhofshäuschen befindet sich eine alte Leitwarte der Bahn, wo noch alles per Hand bedient wird. Der Bahnhof ist in der Dorfstraße gelegen, welche sich durch den gesamten Ort zieht. Vom Bahnhofsgelände kommend, wenden wir uns nach links auf die Dorfstraße, folgen dieser bis zu einer kleinen T-Kreuzung. Hier wenden wir uns nach rechts und folgen der Straße. Auf dieser erreichen wir rechts einen Feldweg, in den wir einbiegen. Links neben dem Weg steht eine Infotafel, welche den Spurenweg als Relief und mit Braille- und Großdruck-Beschriftung zeigt. Anschließend biegt gleich ein Pfad links in den Wald ein, welcher auf seiner rechten Seite mit Baumstämmen beschränkt ist, die wagerecht, kurz über dem Boden angebracht wurden und so eine niedrige Wegbegrenzung bilden. Der Weg lässt sich gut unter den Füßen erspüren. In den Kurven und bei Weggabelungen helfen dem Wanderer wiederum Baumstämme, welche den Weg dann jedes Mal für einige Meter rechtsseits als Wegmarkierung begleiten.
Auf dem Weg in Richtung Dambeck gibt es 10 Infostationen. Zum besseren Auffinden dieser wurde einige Meter vor und nach den Stationen eine niedrige Umzäunung aus liegenden Baumstämmen aufgestellt. Zu den Stationen führt jeweils eine Pflasterung, welche den Wanderweg quert. Die Infotafeln bestehen aus Kunststoffplatten, welche auf pultartige Metalltafeln geschraubt worden sind. Die Überschrift wurde auch in Braille-Schrift aufgebracht, die Infotexte sind in gut lesbarer Druckschrift verfasst. Die Themen der ersten 6 Aufsteller sind: „Fundamente im Wald“, „Turnplatz“, „Schirmeiche“, „Postkutschenhaltestelle“, „Waldtaxi“, „Die Hogingleitung“. Rechts neben der Tafel „Die Honigleitung“ stehen Reste einer Beregnungsanlage, Stutzen und ein Rohr. Bis 1993 wurde das Abwasser von Neustrelitz über die sogenannte Honigleitung nach Kratzeburg gebracht, wo damit Wiesen und Bäume beregnet worden sind. Manchmal soll sogar Klopapier auf den Bäumen gehangen haben! Inhalte der nächsten 4 Stationen sind: „Trichterspinnen“, „Harzgewinnung“, „Gestrüpp“, „Ural 72“ (ein sowjetischer Posten). Wir sind nun am Ende dieses Abschnittes angelangt. Links steht eine ebensolche Infotafel wie am Beginn des Spurenweges. Rechts führt uns nun die Wegbegrenzung zum zweiten Abschnitt des Wanderweges. Wir gehen jedoch geradeaus in den Ortsteil Dambeck hinein. Wir wenden uns nach rechts und gehen dann links durch ein Wäldchen hindurch bis zu einem größeren Haus. Dieses gehört zum Familien- und Ferienpark. Wir steigen die Treppen hoch, passieren die Eingangstür und einen Raum, bis wir auf der hübschen Seeterasse stehen. Dort genießen wir selbst gebackenen Kuchen und Kaffee. Gestärkt wenden wir uns nun wieder dem Spurenweg zu und treffen hier, auf den kürzeren Abschnitt, auf 4 Infotafeln mit folgenden Themen: „Brannwein“, „Alter Grenzstein zwischen Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin“ (dieser steht unmittlebar hinter dem Aufsteller), „Bäverberg“, „Eisenbahnstrecke Waren-Rostock-Neustrelitz – seit 1886“. Wir sind am Ende des ca. 3,6 km langen Wander-Rundwegs angekommen und stehen jetzt einige Meter oberhalb der Einmündung, an der wir unseren Rundgang begonnen haben. Auf dem Rückweg gehen wir geradeaus, durch eine Eisenbahnbrücke hindurch. Anschließend wenden wir uns gleich nach links und kommen an einem See mit Badestelle vorbei. Nach einem Parkplatz wenden wir uns nach links, unter einer weiteren Eisenbahnbrücke hindurch und dann wieder nach links. Auf einem ziemlich holprigen Weg gelangen wir so zurück zum Bahnhof, allerdings kommen wir jetzt von der anderen Seite. Bemerkung: Um braillekundigen Menschen das Lesen der Texte zu ermöglichen, wurden entsprechende Begleithefte für den Spurenweg angefertigt. Diese kann man in der Nationalparkinformation Kratzeburg „Flatterhus“ ausleihen. Adresse: „Flatterhus“: Dorfstraße 31, 17237 Kratzeburg.

Bild: Der Tastplan zu Beginn des Spurenwegs. Schön ausgearbeitet reliefartige Strukturen für Moore, Wald und Wasser werden von Janas Finger erspürt.
Bild: Tastplan des Spurenweges
Bild: Zwei Rohre die aus dem Waldboden ragen
Bild: Reste der Honigleitung
Bild: Eine Schautafel auf einem Pult. Im oberen grünen Bereich befindet sich die Überschrift in Braile. Darunter viel Text in gut lesbarer Schwarzschrift.
Bild: Schautafel auf einem Pult

Assistenzsegeln in Rerik

Das Ostseebad Rerik ist zwischen Salzhaff und Ostsee 14 km westlich von Kühlungsborn gelegen. Einen Bahnhof gibt es hier leider nicht, man erreicht den Ort mit dem Bus von Bad Doberan bzw. von Neubukow aus, welche beide auf der Bahnstrecke Rostock-Wismar liegen. Das 2400 Seelenstädtchen hat vieles zu bieten: schöne Natur, es gibt keine großen Hotelanlagen, eine kleine aber feine Promenade, Ausflugsmöglichkeiten in der näheren Umgebung, jede Menge Boote, einen Fahrradverleih mit einem Tandem im Angebot, Einkaufsmöglichkeiten und eine große Auswahl an Restaurants. Nur feinen Sandstrand sucht man hier vergebens. Dafür gibt es zwei Hundestrände (einen links der Seebrücke kurz vor der gesperrten Zufahrt zur Halbinsel Wustrow) und einen an der Steilküste. Nach Aussage der Kurverwaltung, welche gleichzeitig als Touristinformation fungiert, gibt es keine speziellen Angebote für blinde und sehbehinderte Urlauber.

Das Salzhaff, welches ein Teil der Wismarbucht ist, bietet sich zum Surfen und Segeln geradezu an. Hier befindet sich auch die Segelschule von Torsten Chudzik, einem Einheimischen, der seit 25 Jahren als Segellehrer unterrichtet. Für diese Saison liegt bei ihm ein Trimaran am Steg, welchen wir unbedingt ausprobieren wollen: Denn dieser „Combi-Tri“ wurde am 5. Mai 2011 als Sieger des Wettbewerbs „Barrierefreier Tourismus für alle in Mecklenburg Vorpommern“ im Bereich Innovation ausgezeichnet, welcher vom Tourismusverband MV und dem Servicebüro für Barrierefreien Tourismus in Rostock 2011 erstmalig durchgeführt worden ist. Ursprünglich wurde dieser Trimaran für Rollstuhlnutzer und anderweitig körperbehinderte Segler konzipiert. So wurde z. B. ein Mittelsitz entwickelt, welcher in den Mittelrumpf eingebaut werden kann. Das Rollsegel ist einfach zu handhaben. Durch die beiden Ausleger, welche den Mittelrumpf mit den beiden Stützrümpfen verbinden, erhält das Sportboot eine große Stabilität und vermittelt einem so ein gewisses Sicherheitsgefühl. Torsten empfängt uns herzlich und überreicht uns die Ölkleidung, welche ein Nass werden unserer Kleidung verhindern soll. „Ihr habt ein ordentliches Windchen mitgebracht“ meint der 45jährige lächelnd. Für uns fühlt sich die Windstärke 6 eher wie ein Sturm an. Obwohl es bereits Ende Mai ist, ist es ganz schön frisch in Rerik, deshalb ziehen wir dankbar die wasserfeste Latzhose und die -Jacke über unsere normale Kleidung. Nun wir sahen sicherlich schon besser aus! Die Kleidung ist kunterbunt, damit man bei einem Notfall schnell im Wasser ausgemacht und wieder an Bord gehievt werden kann. Dann noch die Schwimmwesten darüber und los geht’s! Von Anfang an vermittelt uns Torsten das Gefühl, alles im Griff zu haben und genau zu wissen, was zu tun ist. Wir machen es uns jeder auf einem der beiden Trampoline der Seitenrümpfe bequem und lassen die Beine in den Mittelrumpf baumeln, wo jetzt kein Sitz eingebaut ist. Zunächst lassen wir erstmal die Bewegungen des kleinen Bootes auf uns wirken und versuchen zu erspüren, aus welcher Richtung der starke Wind weht. Die 60 cm hohen Wellen überspülen das Segelboot, wenn wir in eine Böe kommen. Die Segelfläche ist heute nur halb entrollt, weil der Wind zu stark ist, erklärt uns der Segellehrer. Inzwischen sind unsere Schuhe durchgeweicht, beim nächsten Törn werden wir sie deshalb lieber an Land lassen oder an Bord an einem trockenen Plätzchen verstauen. Doch nur um mitzusegeln sind wir nicht nach Rerik gekommen – so etwas kann man schließlich überall an der Ostsee erleben – wir wollen selber Hand anlegen. So drückt Torsten einem von uns die Verlängerung der Ruderpinne in die Hand, welche ähnlich wie ein menschliches Kniegelenk funktioniert, was gebeugt und gestreckt werden kann. Er erklärt uns, was beim „Anluven“ und beim „Abfallen“ zu tun ist und wir probieren mit seiner Hilfe Wende und Halse aus. Das Segel, welches nur am drehbaren, frei stehenden Mast und an einem Seil befestigt ist, hat Torsten entweder in der Hand oder es ist fixiert. Ist der Trimaran auch ostseetauglich? wollen wir wissen. „Bei guten Bedingungen und der richtigen Windrichtung kann man auch auf der Ostsee segeln“, so die Expertenmeinung. „Ich habe ihn im Salzhaff bereits erfolgreich bis Windstärke 7 getestet.“ Torsten gibt Jana, die nicht erkennen kann wo sie hinsegelt, ständig Kommandos, wie die Ruderpinne zu bewegen ist. Mario, der sehbehindert ist, wird von ihm auf verschiedene Orientierungspunkte im Wasser und an Land aufmerksam gemacht, welche sich in unterschiedlicher Entfernung zum Boot befinden. So kann er herausfinden, was Mario noch erkennen kann und somit einschätzen, in wie weit er den Trimaran selbständig zu steuern vermag. Das Steuern mit der Ruderpinnenverlängerung ist kinderleicht und, im Gegensatz zum steuern einer Jolle, nicht kraftaufwändig. Torsten, der derweil fröhlich plaudert, greift sofort ein, wenn wir vom Kurs abkommen. Da wir insgesamt nur zweimal segeln können, kommen wir leider nicht mehr dazu, den Umgang mit dem Segel zu erlernen. Das ist ein bisschen schade, aber trotzdem war das Segeln auf dem „Combi-Tri“ für uns beide eine tolle Erfahrung, die wir unbedingt wiederholen und ausbauen wollen. Bis dahin gilt es aber erstmal, ein bisschen Seglerlatain zu lernen.

Adressen: Segelschule Torsten Chudzik, Am Haffplatz 7, 18230 Rerik, www.segelschule-rerik.de Fahrradverleih Zweiradhaus Drygall, Am Parkplatz 7c, 18230 Rerik www.combi-tri.de

Jana steuert den Trimaran. Der Combi-Tri ist von vorn zu sehen.
Foto: Trimaran von vorn
Der Trimaran "Combi-Tri" wird von Jana und Torsten sicher vom Salzhaff nach Rerik gebracht. Der Trimaran ist hier schräg von vorn zu sehen.
Foto: Trimaran "Combi-Tri" kommt vom Salzhaff nach Rerik
Der Combi-Tri von der Seite. Das zu einem Drittel entrollte Segel ist gut zu erkennen. Außerdem die Seitenschwimmer des Trimarans, die sich leicht aus dem Wasser heben. Jana steuert den Trimaran auch auf diesem Bild.
Foto: Combi-Tri von der Seite
Der Combi-Tri fährt in den Hafen von Rerik. Jana hat dabei die Ruderpinne fest in der Hand. Im Hintergrund sieht man die Silhouette Reriks.
Foto: Combi-Tri fährt in den Hafen von Rerik

Duft- und Tastgarten Papendorf

„Der Duft- und Tastgarten Papendorf – Ein Ort zum Lernen und Verweilen

Die Alten wussten noch um die vielen Hausmittel, die richtigen Würzen für Braten, Brot und Eintopf, die duftenden Blüten für den Wäscheschrank und die Kräutersträuße zur Abwehr von Unheil. Sie wussten, wo diese grünen Schätze vor der Haustür und hinter der Gartenpforte zu finden sind. Im Duft- und Tastgarten Papendorf im Lassaner Winkel wächst, blüht und reift auf einem Hektar eine Vielfalt von Pflanzen, deren Wert für Küche und Hausapotheke meist vergessen ist. Menschen jeden Alters sind eingeladen, im Garten des Mirahell e.V. die Natur in ihrer Kraft und Fülle für sich zu entdecken. Ein Teil des Gartens ist barrierefrei gestaltet, in Hochbeeten angelegt, und die Pflanzen sind mit Blindenschrift beschildert. Menschen mit Handicaps, insbesondere sehbehinderten Menschen, ist es so leicht möglich, ihre Erfahrungen mit Pflanzen zu sammeln. Die dort und in der Kräuterspirale angesiedelten Gewürzpflanzen sind fast alle zugleich Heilpflanzen, ebenso wie die im Frauenbeet versammelten Kräuter, Blumen und Stauden. Das Hildegard-von-Bingen-Beet erzählt von den Kräutern der Nonnen und Mönche, die bereits vor tausend Jahren in den Klöstern Heilpflanzen kultivierten. Vergessene Gemüse und Getreide erinnern an die Reichhaltigkeit der „Lebensmittel“, die die Natur anbietet. Zugleich ist der Duft- und Tastgarten ein schöner Ort der Begegnung mit der Natur, still, erholsam und anregend für alle Sinne. Ein Gang durch das „Pommersche Labyrinth“ lädt ein, sich auf den Weg des Lebens zu begeben, bereit zu sein, Neues zu entdecken, sich selbst zu wandeln. Für alle, die den mit Thymianpolstern eingefassten Weg nicht gehen können, ist das Labyrinth in einen Stein gemeißelt – der Tastsinn macht sich auf die Suche, bis er zum Ziel gelangt – und in der eigenen Mitte ruht. Der Garten ist ein Lernort für große und kleine Menschen: Regelmäßige thematische Führungen und Pflanzentafeln helfen, die Schätze der Natur neu zu heben. Der Duft- und Tastgartcn lädt auch zu Ausflügen, Festen, Kindertagen, Musik, Tanz und kunsthandwerklicher Gestaltung ein. Wir bieten ein Sortiment aus regionalen Kräuterprodukten an. Der Garten ist jederzeit offen. Für den Erhalt des Gartens bitten wir die Besucher um einen Beitrag von 3,50 Euro in die Kasse des Vertrauens. In den Monaten von Mai bis Oktober ist von Mittwoch bis Sonntag eine Ansprechpartnerin vor Ort. Duft- und Tastgarten Papendorf Mirabell e.V., Duft- und Tastgarten, Am Weiher 9, 17440 Papendorf bei Lassan, E-Mail duft@mirabellev.de, www.mirabellev.de“ (Flyerinhalt)

Etwa 20 km von der nächsten Bahnstation (Hohendorf oder Anklam) entfernt und damit beinahe unerreichbar für Sehbehinderte und Blinde ohne Mitfahrgelegenheit mit einem PKW, liegt der Garten im idyllischen Lassaner Winkel. Wir betreten ihn durch eine Gartenpforte und stehen sogleich mitten im Grünen. Es gibt erst einmal kaum so etwas wie Wege. Überall stehen ca. 70 cm hohe, pultartige Aufsteller mitten im Beet oder am Rand. Auf ihnen kann man den deutschen und latainischen Namen der Pflanzen in Braille- und Großschrift lesen. Die Dufterlebnisse sind berauschend. Weiter unten stoßen wir auf einen Steinweg. Auch dort gibt es diese Beschilderungen. Er führt zu einem kleinen See, wo ein paar noch verstaubte Strandkörbe stehen. Überall auf den Bänken sitzen Leute, die zu meditieren scheinen. Leider kann bei uns kaum von Entspannen die Rede sein, da unser Führhund nicht verstehen will, dass er auf dieser riesigen Wiese nicht seinen üblichen Beschäftigungen nachgehen darf. Wir wollen den Barfußpfad ausprobieren, doch unsere sehenden Begleiter raten uns davon ab, da dort die beiden frei laufenden Zicklein ihre Hinterlassenschaften verteilt haben. Diese führen derweil einen Boxkampf auf. Worum es dabei geht bleibt uns leider verborgen, um die saftigsten Kräuter sicher nicht, denn davon sind schließlich genug für beide da! Heute ist nicht irgend ein Sonntag, sondern es ist der Tag der Eröffnung der Saison 2011. Deshalb erklingen fröhliche Frühlingsliedchen, es gibt selbstgebackenen Kuchen und Kaffee.

Besucheradresse: Duft- und Tastgarten Papendorf, Am Weiher 9, 17440 Lassan Ot. Papendorf

Foto: Ein Schild mit dem Aufdruck "Schlüsselblume - Primula Veris" in Schwarzschrift, darunter ertasten Jans Finger die Brailebeschriftung.
Foto: Beschilderung