Stralsunder Kirchen als Tastmodelle

Von Februar 2007 bis Herbst 2008 wurde das vom Kreisdiakonischen Werk Stralsund konzipierte Projekt „Stralsund blind verstehen“ betrieben. Mit dessen Verwirklichung waren durchgängig ca. 100 langzeitarbeitslose Frauen und Männer beschäftigt. Unterstützt wurde es durch die Hansestadt Stralsund, die Agentur für Arbeit, das Arbeitsministerium MV und private Spender. Die Erlebnisausstellung befand sich in der Wolfgang-Heinze-Schule. Dazu gehörte eine Dunkelausstellung, in der sehende Besucher in die Rolle von nicht sehenden Menschen schlüpfen und die Stralsunder Innenstadt unter fachkundiger Führung mit den verbliebenen Sinnen erleben konnten. Außerdem gehörte die Hanseausstellung zum Projekt, wo in Braille- und Schwarzschrift die Geschichte von Stralsund erzählt wurde. Hierzu gehörten Tastmodelle von Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie Kirchen und Giebelhäuser.

Wir haben uns auf die Spuren von „Stralsund blind verstehen“ begeben, um herauszufinden, was daraus geworden ist und wo diese Tastmodelle geblieben sind. Unsere Anfrage bei der Touristinformation brachte nur das Ergebnis, dass wir zu einer Modellausstellung geschickt wurden, wo allerdings das meiste in Vitrinen versteckt ist und der Rest nicht berührt werden darf. Erst ein Tip eines blinden Einwohners brachte uns dazu, uns mal in den 4 Kirchen der Stadt umzusehen. Und tatsächlich, da standen sie: originalgetreue Tastmodelle, vorwiegend aus Holz und Metall gefertigt, im Maßstab 1:125, ein jedes aufgestellt im dazugehörigen Originalbauwerk. Also statteten wir der Nikolai-, der Heilgeist-, der Marien- und der Jacobikirche einen Besuch ab und wurden jedesmal fündig. Natürlich haben wir diese Entdeckung umgehend den Angestellten der Touristinformation mitgeteilt, die ganz überrascht waren. Leider sieht es momentan nicht nach einer Fortsetzung von „Stralsund blind verstehen“ aus, da angeblich die Räumlichkeiten fehlen. Aber vielleicht passiert ja noch ein Wunder.

Foto: Tastmodell St. Nikolai. Es zeigt die zwei imposanten Türme, die das mittlere Kirchenschiff einfassen. Der rechte Turm besitzt eine Turmspitze, die den Wetterhahn trägt. Der linke Turm hingegen ist abgeflacht. Das Modell zeigt das Backsteinmauerwerk und das kupferfarbene Dach.
Foto: Tastmodell St. Nikolai

Foto: Tastmodell der Heilgeistkirche. Das Foto zeigt die Heilgeistkirche von schräg von vorn, so dass die linke Seite der Kirche ebenfalls vollständig zu sehen ist. Das detaillierte Modell zeigt die Mauersteine sowie die Dachziegel dieser eher kleinen Kirche sehr deutlich.
Foto: Tastmodell Heilgeistkirche

Foto: Tastmodell der St. Marienkirche von schräg hinten aufgenommen, so dass eine komplette Seite der Kirche mit dem aufwendigen Dach zu sehen ist. Die Mauern der Kirche sind rot und das Dach nebst der Turmspitzen bronze.
Foto: Tastmodell St. Marienkirche

Besucheradresse:
Jacobikirche: Jacobiturmstraße, 18439 Stralsund
Nikolaikriche: Alter Markt, 18439 Stralsund
St. Marienkirche: Marienstraße 4, 18439 Stralsund
Heilgeistkirche: Wasserstraße, 18439 Stralsund

Internet:Tourismuszentrale der Hansestadt Stralsund

Ein Gedanke zu „Stralsunder Kirchen als Tastmodelle“

  1. Hallo Ihr fleißigen Ostsee-Spezialisten!
    Es gab in Stralsund auch einmal ein Projekt der Tourismuszentrale. Jana, ich glaube, Du warst damals im April 2008 selbst in der Testergruppe für das Paketangebot, was sich besonders an blinde Besucher richtete. Das Projekt wurde auch im Rahmen der ITB vorgestellt.
    Dass dies inzwischen so gründlich vergessen ist, dass die Mitarbeiterinnen der Touristinformation nicht mal mehr zu einer Auskunft fähig sind, das ist schon schlimm und sollte der Chefin mal signalisiert werden.
    Den Todesstoß hat dem Ganzen wohl die zu geringe Nachfrage gegeben. Um so begrüßenswerter ist es, dass Ihr das noch heute Nutzbare, die Tastmodelle wieder ins Gespräch bringt.
    Ich hatte damals auch ein höchst beeindruckendes, gewaltiges Modell des Katharinenklosters unter den Fingern. Mich würde interessieren, wo das geblieben ist.
    Macht weiter so!
    Jürgen

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