Königsstuhl

Nationalparkzentrum Königsstuhl

„Dieses Licht, diese Farben, wenn sich der Sonnenball über den Horizont schiebt und die Kreide zum Leuchten bringt. Die Kreidefelsen von Jasmund – Maler, Dichter und Komponisten ließen sich von der wilden Schönheit dieser Küste inspirieren.

Kreide – fest gewordenes Leben, aufgebaut aus den kleinsten Fossilien der Erde, 70 Millionen Jahre alt, Erinnerung an ein warmes Meer und seine Bewohner.

Randlos liegt das Meer zwischen den Bäumen. Bäume – vom Sturm geformt, jeder einzelne ein Individuum.

Die Buchenwälder der Stubnitz – Zeitzeugen von Jahrhunderten, eines Tages wird hier wieder Urwald sein, unberühert und wild.

Nicht Eingreifen, das ist der Gedanke des Nationalparks. Umgestürzte Bäume – neue Lebensräume. Nationalpark Jasmund – damit Natur, Natur bleiben kann.“

Im Multivisionskino kann man mittels Projektionen auf 4 Leinwänden und einer etwas kitschig anmutenden Dokumentation die Schönheit des Jasmund-Nationalparks bei jeder Tages- und in jeder Jahreszeit in Bild und Ton erleben und sich von einer scheinbar heilen Welt einlullen lassen. Beeindruckend ist dieser kleinste Nationalpark Deutschlands mit seinem Areal unberüherter Natur, welche als Weltnaturerbe nominiert worden ist, alle mal.

Betritt man nun die interaktive Erlebnisausstellung, hat man zunächst die Qual der Wahl bei den Kopfhörern: Möchte man nun den Text für „Abenteuer“, „Neugier“ oder den für „Schönheit“ darüber empfangen? Für Kinder gibt es eine Extraausgabe. Wir bekommen noch einen Empfänger um den Hals gehängt, mit leider nicht so gut fühlbaren Tasten und dann geht es in einer großen Gruppe los. Man hat sich hier bei der Textübermittlung für Guideports von Sennheiser entschieden. Bei diesem System werden die Sprachinformationen ausgelöst, wenn man auf einem bestimmten Punkt im Raum steht. Hier sind es orange Kreise. Es gibt auch Leuchtsäulen, auf denen man einen Gegenstand drücken muß, z.B. einen Feuerstein oder eine große Muschel, um die Übermittlung der Informationen auszulösen. Die Sprache ist gut verständlich, musikalisch untermalt und von teilweise beeindruckenden Naturgeräuschen begleitet. Die Ausstellung spricht tatsächlich alle Sinne an und wirkt sehr lebendig. Allerdings hat man das Gefühl, daß bei dem Konzept weder an Sehbehinderte noch an Blinde gedacht worden ist. Das Angebot, eine Begleitperson zu stellen, soll dieses Defizit wohl wieder ausgleichen. Trotzdem gibt es auch für unsereins viel zu entdecken und zu erleben, wie z.B. Vogelstimmen und Froschlaute auf Knopfdruck, einen nachgeahmten Eisgletscher zum anfassen sowie Schwarzlichtlampen zum Sichtbarmachen eines nachgestellten Erdreichs und Schaukästen, die auf Knopfdruck erleuchtet werden.
Führhunde sind erlaubt und lösen ihrerseits so manche Information aus.

Lohnenswert sind außerdem ein Besuch auf dem 118m hohen, benachbarten Königsstuhlfelsen und eine Wanderung durch den Buchenwald. Das Königsstuhl-Nationalparkzentrum ist sehr gut mit dem Bus von Sassnitz aus erreichbar. Mit ein wenig Glück findet man sogar den Leitstreifen, der kurz nach dem Bahnhof Sassnitz beginnt und einen zum blindengerecht ausgebauten ZOB leitet. In den Bussen werden die Haltestellen durch eine Kinderstimme angesagt.

Foto: Ein Blick vom Königsstuhl, links im Bild ein Teil des Kreidefelsens mit viel Grün. In der Ferne leuchtet die blaue Ostsee.
Blick vom Königsstuhl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.