Archiv der Kategorie: Natur- und Umweltschutz

Coastal Cleanup Day 2012

Für diese Aktion haben wir gerne einen Samstag investiert, um mit Mülltüten bewaffnet am Strand von Loissin am Greifswalder Bodden Plastiktüten, Flaschen, Windeln, Papiertaschentücher und anderen Unrat einzusammeln:
Die US Umweltorganisation Ocean Conservancy ruft in jedem Jahr am dritten Samstag im September zum weltweiten Küsten-Reinigungstag, dem International Coastal Cleanup Day (ICC), auf.
An diesem Tag treffen sich weltweit engagierte Naturschützer, um Küsten, Gewässer und Flussufer vom Müll zu befreien.
Seit Herbst 2010 beteiligt sich der NABU mit eigenen Reinigungsaktionen am ICC.
Dieses Jahr gab es von September bis Anfang Oktober acht Reinigungsaktionen. Von Borkum bis Rügen befreiten NABU Gruppen und Partner mehrere Kilometer Küste von Müll und Unrat.
Über 80 freiwillige Helfer beteiligten sich an den Aktionen, darunter auch Rüdiger Joswig und Kollegen aus der ZDF-Serie „Küstenwache“.
Joswig ist seit 2011 Schirmherr des NABU-Projektes „Meere ohne Plastik“.
Zusammen sammelten alle Freiwilligen über 400 Kilogramm Müll.
Die Ausbeute war reich: Fahrradreifen, Flaschen, Textilien, Angelschnüren, ein Campingstuhl sowie unzählige Plastiktüten und Zigarettenstummel sammelten die NABU-Aktiven.
Besonders bemerkenswert war die Aktion des NABU Greifswald zusammen mit dem Verein OneEarth-OneOcean:
Rund 35 freiwillige Helfer sammelten gemeinsam auf dem Ryck und dem Greifswalder Bodden Müll und machten auf die zunehmende Verschmutzung der Meere aufmerksam. Dies alles war nur möglich durch die Unterstützung der NABU-Gruppen und –Aktiven, denen wir für Ihren Einsatz danken.
Auch im nächsten Jahr, vom 21. September 2013, dem offiziellen Startschuss für den International Coastal Cleanup Day, bis Anfang Oktober wird es an den Küsten von Nord-und Ostsee viele Reinigungsaktionen geben.
Wir hoffen, dass auch Sie mit dabei sein werden und ein Zeichen für die Umwelt setzen. Gemeinsam werden wir auf die Problematik von Meeresabfällen aufmerksam machen und die deutschen Meeresgewässer von einem Teil Ihrer Müllbelastung befreien. Bitte kontaktieren Sie uns bei Interesse und unterstützenSie das NABU-Projekt „Meere ohne Plastik“.
Mehr Informationen und Anleitungen für Reinigungs-und Sammelaktionen finden Sie auf NABU-Website.

Verfasser: Kim Cornelius Detloff (Referent für Meeresschutz) und Anke Lehmann

Genehmigte Erdölsuche in der Ostsee

Der NABU Kreisverband Greifswald, hat ein Positionspapier verfasst, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wichtig der Schutz der Ostsee vor der Erdölförderung durch die CEP GmbH ist. Positionierung des NABU Kreisverbandes Greifswald zu den vom Bergamt Stralsund erteilten Erlaubnissen der Central European Petroleum Ltd. (CEP GmbH) zur Aufsuchung des bergfreien Bodenschatzes Kohlenwasserstoff nebst den bei ihrer Gewinnung anfallenden Gasen in den Feldern Plantagenetgrund, Ribnitz und Oderbank. Im Folgenden beziehen wir Position zu o. g. Sachverhalt: Am 17.04.2012 erhielt der NABU Kreisverband Greifswald beim Bergamt Stralsund Einsicht in die Akten der CEP GmbH, welche die Felder Oderbank KW, Ribnitz KW und Plantagenetgrund KW betreffen. In den uns vorliegenden 3 Ordnern befanden sich hauptsächlich
die Anträge der CEP GmbH zur Aufsucherlaubnis in o. g. Feldern, die Aufsucherlaubnisse des Bergamtes Stralsund und die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, welche bei der Entscheidungsfindung eingebunden waren. Aus letzteren geht hervor, dass viele Behörden hinsichtlich des Umweltschutzes, der Trinkwasserversorgung, des Tourismus bzw. der Fischerei und Seeschifffahrt den Plänen der CEP GmbH sehr kritisch gegenüber stehen. Naturschutzverbände waren nicht beteiligt worden. Etlichen Behörden waren die eingereichten Unterlagen der Antragstellerin nicht aussagekräftig genug und die geplanten Aufsuchungsfelder im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu groß, um eine Entscheidung treffen zu können. Die Behörden wiesen in ihren Stellungnahmen u. a. auf die Überlagerung der Aufsuchungsfelder mit wertvollen Naturschutzgebieten, Gebieten der Natura 2000 (FFH – und Vogelschutzgebiete) sowie geschützten Biotopen im Bereich des Festlandsockels und des Küstenmeeres hin. Eine Fauna-Flora-Habitat- (FFH) Betrachtung wird empfohlen. Außerdem wurde das Bergamt auf die negative Wirkung von seismischen Untersuchungen auf Gesundheit und Leben der Meerestiere und der streng geschützten Meeressäuger, wie den von Aussterben bedrohten Ostseeschweinswalen, hingewiesen. Industrielle Aktivitäten führen, neben dem Schiffsverkehr, zur immer weiter zunehmenden Verlärmung der Küstengewässer. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung für schallsensible Meeressäuger, aber auch für Fische und wirbellose Tiere, dar. Direkt betroffen von der Aufsucherlaubnis sind nach unserem Kenntnisstand u. a. in der AWZ die FFH-Gebiete Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank und die Kadetrinne sowie das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht, innerhalb der 12-Seemeilenzone die FFH-Gebiete Greifswalder Boddenrandschwelle mit Teilen der Pommerschen Bucht, Darßer Schwelle und Plantagenetgrund, Recknitz Ästuar und Halbinsel Zingst, Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff, sowie u.a. die Vogelschutzgebiete Plantagenetgrund, die Vorpommersche Boddenlandschaft und nördlicher Strelasund, das Gebiet Westlich Pommersche Bucht, der Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund, Peenestrom und Achterwasser sowie das Kleine Haff. 1992 verabschiedete die europäische Union (EU) die FFH-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere, um das andauernde Artensterben zu beenden. Die Mitgliedstaaten verpflichteten sich, den „günstigen Erhaltungszustand“ von wild lebenden Arten wieder herzustellen und dauerhaft zu sichern. Die Schutzgebiete sind das wichtigste Instrument der Richtlinie. Diese bilden, gemeinsam mit denen nach der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1997 entstandenen Schutzgebieten, ein Netz geschützter Lebensräume. In diesen dürfen die festgesetzten ökologischen Erhaltungsziele nicht gefährdet werden. Es besteht ein Verschlechterungsverbot. Informationen zu den Schutzgebieten innerhalb bzw. neben den Aufsuchungsfeldern Im Feld Plantagenetgrund leben die FFH-Arten Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal. Die Felder Plantagenetgrund mit Darßer Schwelle betreffen den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaftmit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, welche bei Urlaubern, die schöne Natur zu schätzen wissen, sehr beliebt ist. Der wild-romantische Weststrand gehört laut Arte zu den 20 schönsten Stränden der Welt. Der Nordstrand vom Ostseebad Prerow ist ein echter Traumstrand und wurde bereits mehrmals mit der blauen Flagge für einen hohen Umweltstandart und eine besonders hohe Wasserqualität ausgezeichnet. Zingst ist ein quirliges Ostseebad. Pramort dient mehr als 30 verschiedenen Wattvogelarten, vor allem Kranichen, als Rast- und Brutplatz. Es ist unvorstellbar, dass bald Bohrtürme den Blick auf die Ostsee trüben sollen. Zum Feld Ribnitz gehört u. a. der Fluss Recknitz, welcher bei Ribnitz-Damgarten in den Saaler Bodden mündet. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Programms Natura 2000 eine Vielzahl von Renaturierungsmaßnahmen vollzogen. Dadurch wird die Landschaft, auch für den Kanu-Tourismus, attraktiver. Außerdem wächst die Recknitz dadurch in manchen Gebieten zu einer Sumpf- und Schilfwildnis zu, was die Vorraussetzungen für ein Vogelschutzgebiet sind. Etliche Landschafts- und Naturschutzgebiete sind in ihrem Verlauf ausgewiesen. Der Adlergrund gehört zum Naturschutzgebiet Pommersche Bucht und ist ein Naturschutzgebiet des Bundes. Er dient nachweislich durchziehenden Kegelrobben und Schweinswalen als Nahrungsgrund. Die Kadetrinne weißt ein besonders hohes Aufkommen an auf der Roten Liste verzeichneten Meerestieren auf. Schweinswale kommen hier nachweislich regelmäßig vor. Die Oderbank ist ein Schutzgebiet, welches die südliche Hälfte der Pommerschen Bucht umfasst. Es handelt sich um eine Sandbank, welche einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche geschützte Tiere darstellt. Dazu zählen u. a. Muscheln, Flohkrebse, Jungfische, Vögel, Steinbutt, Scholle, Ostseeschnäpel, Finten, Stör und Schweinswale. Der Greifswalder Bodden erstreckt sich zwischen Südost Rügen im Norden, dem Festland im Süden und Westen, Usedom im Südosten, im Westen bildet der Strelasund einen weiteren Zugang zur Ostsee. Beispielsweise ragt die Halbinsel Mönchgut in den Greifswalder Bodden hinein. Sie gehört teilweise zum Biosphärenreservat Südost Rügen und steht zum Großteil unter Naturschutz. Darauf liegen die berühmten Ostseebäder Göhren und Baabe sowie der beliebte Urlauberort Thiessow. Ebenfalls im Greifswalder Bodden liegt die Insel Vilm, welche seit 1936 Naturschutzgebiet ist. Sie ist Europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet und für sanften Tourismus zugänglich. Die Greifswalder Oie steht unter Naturschutz. Seit einigen Jahren zeigen umfangreiche Schutzmaßnahmen Erfolg, so dass im Greifswalder Bodden und rund um Rügen immer öfter Kegelrobben gesichtet werden. Außerdem ist der Greifswalder Bodden ein beliebtes Wassersportgebiet. Direkt am Strelasund liegt die Halbinsel Devin, ebenfalls ein Naturschutz- und beliebtes Naherholungsgebiet. Der Peenestrom ist ein Arm der Ostsee und mündet in das Stettiner Haff. Er trennt die Insel Usedom vom Festland. Der Fluss Peene mündet bei Anklam in gleichnamigen Strom. Im Peeneurstromtal befinden sich mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete, darunter ist das größte, zusammenhängende Niedermoorgebiet Mitteleuropas. Angesichts dieser Beispiele für den ökologischen, touristischen und fischereiwirtschaftlichen Wert der Aufsuchungsfelder, können wir die Entscheidungen des Bergamtes Stralsund nicht nachvollziehen. Wir lehnen umweltschädigende Explorationsverfahren, wie die 3D-Seismik und andere mit Lärm verbundene Bohrungsmethoden, in den Küstengewässern und in Naturschutzgebieten auf dem Festlandsockel ab. Außerdem lehnen wir Offshore-Erdöl bzw. –Erdgasförderung in Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich ab. Zu groß sind die damit verbundenen Risiken für Natur- und Umwelt sowie die Tourismus- und Fischereiwirtschaft. Angesichts der Wende in der Energiepolitik, welche u. a. eine schrittweise Umstellung der Energierohstoffe von fossilen Energieträgern auf erneuerbare zum Ziel hat, dürfte Erdölförderung um jeden Preis nicht mehr sinnvoll sein. Außerdem mag die durch die Deepwater Horizon verursachte Katastrophe nun nicht mehr so präsent in den Köpfen der Menschen sein wie vor 2 Jahren, für diejenigen, die vor Ort leben, ist sie allgegenwärtig. Die Meeresbewohner weisen zu einem großen Teil Deformationen und Mutationen auf. Ob sich die Umwelt überhaupt irgendwann regeneriert, ist unter Experten fraglich. NABU KV Greifswald, Vorstand Juli 2012 Kontakt NABU Greifswald • Markt 25 • 17489 Greifswald Tel./Fax: 0 38 34 – 79 97 19 E-Mail: info@NABU-greifswald.de Internet: NABU KV Greifswald Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, die Ostsee vor der Erdölsuche zu schützen Unterschriftenliste des NABU Greifswald herunterladen (260 kb, PDF-Datei)

Positionspapier der Umweltverbände zu Seismik in der Ostsee

Bereits im Januar haben wir uns mit dem Thema der geplanten Erdölbohrungen in der Ostsee durch die Central European Petroleum GmbH (CEP) beschäftigt.
Mittlerweile hat CEP vom Bergamt Stralsund eine Bergbauberechtigung zur Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee erhalten.
Verschiedene Umweltverbände haben eine gemeinsame Stellungnahme zu dem Vorhaben verfasst, dessen Text wir hier veröffentlichen möchten.
Am Ende des Artikels befindet sich ein Downloadlink um die gesamte Stellungnahme inkl. aller Abbildungen und Tabellen herunterzuladen.

Gemeinsame Stellungnahme – Geplante seismische Untersuchungen entlang der deutschen Ostseeküste

Das Unternehmen Central European Petroleum GmbH (CEP) hat vom Bergamt Stralsund die Bergbauberechtigung zur Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee erhalten. Betroffen sind zahlreiche Gebiete des Natura 2000-Netzwerkes vor der Küste Mecklenburg- Vorpommerns, die dem Schutz besonders bedrohter Arten und Lebensräume dienen. Die beteiligten Umweltverbände lehnen die mit der Erkundung verbundenen Eingriffe in Meeresschutzgebieten ab.

Das CEP Projekt

CEP hält nach eigenen Angaben etwa 13.800 km² Erlaubnisfelder entlang vermuteter Erdöl- und Erdgasvorkommen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Abbildungen 1-4 zeigen einen Teil der geplanten Explorationsgebiete, die sich mit mehr als zwölf Marinen Natura 2000- Gebieten in den Küstengewässern und der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) überschneiden.

Natura 2000 – Artenvielfalt in Nord- und Ostsee

1992 verabschiedeten die Staaten der Europäischen Union die Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie). Damit verpflichteten sie sich, den „günstigen Erhaltungszustand“ von wildlebenden Arten und deren Lebensräumen wiederherzustellen und dauerhaft zu sichern. Gemeinsam mit den Vogelschutzgebieten gemäß EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979 bilden die FFH-Gebiete ein zusammenhängendes Netzwerk von geschützten Lebensräumen: Natura 2000 (Abb. 5).

Neben Schweinswalen, Kegelrobben und Seehunden leben in den betroffenen Gebieten verschiedene wanderende Fischarten (z.B. Stör, Finte) und mehr als 20 Vogelarten (z.B. Seetaucher, Flussseeschwalbe, Eisente), die durch die FFH-und Vogelschutzrichtlinie streng geschützt sind. Im Greifswalder Bodden wird seit einigen Jahren die erfolgreiche Rückkehr der Kegelrobbe beobachtet. Direkt betroffen sind u.a. in der AWZ die FFH-Gebiete Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank und die Kadetrinne sowie das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht, innerhalb der 12-Seemeilenzone die FFH-Gebiete Greifswalder Boddenrandschwelle mit Teilen der Pommerschen Bucht, Darßer Schwelle und Plantagenetgrund, Rechnitz Ästuar und Halbinsel Zingst, Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff, sowie u.a. die Vogelschutzgebiete Plantagenetgrund, die Vorpommersche Boddenlandschaft und nördlicher Strelasund, das Gebiet Westlich Pommersche Bucht, der Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund, Peenestrom und Achterwasser sowie das Kleine Haff.

Seismische Exploration

Bei seismischen Untersuchungen werden Schallwellen eingesetzt, um mögliche Erdgas- und Erdölvorkommen zu erkunden. Die Explorationen werden mit so genannten Druckluftkanonen (engl. Airguns) durchgeführt und gehören zu den lautesten anthropogenen Schalleinträgen im Meer. Das Unternehmen CEP plant die sogenannte 3D-Seismik einzusetzen. Dabei werden in schneller Abfolge (alle 5-10 Sek) zum Meeresboden gerichtete Druckluft-Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p- p) re1µPa erzeugt. Eine beträchtliche Energie in einem breiten Frequenzspektrum strahlt auch in alle anderen Richtungen aus, was bis mehr als 1000 Kilometern Entfernung gemessen wurde (Nieukirk et al., 2004). Darüber hinaus sind die hydrographischen Bedingungen der Ostsee ausgesprochen komplex und lassen eine korrekte Schallprognose und Risikoabschätzung nur unter großem technischem Aufwand zu. Der Lärm bedroht aufgrund seiner enormen Stärke und der Vielzahl der Schallimpulse Meerestiere direkt und kann zusätzlich zu vorübergehenden oder andauernden Vertreibungen aus einem Gebiet führen. Dies ist mit den Erhaltungszielen der betroffenen marinen Schutzgebiete nicht vereinbar. Zudem können die seismischen Erkundungen zu Verstößen gegen die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände des Bundesnaturschutzgesetzes führen.

Ökologische Auswirkungen durch Unterwasserlärm

Wale, aber auch andere marine Säugetiere, Fische, Seevögel und am Meeresboden lebende Organismen (Benthos) sind durch Schalleinträge aus der Schifffahrt, durch Offshore-Konstruktionen, seismische Explorationen oder militärische Sonar-Einsätze gefährdet. Die ökologischen Effekte reichen von Vertreibung, Überdeckung wichtiger biologischer Schallsignale (Maskierung) bis zu physischen Verletzungen und Tod.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich entgegen früherer Annahmen, die Energie der Druckluftkanonen über das gesamte von Meeressäugetieren genutzte Frequenzspektrum verteilt (Goold and Coates, 2005). Durch die hohen Schalldrücke und das breite Frequenzspektrum sind demnach auch negative Effekte auf die auf hohe Frequenzen spezialisierten Schweinswale zu erwarten. Die einzelnen Airgun-Impulse sind mit dem Verfahren der Impulsrammung vergleichbar, welche beim Bau von Offshore-Windanlagen angewendet wird. Zu erwarten sind deshalb räumliche Vertreibung von bis zu 20 Kilometern (Tougaard et al., 2009), weitreichende Maskierungseffekte und temporäre (TTS) oder gar permanente (PTS) Schädigungen des Gehörs (Lucke et al., 2009). Letzteres kommt für ein vollständig vom Gehör abhängiges Tier (akustische Orientierung, Echoortung bei der Jagd und soziale Kommunikation) einem Todesurteil gleich. Zudem kann es bei Schalleinträgen während der Aufzuchtphase zu Trennungen von Mutter-Kalb-Paaren kommen, im Nahbereich sind darüber hinaus Gewebeverletzungen nicht auszuschließen. Durch den besonders hohen Schalldruck werden im Nahbereich ernste Verletzungen auch bei Fischen erwartet, insbesondere bei Fischeiern und den verschiedenen Larvenstadien, Jungfischen und Fischen mit Schwimmblase (Keller et al., 2006). Auch Verhaltensänderungen wurden nachgewiesen (CALTRANS, 2011). Damit wäre wiederum ein negativer Einfluss auf die Fischereiwirtschaft in den betroffenen Regionen nicht auszuschließen. Ebenso können tauchende Seevögel und am Boden lebende wirbellose Meerestiere beeinträchtigt werden.

Schlussfolgerungen und Forderungen der Umweltverbände

Bereits seit dem Juni 2010 gibt es Hinweise darauf, dass das Unternehmen Central European Petroleum GmbH (CEP) beabsichtigt, in den vermuteten Erdöl- und Erdgaslagerstätten im Bereich der deutschen Ostsee seismische Explorationen durchzuführen. Diese Pläne wurden jedoch in Anbetracht der damaligen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und der bevorstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf Eis gelegt. Ein Jahr später, unmittelbar nach der Wahl, erteilte das zuständige Bergamt Stralsund trotz kritischer Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) die bergrechtliche Erlaubnis für zwei weitere Erkundungsgebiete und machte so den Weg frei zur Erarbeitung der für die seismischen Untersuchungen notwendigen Betriebspläne.

Seismische Untersuchungen unter Einsatz von Druckluftkanonen in ausgewiesenen und anerkannten Schutzgebieten stehen nach Einschätzung der Umweltverbände im starken Widerspruch zum nationalen Naturschutzrecht sowie europäischen Arten- und Naturschutzrecht nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie und sind deshalb nicht genehmigungsfähig. Neben den ernsten naturschutzfachlichen Bedenken, sind durch das Vorhaben auch negative Auswirkungen auf die Fischerei an der Küsten Mecklenburg-Vorpommerns sowie den Tourismus zu erwarten.

Die unterzeichnenden Umweltverbände fordern deshalb:

  • ein generelles Verbot seismischer Explorationen in der gesamten Ostsee (aufgrund der stark gefährdeten Schweinswal-Population) und in marinen Schutzgebieten
  • die Verwendung schallarmer Explorationsmethoden wie z. B. passiver oder elektromagnetischer Verfahren außerhalb von Schutzgebieten (Weilgart, 2010)
  • eine transparentes und naturschutzfachlich begleitetes Genehmigungsverfahren für die aktuellen und zukünftigen Betriebspläne unter Beteiligung der Umweltverbände
  • keine Probebohrungen und keine Erdöl- oder Erdgasförderungen in geschützten und sensiblen Lebensräumen
  • aktive Förderung eines naturverträglichen Tourismus anstatt gefährlicher und die Umwelt schädigende industrielle Großprojekte
  • eine grundsätzliche Reform des deutschen Bergrechts unter Berücksichtigung der Natur- und Umweltbelange
  • verbesserte Koordination der EU Mitgliedsstaaten bei der Durchführung schallintensiver Projekte (z.B. mögliche Auswirkungen auf dänische bzw. polnische Gewässer)

Gesamte Stellungnahme herunterladen (PDF-Datei ca. 350 KB)

Amphibienzaun am Dorfteich in Eldena

Jedes Jahr, von Mitte März bis Mitte April, gibt es in Greifswald ein NABU-Projekt zum Schutz der Amphibien. In diesem Jahr befindet sich ein Amphibienzaun in der Teichstraße, welche von den Tieren auf ihrem Weg zum Teich überquert werden muss, wo sie dann laichen.
Hinter dem niedrigen Zaun wurden 8 Eimer eingegraben, die behaglich mit Grasbüscheln ausgestattet sind und feucht gehalten werden.

Morgens und abends werden sie durch einen Betreuer geleert. Darin befinden sich dann z. B. Kamm- und Teichmolche, Erdkröten, Teich-, Gras- und Moorfrösche.
Jedes Individuum wird möglichst genau, nach Gattung und Geschlecht bestimmt. Anschließend werden die Lurche in einem Eimer hinüber zum Teich getragen, wo sie direkt am Ufer abgesetzt werden.

Ganz besonders faszinierend ist der streng geschützte Moorfrosch.
Er gehört zusammen mit Gras- und Springfrosch zur Gattung der Braunfrösche.
Haben die paarungswilligen Männchen das Laichgewässer erreicht, so färben sich einige von ihnen teilweise oder auch an der gesamten Rückseite bläulich.
Die Farbnuancen reichen von einem Lilaton bis hin zu Himmelblau. Das seltene Schauspiel ist nur für wenige Tage zu beobachten.
Jetzt, Ende März, stimmt ein vielstimmiger Chor sein Konzert an.
Weil die Nebengeräusche spät abends leiser werden, ist der Liebesgesang der Frösche dann für uns am besten zu hören.

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Blauer Moorfrosch
Blauer Moorfrosch
Moorfrösche
Moorfrösche
Moorfrösche
Moorfrösche
Frosch schaut mit dem Kopf aus dem Wasser
Frosch
Moorfrosch schaut mit dem Kopf aus dem Wasser
Moorfrosch

Erdölbohrungen in der Ostsee

Erdölförderung in Vorpommern – das ist nichts neues! Bereits in den sechziger Jahren wurde in Reinkenhagen bei Grimmen und bei Lütow auf Usedom Öl gefördert. Bis heute sind bei Lütow 7 Fördersonden aktiv, auch wenn diese nur noch sehr geringe Mengen Erdöl zu Tage fördern. Die Forschungsergebnisse der Geologen sowie Gesteinsproben aus DDR-Zeiten wurden damals sorgfältig kartiert und dokumentiert. Spezialisten einer Erdölfirma brauchen diese also nur zu sichten um einschätzen zu können, wo sich Probebohrungen in größeren Tiefen, als es damals technisch möglich war, lohnen. Seit März 2011 sucht die Central European Petroleum (CEP) intensiv nach dem „schwarzen Gold“ in Vorpommern. Dafür wird ein Bohrer ins Erdreich versenkt, welcher 30 Meter in den Himmel ragt und für jeweils 3 Monate dort verbleibt. Lohnt sich die Förderung, werden Förderpumpen aufgestellt. Nach den erfolgversprechenden Probebohrungen bei Saal-Barth wird nun auch bei Pudagla unter dem Achterwasser und Lütow auf Usedom probegebohrt. Nach dem Abschluss dieser Probebohrungen wird voraussichtlich 2012 mit der Erkundung des Felds, einem ca. 20 km großem Areal zwischen Stralsund und Pasewalk, begonnen. Die Genehmigung liegt bereits vor. Gebohrt wird erst vertikal und dann horizontal. Insgesamt kommt man so auf eine Bohrstrecke von rund 3 km. Es gibt Befürchtungen, dass CEP Chemikalien in das Erdreich presst, um es an die Oberfläche zu bekommen.

Aber auch vor den Küstengewässern der Ostsee macht CEP nicht Halt. Bereits zwischen 1969 und 1970 hatte die Firma Untersuchungen und Förderversuche im Greifswalder Bodden unternommen, welche allerdings negativ verliefen. Übrig geblieben sind davon bis heute die Überreste der Plattformen. CEP hat nun Offshore-Erkundungsarbeiten u. a. im Bereich der Oderbank östlich von Rügen, welche Teil des europäischen Meeresschutzsystems „Natura 2000“ ist, beantragt. Das wird vor allem von Umweltschutzverbänden, wie dem BUND, sehr kritisch betrachtet, auch wegen der dort lebenden Schweinswale. Das Genehmigungsverfahren wurde im September 2011 aufgenommen und uns bleibt nur zu hoffen, dass die Umwelt- und Naturschutzverbände in die Entscheidungsfindung tatsächlich mit eingebunden werden. Das Land soll mit 10 % am Gewinn beteiligt werden. Ob die allerdings auch reichen um eventuelle Umweltschäden zu sanieren, darf bezweifelt werden.

Mehr Informationen unter: http://gruppen.greenpeace.de/greifswald/oel.html Kampagne zum mitmachen: http://www.greenaction.de/kampagne/oel-bohrung-im-naturschutzgebiet

Die Zukunft der Ostsee

Die Ostsee hat verschiedene Namen: Hier, in Mecklenburg Vorpommern, nennt man sie einfach nur „die See“, in anderen Bundesländern ist sie „das Meer“. Die internationale Bezeichnung ist Baltisches Meer bzw. Baltic Sea. Die Ostsee ist tatsächlich ein Binnenmeer und das größte Brackwassermeer der Erde. Sie verläuft von der Flensburger Förde im Westen, über den Bottnischen Meerbusen im Norden, zum östlichsten Punkt bei Sankt Petersburg bis zum Stettiner Haff im Süden. Die Anrainerstaaten sind: Deutschland, Dänemark, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland und Schweden. Zahllose Flüsse münden in die Ostsee, die größten von ihnen sind: Oder, Weichsel, Memel, Düna, Newa und die Torneälven. Die Ostsee ist bis zu 459 m tief und besitzt eine Durchschnittstiefe von 52 m. Sie ist, im Gegensatz zur Nordsee, sauerstoff- und artenarm und deshalb auf Wasseraustausch mit dieser angewiesen. Für den Wasser- und Sauerstoffaustausch in den Tiefwassergebieten der Ostsee sind Sturmfluten wichtig, wobei Nordseewasser und das darin enthaltene Salz über die Beltsee in die Ostsee gelangt. Diese Ereignisse werden immer seltener. Das Resultat ist ein Sauerstoffmangel in der Ostsee, welcher zum Absterben von Organismen und dadurch auch von Fischeiern und -larven führt. Doch nicht nur fehlender Wasseraustausch verursacht Sauerstoffmangel, auch Einleitungen von Abwässern tragen zum Sterben der Ostsee bei. Dazu gehören vor allem Rückstände aus Land- und Tierwirtschaft, aus Überdüngung der Felder mit Stickstoff zur Ertragssteigerung und Amoniak aus den immer größer werdenden Tierfabriken. Schwedische Experten sind auf dem Grund der Ostsee auf immer mehr tote Böden gestoßen. Auch die aus der Verunreinigung resultierende Blaualgenblüte, welche auch im letzten Sommer wieder zahlreiche Strände vor allem die der Ferieninsel Usedom und des Greifswalder Boddens verunreinigt hat, trägt zur Verschlechterung der Lebensbedingungen im Wasser bei. Die Blaualgen sind außerdem gesundheitsgefährdent für Mensch und Tier.

Am 14.12.2011 präsentierten Ostseeforscher in Rostock/Warnemünde das Ergebnis ihrer dreijährigen Forschung zur Zukunft der Ostsee vor Vertretern der Umweltbehörden:

„Sollte der Fleischverzehr der Bevölkerung in den Ostseeanrainerstaaten weiter so ansteigen, wie es derzeit prognostiziert wird, rücken die Ziele der Umweltpolitik, so wie sie im Ostsee Aktionsplan festgelegt sind, in weite Ferne.

Dies ist nur ein Ergebnis des europäischen Projektes AMBER, in dem WissenschaftlerInnen aus zehn Forschungseinrichtungen der Frage nachgegangen sind, ob und, wenn ja, wie sich der Klimawandel einerseits und die anhaltende Überdüngung andererseits, in ihrer Kombination auf das Ökosystem Ostsee auswirken.

Die Forscher gingen in einem dreifachen Ansatz vor:

  • Mithilfe der Analyse historischer Langzeitdaten wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Vorhersagbarkeit von Veränderungen des Ökosystems ausgelotet.
  • Gekoppelte Klimamodelle und Landnutzungsmodelle errechneten Szenarien
    zukünftiger Umweltzustände.
  • Gezielte Messkampagnen widmeten sich dem Einfluss der Überdüngung auf
    die Küstengewässer im Lichte des Klimawandels.

Am Mittwoch, den 14. Dezember 2011 stellten die an AMBER beteiligten WissenschaftlerInnen ab 10 Uhr ihre Ergebnisse im Rahmen eines Workshops im Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde einem geladenen Publikum aus Journalisten, Vertretern der Umweltbehörden, Interessensverbänden der Fischerei- und Landwirtschaft sowie Ingenieurbüros vor. Am Nachmittag, ab 14:15 Uhr, wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Frage „Wie kommen wissenschaftliche Erkenntnisse zur Politik?“ nachgegangen.“
Quelle: IOW-Presseerklärung vom 13.12.2011

Unser zukünftiges Logo

Endlich haben wir ein Logo für Ostsee-spezial gefunden: Er ist grau, 1,50 bis 1,90 m lang, er besitz eine kleine, dreieckige Finne und kommt in der Ostsee vor – der Schweinswal. Er ist der einzige, heimische Wal und verwandt mit den Delphinen. Früher lebte er zurückgezogen und scheu, doch wird heute immer wieder von Seglern berichtet, dass ihre Boote von spielenden Schweinswalen mit ihren Jungen begleitet wurden, ganz nach Delphinart. Seinen Namen hat der Schweinswal vermutlich von seiner kurzen Schnauze, mit der er den Meeresgrund umwühlt, um Plattfische aufzustöbern. Wie alle Zahnwale gibt er Klicklaute von sich, die Echo-Ortungslaute, die je nach Situation in der Geschwindigkeit variieren können. Zur Kommunikation untereinander nutzen die Schweinswale einen Laut, der an das Zirpen von Vögeln erinnert. Schweinswale sind in Schulen von nur 3 bis 4 Tieren unterwegs. Sie halten sich eher im flachen, küstennahem Gewässer auf. Die Population in der Ostsee ist so klein, dass sie als vom Aussterben bedroht gilt. Die größte Bedrohung für die Schweinswale geht von den Fischernetzen der Menschen aus. Große Probleme bringen auch die Verlärmung, Vermüllung und Vergiftung der Meere mit sich. Greenpeace will mit verschiedenen Aktionen zur Rettung der Schweinswale beitragen. So wurden z. B. im Wasserschutzgebiet „Natura 2000“ in der Nordsee dreihundert Findlinge versenkt, um u. a. die dort befindliche Kinderstube der Schweinswale vor den folgen der Grundschleppnetzfischerei zu schützen. Es besteht die Hoffnung, dass sich in einem europäischen (möglichst einem weltweiten) Netzwerk von Meeresschutzgebieten Wale, Delphine, Fische und alle anderen Meereslebewesen erholen. Als unseren Beitrag dazu haben wir an einer Unterschriftenaktion teilgenommen, die Frau Ilse Aigner zeigen soll, dass sich die Situation in unseren Meeren ganz schnell ändern muss. Außerdem haben wir den Fischratgeber von Greenpeace mitgenommen, der uns darüber informieren soll, welchen Speisefisch wir unbedenklich kaufen können, weil er nachhaltig gefangen worden ist.

Quelle: Vortrag über den Schweinswal innerhalb der Greenpeace Aktionswoche im Ozeaneum Stralsund

Modell eines gewöhnlichen Schweinswals. Der Wal ist von der Seite aufgenommen, wobei die dunkelgraue Färbung am Rücken deutlich hervorsticht. Links im Bild befindet sich die Fluke, in der Mitte die Finne und ganz rechts die Schnauze.
Modell des gewöhnlichen Schweinswals
Dieser Schweinswal hat besondere Schutzausrüstung an. So trägt er einen roten Kopfhörer, der ihn gegen den Lärm schützt. Er besitzt eine rote Schwimmweste um seine Finne, die ihm Auftrieb verschafft, wenn er sich in den Netzen verfängt, die über ihn gelegt sind. Außerdem hat er Stielaugen am Kopf, die ihm helfen Gefahren aus allen Richtungen zu erkennen. An der Schnauze trägt er noch eine Schere, mit der er die Netze zerschneiden kann.
Schweinswalmodell mit Schutzausrüstung

Eine Seefahrt ist nicht nur lustig

Kreuzfahrten mit schwimmenden Hotels, wie z. B. einem Passagierschiff von der in Rostock ansässigen Reederei Aida Cruises werden immer beliebter. Doch so ganz unbeschwert sollte man sich nicht auf eine Seefahrt begeben, denn die Luxusliner sind schwimmende Dreckschleudern:

„Ein einziges Kreuzfahrtschiff stößt während einer Fahrt umgerechnet so viele Schadstoffe aus wie 5.000.000 Autos. Neben dem Ausstoß an Kohlendioxid führen insbesondere die Rußpartikel aus den Dieselmotoren zu einer zusätzlichen Klimaerwärmung, wie Wissenschaftler nachgewiesen haben. Keiner dieser Ozeanriesen würde die Pkw-Abgasuntersuchung schaffen. Paradox, denn was an Land schon lange kontrolliert und verboten ist, bleibt auf See weitgehend unreglementiert und ungestraft. Die Schiffe werden auf hoher See fast ausnahmslos mit Schweröl angetrieben, einem Abfallprodukt der Erdölverarbeitung. Die verfügbaren Filter vertragen die Rückstände aus der Verbrennung dieses Substrats nicht. Die Schiffe nutzen also ein skandalöses Verschmutzungsprivileg. Die am schnellsten wirksamste und technisch simpelste Maßnahme zur Rußreduzierung ist aber die Verwendung von schwefelarmen Treibstoffen auf hoher See sowie in Küsten- und Hafengebieten. Damit werden nicht nur giftige Schwefel- und Stickoxid-Emissionen reduziert, sondern gleichzeitig auch der Rußausstoß.

Das Verantwortungsgefühl und der offene Umgang mit dem Abgas-Problem sind bisher auf Seiten der Reeder kaum ausgeprägt. Wer eine Kreuzfahrt bucht, soll nicht an Umweltverschmutzung, an den Klimawandel oder gar an Krebs erregende Abgase erinnert werden. Doch allmählich steht das Saubermann-Image der weißen Kreuzer auf dem Spiel. Deshalb gibt es Überlegungen, zumindest die Hilfsmotoren im Hafen mit Gas zu betreiben oder die Schiffe während der Liegezeiten an den Landstrom anzuschließen. Beides würde dazu führen, dass die Rußbelastung in den Häfen deutlich zurückginge. Zugegeben: Kreuzfahrtschiffe sind nur ein Teil des globalen Seeverkehrs, aber ein vergleichsweise sensibler. Kein Tourist möchte bewusst seinen Urlaub auf einer Dreckschleuder verbringen.“

Quelle: NABU Newsletter vom 5. Oktober 2011

Weiterführende Links zum Thema:
NABU Kampagne – Mir stinkt’s!
Telepolis Artikel: Trotz neuer Richtlinien: Schiffsabgase belasten die Umwelt stark

Kein Hühnerland am Boddenstrand

Nach einer ca. 20minütigen Schiffstour mit der „Breege“ durch die Dänische Wiek, ein Teil des Greifswalder Boddens, sind wir vom Fischerdörfchen Wieck aus in Loissin angekommen. Die Strecke Greifswalder Museumshafen – Wieck – Ludwigsburg wird in der Saison dreimal täglich gefahren. Mit uns steigen nur wenige Passagiere aus. Uns empfängt eine idyllische Ruhe, und das nur 3 km Luftlinie von der lauten Hanse- und Universitätsstadt entfernt. Rechts vom Anleger erstreckt sich ein Ufer mit Schilfbewuchs, links schließt sich ein steiniger Sandstrand an, welcher recht einladend wirkt. Wir laufen diesen entlang und kommen nach ca. 400 m zur Gaststätte „Boddenblick“, wo man auch auf der Terrasse sitzen und teilweise auch tatsächlich selbigen genießen kann. Etwas weiter schließt sich ein Wald an, welcher zum Naturschutzgebiet gehört und wo der naturlehrpfad „Drachenreich“ der Succuw-Stiftung beginnt. Wir folgen nun der kaum befahrenen Strandstraße zurück in Richtung Bootsanleger und weiter 2 km bis nach Ludwigsburg. Hier begrüßen uns hübsche Bauernhäuser mit Reetdächern. Wir finden das letzte, im Original erhaltene Renaissanceschloss Pommerscher Herzöge aus dem 16. Jh, worum sich der Schlossverein kümmert. Zwischen Loissin und Ludwigsburg liegen riesige, mit Bäumen und Teichen aufgelockerte Ackerflächen, worauf vorwiegend Getreide und Kartoffeln angebaut werden. Jetzt, im September, sind die Felder abgeerntet, statt dessen versammeln sich zu dieser Zeit hunderte von Kranichen dort. Auch streng geschützte Kammmolche soll es hier geben. Doch mit der Idylle könnte es bald vorbei sein, da der Eigentümer eines Großteils der Flächen, ein Bauer aus dem niedersächsischen Emsland, hier mit Hilfe eines holländischen Investors eine gigantische Legehennenanlage errichten will. 150.000 Hühner sollen dann hier auf einer Fläche von 65 ha um ihr Leben scharren und Eier produzieren, bis sie zum Dank für diese Leistung als Suppenhuhn enden. Bei der geplanten Anlage soll es sich um eine Freilandhaltung handeln: Die Tiere sollen dem Plan nach in zwei Ställen untergebracht werden, wobei sie eine Freilaufmöglichkeit haben. Allerdings liegt es nicht gerade in der Natur unserer Haushühner, sich hunderte Meter vom zwar engen, aber schützenden Stall zu entfernen. Der Grund hierfür ist wohl u. a. die Angst vor Greifvögeln, wie dem Habicht.

Viele Einwohner aus dem Ort und der Umgebung sind gegen diese völlig überdimensionierte und überflüssige Anlage, die „Hühnermast statt Kranichfeld“ bedeuten würde und „Geld ins Emsland und Scheiße hier“ bringt. Auch dem Märchen von den Arbeitsplätzen glauben immer weniger.

Der Bürgermeister wird die Änderung des Flächennutzungsplans beantragen. Es hat sich die Bürgerinitiative „Kein Hühnerland am Boddenstrand“ gegründet, aus der inzwischen ein Verein mit 50 Mitgliedern entstanden ist. Es werden Protestplakate verteilt, Unterschriften und Spenden gesammelt, von denen ein Rechtsanwalt bezahlt werden soll. Zu befürchten wären z. B.: Lärm, Gestank, Bodenerosion, Übertragung von Krankheiten, Wertverlust der Immobilien und ein hohes Verkehrsaufkommen für den Abtransport von bis zu 150.000 Eiern pro Tag und 7.500 Tonnen Hühnerkot pro Jahr. Auch auf den Tourismus dürfte sich eine solche Anlage extrem negativ auswirken. Niemand braucht außerdem Massentierhaltung und die damit verbundene Tierquälerei!

Im September erwartet das Amt für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern in Greifswald die detaillierten Papiere des Antragstellers. Nach deren Prüfung wird das Raumordnungsverfahren beginnen, an welchem alle Träger öffentlicher Belange, auch die Bürgerinitiative, beteiligt werden sollen.

Kontakt: http://www.huhnfrei.de

Bild: Ein grauer Giebel ohne Verzierungen erstreckt sich in das blau des Himmels. Links und rechts neben dem Giebel ein rot leuchtendes Satteldach.
Bild: Schloss Ludwigsburg
Bild: Ein Kanal, gesäumt von bunten Motor- und Ruderbooten bildet den Ludwigsburger Hafen. Links vom Kanal erstreckt sich eine satt grüne Wiese, an die ein Schilfgürtel angrenzt. In weiter Ferner erkennt man die Silouette Greifswalds.
Bild: Der Hafen von Ludwigsburg
Bild: Das Wasser schneidet sich sichelförmig von links in den schmalen Naturstrand. In weiter Ferner einige Bäume und strahlend blauer Himmel.
Bild: Naturstrand Ludwigsburg

Landwende in M-V?

„Herbizid Clomazone verbieten!

Nach 2001 und 2003, 2004 und 2007 hatte im August dieses Jahres erneut ein Dorf in der Nähe der Insel Usedom in Vorpommern unter den Folgen eines Clomazone-haltigen Herbizids zu leiden. Der Wirkstoff Clomazone unterbindet die Chlorophyll-Bildung in Pflanzen. Das Herbizid wird auf frisch eingesäten Rapsfeldern ausgebracht, um bestimmte Kräuter vor der Keimung der Rapspflanzen zu bekämpfen.

Bereits im Jahr 2001 gab es in Mecklenburg-Vorpommern über 50 Fälle, in denen ökologisch wirtschaftende Betriebe und Privatgärten durch Clomazone geschädigt wurden. Das Mittel verbreitete sich zum Teil über Hunderte von Metern in der Landschaft und färbte auf den Biofeldern die Pflanzen weiß. Die erste Ernte des damals neu gegründeten Betriebs Kräutergarten Pommerland eG wurde auf diese Weise vernichtet. Aktive Bürgerinnen und Bürger aus der Region Lassaner Winkel gründeten seinerzeit die Bürgerinitiative „Landwende“ und brachten die Fälle in die Öffentlichkeit, was zu schweren örtlichen Auseinandersetzungen führte. Immerhin bestand die Zulassungsbehörde auf einer Umformulierung des Mittels.

Dennoch wiederholte sich das Schadensbild im Jahr 2004 in gleichem Ausmaß. 2003 und 2007 wurden ähnliche Auswirkungen, doch in geringerem Umfang festgestellt.

Nun, 10 Jahre nach der ersten Havarie, ist ein Endpunkt erreicht: Nachdem das Clomazone-haltige Mittel Colzor Trio der Firma Syngenta am 21. August in der Nähe der Ortschaft Klein Jasedow gespritzt worden war, färbten sich Vogelmiere, Giersch, Kerbel, Salat-Saat, Rosentriebe, Brombeer- und Himbeerblätter und weitere Pflanzen, die noch junge Triebe hervorbringen, weiß. Einwohner litten, wie jedes Mal, wenn ein derartiges Herbizid versprüht wurde, tagelang unter Atemwegsbeschwerden, Kreislaufbeschwerden, Übelkeit und depressiver Stimmung.

Die Bürgerinnen und Bürger des am meisten betroffenen Dorfs Klein Jasedow wandten sich an das Landwirtschaftsministerium, das Gesundheitsamt, das Landespflanzenschutzamt und die Naturschutzbehörden. Anders als in den früheren Jahren wurden diesmal die Beschwerden ernstgenommen. Der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, wandte sich mit einem Brief an die Bundesministerin Ilse Aigner und forderte sie auf, eine erneute Prüfung des Mittels zu veranlassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erließ eine „Ruhensanordnung“, die die weitere Anwendung Clomazone-haltiger Mittel bis auf weiteres untersagt.

Helfen Sie mit, das Herbizid Clomazone verbieten zu lassen

Das ist ein großer Erfolg für zivilgesellschaftliches Engagement! Allerdings erst ein Teilerfolg. Clomazone – ein Stoff, dessen Gesundheitsverträglichkeit für Menschen nie unter den realen Bedingungen in direkter Nachbarschaft zu großflächigem agrarindustriellem Anbau untersucht worden ist, muss EU-weit aus den Herbiziden verschwinden. Das Problem: Mecklenburg-Vorpommern ist bisher das einzige Bundesland, in dem eine Sensibilität der Einwohner für Schadensauswirkungen von Clomazone zu verzeichnen ist. Um die Position von Mecklenburg-Vorpommern in dieser Sache zu stärken, ist es nun wichtig, dass Betroffene in den übrigen Bundesländern aufmerksam ihre Gärten und Felder beobachten und entsprechende Schäden melden.

Wurde in Ihrer Nähe Raps ausgesät und unmittelbar danach gespritzt? Entdecken Sie helle Verfärbungen an sogenannten Zeigerpflanzen wie Vogelmiere, Melde, Brombeeren, Himbeeren, langen Blattgräsern, Rosengewächsen und jungen Pappeln? Auch frische Löwenzahntriebe und Brennnesseln zeigen Verfärbungen. Wie weit ziehen sich diese weiß gewordenen Pflanzen in umliegenden Gärten oder öffentliche Plätze?

Wenn Sie Schäden dieser Art entdecken:

* Rufen sie das zuständige Pflanzenschutzamt an und bitten Sie umgehend um einen Ortstermin zur Aufnahme des Schadensbilds. Melden Sie den Schaden dem Landwirtschaftsministerium. Berichten Sie von den bekannten Fällen in Mecklenburg-Vorpommern und ermuntern Sie die Beamten, beim Minister für ein Verbot von Clomazone zu plädieren.

* Informieren Sie Biobauern in Ihrer Umgebung und fragen Sie, ob sich diese in der Vergangenheit an weiß gefärbte Kräuter wie z.B. Vogelmiere im Spätsommer erinnern. Bitten Sie die Ökobetriebe, bei solchen Fällen Beschwerde beim Pflanzenschutzamt und Landwirtschaftsministerium einzulegen.

* Wenn Sie selbst von Clomazone-Schäden betroffen sind: Bringen Sie in Erfahrung, wann das Mittel ausgebracht wurde und dokumentieren Sie eventuelle Gesundheitsbeschwerden von Ihnen und Ihren Nachbarn in der fraglichen Zeit (ca. 10 bis 14 Tage nach Ausbringen des Mittels.). Setzen Sie sich deswegen mit Ihrem Hausarzt und den Gesundheitsämtern in Verbindung. Es ist wichtig, den Arzt aufzusuchen, denn die vermeintliche leichte Spätsommergrippe könnte eine Auswirkung des Spritzmittels sein. Da die Gesundheitsbeschwerden als „unspezifisch“ gelten, kann nur über dokumentierte Arztbesuche eine zeitliche Übereinstimmung mit dem Ausbringen der Chemikalie festgestellt werden.

Für die Kommunikation vor Ort ist wichtig zu verstehen, der örtliche Landwirt in der Regel keine Schuld an der Abdrift des Mittels trägt. In den allermeisten Fällen wird es entsprechend den technischen Vorschriften und „nach guter fachlicher Praxis“ angewendet. Die Abdrift ist Ergebnis der chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs Clomazone, das einen hohen Gasdruck bereits bei relativ niedrigen Temperaturen aufweist. Das Problem sind also nicht unmittelbar die Landwirte, sondern die Herstellerfirmen und allen voran die Zulassungsbehörden.

Besorgte Bürgerinnen und Bürger in allen Bundesländern können jetzt dazu beitragen, Clomazone aus unserer Umwelt verschwinden zu lassen. Diese Nachricht sollte in so viele Netzwerke wie möglich weitergeleitet werden. Auf www.landwende.de werden wir Sie auf dem Laufenden halten.

http://www.landwende.de/

Mittlerweile ist der Stand, dass die Zulassung ruht, die Hersteller aber Widerspruch eingelegt haben. Dieser Widerspruch hat aufschiebende Wirkung,

das Mittel kann derzeit also weiter eingesetzt werden.“