Die Zukunft der Ostsee

Die Ostsee hat verschiedene Namen: Hier, in Mecklenburg Vorpommern, nennt man sie einfach nur „die See“, in anderen Bundesländern ist sie „das Meer“. Die internationale Bezeichnung ist Baltisches Meer bzw. Baltic Sea. Die Ostsee ist tatsächlich ein Binnenmeer und das größte Brackwassermeer der Erde. Sie verläuft von der Flensburger Förde im Westen, über den Bottnischen Meerbusen im Norden, zum östlichsten Punkt bei Sankt Petersburg bis zum Stettiner Haff im Süden. Die Anrainerstaaten sind: Deutschland, Dänemark, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland und Schweden. Zahllose Flüsse münden in die Ostsee, die größten von ihnen sind: Oder, Weichsel, Memel, Düna, Newa und die Torneälven. Die Ostsee ist bis zu 459 m tief und besitzt eine Durchschnittstiefe von 52 m. Sie ist, im Gegensatz zur Nordsee, sauerstoff- und artenarm und deshalb auf Wasseraustausch mit dieser angewiesen. Für den Wasser- und Sauerstoffaustausch in den Tiefwassergebieten der Ostsee sind Sturmfluten wichtig, wobei Nordseewasser und das darin enthaltene Salz über die Beltsee in die Ostsee gelangt. Diese Ereignisse werden immer seltener. Das Resultat ist ein Sauerstoffmangel in der Ostsee, welcher zum Absterben von Organismen und dadurch auch von Fischeiern und -larven führt. Doch nicht nur fehlender Wasseraustausch verursacht Sauerstoffmangel, auch Einleitungen von Abwässern tragen zum Sterben der Ostsee bei. Dazu gehören vor allem Rückstände aus Land- und Tierwirtschaft, aus Überdüngung der Felder mit Stickstoff zur Ertragssteigerung und Amoniak aus den immer größer werdenden Tierfabriken. Schwedische Experten sind auf dem Grund der Ostsee auf immer mehr tote Böden gestoßen. Auch die aus der Verunreinigung resultierende Blaualgenblüte, welche auch im letzten Sommer wieder zahlreiche Strände vor allem die der Ferieninsel Usedom und des Greifswalder Boddens verunreinigt hat, trägt zur Verschlechterung der Lebensbedingungen im Wasser bei. Die Blaualgen sind außerdem gesundheitsgefährdent für Mensch und Tier.

Am 14.12.2011 präsentierten Ostseeforscher in Rostock/Warnemünde das Ergebnis ihrer dreijährigen Forschung zur Zukunft der Ostsee vor Vertretern der Umweltbehörden:

„Sollte der Fleischverzehr der Bevölkerung in den Ostseeanrainerstaaten weiter so ansteigen, wie es derzeit prognostiziert wird, rücken die Ziele der Umweltpolitik, so wie sie im Ostsee Aktionsplan festgelegt sind, in weite Ferne.

Dies ist nur ein Ergebnis des europäischen Projektes AMBER, in dem WissenschaftlerInnen aus zehn Forschungseinrichtungen der Frage nachgegangen sind, ob und, wenn ja, wie sich der Klimawandel einerseits und die anhaltende Überdüngung andererseits, in ihrer Kombination auf das Ökosystem Ostsee auswirken.

Die Forscher gingen in einem dreifachen Ansatz vor:

  • Mithilfe der Analyse historischer Langzeitdaten wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Vorhersagbarkeit von Veränderungen des Ökosystems ausgelotet.
  • Gekoppelte Klimamodelle und Landnutzungsmodelle errechneten Szenarien
    zukünftiger Umweltzustände.
  • Gezielte Messkampagnen widmeten sich dem Einfluss der Überdüngung auf
    die Küstengewässer im Lichte des Klimawandels.

Am Mittwoch, den 14. Dezember 2011 stellten die an AMBER beteiligten WissenschaftlerInnen ab 10 Uhr ihre Ergebnisse im Rahmen eines Workshops im Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde einem geladenen Publikum aus Journalisten, Vertretern der Umweltbehörden, Interessensverbänden der Fischerei- und Landwirtschaft sowie Ingenieurbüros vor. Am Nachmittag, ab 14:15 Uhr, wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Frage „Wie kommen wissenschaftliche Erkenntnisse zur Politik?“ nachgegangen.“
Quelle: IOW-Presseerklärung vom 13.12.2011

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