Husum – Nordseemuseum – Hallig Hooge

Kurzurlaub an der Nordsee vom 29.08. bis zum 02.09.2010

Husum

Wir hatten uns im Internet nach einer hundefreundlichen Unterkunft in Husum umgeschaut und schließlich ein kleines Ferienhaus am Rand der Innenstadt, im Treibweg, gebucht. Zum Glück holte uns der Vermieter mit seinem Auto vom Husumer Bahnhof ab, so dass wir nicht mit Sack und Pack durch die Straßen irren mussten.

Mit seinen ca. 22 Tausend Einwohnern ist die angeblich „graue Stadt am Meer“ relativ übersichtlich und auch nicht eintönig grau! So brauchten wir nicht lange um uns ein wenig zu orientieren. Dazu dienten uns z. B. der Wasserturm, der direkt an einer Hauptstraße steht und das Torhaus am Schlossparkrand.

Besonders gefallen hat uns der nahegelegene Schlosspark, die gemütliche Fußgängerzone, der Marktplatz mit Tine-Brunnen und Marienkirche sowie die Flaniermeile am Binnenhafen mit Souveniershops und Fischrestaurants.

Besonders spannend fanden wir das Schlosscafè, wo man teilweise von hörbehinderten Azubis bedient wird, welche im Berufsbildungswerk in Husum zur Hauswirtschaftlerin bzw. zur Fachkraft für Gastgewerbe ausgebildet werden.

Mit Hilfe eines Fußgängernavigationsgerätes mit „open street map“ und Leselupe fanden wir die kleine Badestelle, die sich reichlich 3 km entfernt vom Binnenhafen befindet und wo es sogar einen Hundestrand gibt. Nach diesem führt ein Fußweg ein paar Meter von der Küste entfernt durch Schafweiden hindurch, welcher allerdings nicht gerade barfuß benutzt werden sollte! Hinter dem Deich gibt es einen Radweg.

Einige Sehenswürdigkeiten konnten wir nicht aufspüren, so haben wir das Theodor-Storm-Haus vergeblich gesucht. Leider waren die Mitarbeiterinnen der Touristinformation nicht gerade eine Hilfe, da ihre Aufgabe nur darin zu bestehen schien, Broschüren auszugeben.

Auf dem Bahnhof wurden auf den Bahnsteigen ein paar Rillenplatten als Leitlinie verlegt. Weiter hinten gibt es dann nur noch einen weißen Strich. Die Verkehrsflächen von Husum sind nicht als besonders blindenfreundlich zu bezeichnen, in den Bussen gibt es auch keine Ansage der nächsten Haltestelle.

Foto: Badestelle in Husum, links ein Strandkorb auf einer grünen Wiese und dahinter das Wattenmeer bei Ebbe.
Foto: Badestrand in Husum

Nordseemuseum „Nissenhaus“

Nur etwa 500 m entfernt vom Marktplatz befindet sich das Nordseemuseum, ein großer, u-förmiger Backsteinbau. Ein Grund dafür warum wir überhaupt ein paar Tage in Husum verbringen wollten, war, dass wir unbedingt die „Tag it guides“ der Firma Dräger&Lienert erleben wollten, welche hier zum Einsatz kommen um Informationen für seheingeschränkte Besucher zugänglich zu machen. Auf der Webseite von Andersicht e. V. hatten wir uns bereits alle verfügbaren Informationen herumtergeladen und waren somit bestens vorbereitet.

An der Museumskasse hängten wir uns voller Vorfreude jeder einen großen Brustbeutel um den Hals. Unter dem samtigen, blauen Stoff befindet sich ein Minicomputer, woran ein Lesestift und die beiden, separat nutzbaren Ohrhörer zum einhängen angeschlossen sind. Vorne auf der Tasche befinden sich 3 tastbare Symbole, worüber man mit Hilfe des Lesestiftes z. B. Informationen über die Bedienung des Gerätes abrufen kann. Wir hatten den Eindruck dass die Angestellten, welche uns die Audioguides betriebsbereit machten und übergaben, ein wenig überfordert mit der ganzen Technik waren. So waren die Ohrhörer nicht immer richtig eingestöpselt und ein Akku machte nach 2 Stunden schlapp.

Die runden, blauen und mit weiß umrahmten Tags, welche sich zumeist an den Wänden bzw. neben Infotafeln befinden, müssen nur kurz mit dem Lesestift fast berühert werden und schon erhält man zunächst einen akustischen Überblick über den Raum oder die dort gezeigten Exponate bzw. Schautafeln oder Modelle. Zum Vertiefen dieser Informationen berühert man die Tags ein zweites oder sogar ein drittes mal. Ganz besonders bemerkenswert war der untere Tag, welcher Informationen zum Auffinden des nächsten Tags gibt. Darauf befindliche Pfeile geben zusätzlich die Richtung an. Die Beschreibungen sind ausgesprochen detailiert und bildhaft, eben speziell für blinde Personen gemacht. Wir waren restlos begeistert! Aber auch ansonsten hat dieses Museum sehr viel zu bieten: Hörmuscheln, Kurzfilme, einiges zum Mitmachen und zahllose Modelle, die alle mit den Händen erkundet werden dürfen.

Im Obergeschoss hängen auf Leinwände aufgebrachte Fotodrucke und Gemälde mit Nordseemotiven, die sehr groß und ausgesprochen farbenfroh sind, so dass sie auch von hochgradig sehbehinderten Besuchern gut wahrgenommen werden können. Die Ausstellungsinhalte sind u. a.: die versunkene Siedlung Rungholt; Deichbau und Küstenschutz; Naturgewalten; Wohn- und Lebenskultur in Nordfriesland; Halligleben; Chancen, die die Nordseeküste bietet; Naturkunde; Ludwig Nissen und der Bildhauer Adolf Brütt.

Allerdings ist das Museum so groß und die Ausstellungen so umfangreich, dass wir nach 2,5 Stunden gerade mal eine der 3 Etagen geschafft hatten und uns erstmal ein Päuschen gönnten.

Modell eines Geesthardenhauses, das im linken Teil das Bildes ein mit Reet gedecktes Dach, das rote Mauerwerk sowie grüne Türen zeigt. Rechts ist der Dachstuhl offen und lässt einen Blick in das Innere des Hauses zu. Links vor dem Modell befinden sich die Tags.
Foto: Modell eines Geesthardenhauses

Hallig Hooge

Selbstverständlich wollten wir auch unbedingt die Insel besuchen, für die (ebenfalls unter Mitwirkung des Andersicht e. V.) ein Audioführer im Daisy-Format produziert worden ist. Wir luden diesen ebenfalls auf deren Internetpräsens herunter. Wir hatten ihn uns schon vor diesem Trip angehört und uns aus der Vielzahl der Informationen herausgesucht, was wir gerne sehen wollten. Auch vor Ort holte ich das Abspielgerät hin und wieder hervor, um Auskünfte zu einer bestimmten Warft zu erhalten. Die Aufsprachen sind sehr ausführlich gestaltet und geben genaue Informationen über sämtliche Häuser und Wege. Zusätzlich kann man noch Reliefkartenmaterial erwerben, was wir aber nicht taten.

Von Husum aus kommt man bequem mit dem Linienbus nach Nordstrand, wo die Fähre nach Sylt über Amrum und Hooge zeitlich abgestimmt mit dem Busankunfts- und Abfahrtszeiten verkehrt.

Nach ca. einer Stunde legten wir in Hooge an und liefen gleich den einzigen Weg hinunter in Richtung der ersten Warft (künstlich aufgeschütteter Wohnhügel). Von diesem zweigt ein unscheinbarer Pfad nach links zum Deich ab in den Naturerlebnisraum, wo sich z. B. der Windstein befindet.

Da der Inselverkehr hauptsächlich aus ein paar Pferdekutschen zu bestehen schien, liehen wir uns auf der ersten Warft ein recht altertümliches aber funktionstüchtiges Tandem aus. Darüber waren wir froh, da die Strecken zwischen den einzelnen Warften doch einige hundert Meter lang sind und wir nur 3 Stunden zur Verfügung hatten. Auch die Warften ansich sind nicht gerade klein, die größte misst immerhin 180 x 200m.

Von allem was wir uns vorgenommen hatten, schafften wir dann trotzdem nur einen kleinen Teil, die niedliche Kirche auf der Kirchwarft sowie hier und da ein paar hübsche Häuser. Leider durchkreuzte unser Hund den Plan, die interessante Hanswarft mit Sturmflutmuseum und all ihren anderen Sehenswürdigkeiten zu besuchen, da er beschloss, inklusive Leine ein Moorbad zu nehmen. Um ihn wieder fährentauglich zu bekommen, mussten wir nun erst einmal einen Priel (natürlicher Wasserlauf) aufsuchen.

Zwischen den Warften, die sicher aus der Vogelperspektive wie Maulwurfshügel auf einer Wiese aussehen, befinden sich Weiden, von Prielen durchzogene Wiesen und an der Küste auch Salzwiesen, welche gerade rot blühten.

Leider war unsere Zeit viel zu kurz, so dass wir nun einen weiteren Besuch auf der „Perle der Halligen“ planen.

Foto: die Kirchwarft, links im Bild der typische Erdhügel und die Kirche, mit einem weißen Zaun davor. Rechts davon ein Kanal, der zu einem Wehr führt, in dem sich die Wolken spiegeln. Im vorderen Bereich des Bildes ein verschnörkeltes Schild mit der Aufschrift "Kirchwarft"
Foto: Die Kirchwarft

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