Genehmigte Erdölsuche in der Ostsee

Der NABU Kreisverband Greifswald, hat ein Positionspapier verfasst, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wichtig der Schutz der Ostsee vor der Erdölförderung durch die CEP GmbH ist. Positionierung des NABU Kreisverbandes Greifswald zu den vom Bergamt Stralsund erteilten Erlaubnissen der Central European Petroleum Ltd. (CEP GmbH) zur Aufsuchung des bergfreien Bodenschatzes Kohlenwasserstoff nebst den bei ihrer Gewinnung anfallenden Gasen in den Feldern Plantagenetgrund, Ribnitz und Oderbank. Im Folgenden beziehen wir Position zu o. g. Sachverhalt: Am 17.04.2012 erhielt der NABU Kreisverband Greifswald beim Bergamt Stralsund Einsicht in die Akten der CEP GmbH, welche die Felder Oderbank KW, Ribnitz KW und Plantagenetgrund KW betreffen. In den uns vorliegenden 3 Ordnern befanden sich hauptsächlich
die Anträge der CEP GmbH zur Aufsucherlaubnis in o. g. Feldern, die Aufsucherlaubnisse des Bergamtes Stralsund und die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, welche bei der Entscheidungsfindung eingebunden waren. Aus letzteren geht hervor, dass viele Behörden hinsichtlich des Umweltschutzes, der Trinkwasserversorgung, des Tourismus bzw. der Fischerei und Seeschifffahrt den Plänen der CEP GmbH sehr kritisch gegenüber stehen. Naturschutzverbände waren nicht beteiligt worden. Etlichen Behörden waren die eingereichten Unterlagen der Antragstellerin nicht aussagekräftig genug und die geplanten Aufsuchungsfelder im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu groß, um eine Entscheidung treffen zu können. Die Behörden wiesen in ihren Stellungnahmen u. a. auf die Überlagerung der Aufsuchungsfelder mit wertvollen Naturschutzgebieten, Gebieten der Natura 2000 (FFH – und Vogelschutzgebiete) sowie geschützten Biotopen im Bereich des Festlandsockels und des Küstenmeeres hin. Eine Fauna-Flora-Habitat- (FFH) Betrachtung wird empfohlen. Außerdem wurde das Bergamt auf die negative Wirkung von seismischen Untersuchungen auf Gesundheit und Leben der Meerestiere und der streng geschützten Meeressäuger, wie den von Aussterben bedrohten Ostseeschweinswalen, hingewiesen. Industrielle Aktivitäten führen, neben dem Schiffsverkehr, zur immer weiter zunehmenden Verlärmung der Küstengewässer. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung für schallsensible Meeressäuger, aber auch für Fische und wirbellose Tiere, dar. Direkt betroffen von der Aufsucherlaubnis sind nach unserem Kenntnisstand u. a. in der AWZ die FFH-Gebiete Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank und die Kadetrinne sowie das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht, innerhalb der 12-Seemeilenzone die FFH-Gebiete Greifswalder Boddenrandschwelle mit Teilen der Pommerschen Bucht, Darßer Schwelle und Plantagenetgrund, Recknitz Ästuar und Halbinsel Zingst, Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff, sowie u.a. die Vogelschutzgebiete Plantagenetgrund, die Vorpommersche Boddenlandschaft und nördlicher Strelasund, das Gebiet Westlich Pommersche Bucht, der Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund, Peenestrom und Achterwasser sowie das Kleine Haff. 1992 verabschiedete die europäische Union (EU) die FFH-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere, um das andauernde Artensterben zu beenden. Die Mitgliedstaaten verpflichteten sich, den „günstigen Erhaltungszustand“ von wild lebenden Arten wieder herzustellen und dauerhaft zu sichern. Die Schutzgebiete sind das wichtigste Instrument der Richtlinie. Diese bilden, gemeinsam mit denen nach der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1997 entstandenen Schutzgebieten, ein Netz geschützter Lebensräume. In diesen dürfen die festgesetzten ökologischen Erhaltungsziele nicht gefährdet werden. Es besteht ein Verschlechterungsverbot. Informationen zu den Schutzgebieten innerhalb bzw. neben den Aufsuchungsfeldern Im Feld Plantagenetgrund leben die FFH-Arten Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal. Die Felder Plantagenetgrund mit Darßer Schwelle betreffen den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaftmit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, welche bei Urlaubern, die schöne Natur zu schätzen wissen, sehr beliebt ist. Der wild-romantische Weststrand gehört laut Arte zu den 20 schönsten Stränden der Welt. Der Nordstrand vom Ostseebad Prerow ist ein echter Traumstrand und wurde bereits mehrmals mit der blauen Flagge für einen hohen Umweltstandart und eine besonders hohe Wasserqualität ausgezeichnet. Zingst ist ein quirliges Ostseebad. Pramort dient mehr als 30 verschiedenen Wattvogelarten, vor allem Kranichen, als Rast- und Brutplatz. Es ist unvorstellbar, dass bald Bohrtürme den Blick auf die Ostsee trüben sollen. Zum Feld Ribnitz gehört u. a. der Fluss Recknitz, welcher bei Ribnitz-Damgarten in den Saaler Bodden mündet. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Programms Natura 2000 eine Vielzahl von Renaturierungsmaßnahmen vollzogen. Dadurch wird die Landschaft, auch für den Kanu-Tourismus, attraktiver. Außerdem wächst die Recknitz dadurch in manchen Gebieten zu einer Sumpf- und Schilfwildnis zu, was die Vorraussetzungen für ein Vogelschutzgebiet sind. Etliche Landschafts- und Naturschutzgebiete sind in ihrem Verlauf ausgewiesen. Der Adlergrund gehört zum Naturschutzgebiet Pommersche Bucht und ist ein Naturschutzgebiet des Bundes. Er dient nachweislich durchziehenden Kegelrobben und Schweinswalen als Nahrungsgrund. Die Kadetrinne weißt ein besonders hohes Aufkommen an auf der Roten Liste verzeichneten Meerestieren auf. Schweinswale kommen hier nachweislich regelmäßig vor. Die Oderbank ist ein Schutzgebiet, welches die südliche Hälfte der Pommerschen Bucht umfasst. Es handelt sich um eine Sandbank, welche einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche geschützte Tiere darstellt. Dazu zählen u. a. Muscheln, Flohkrebse, Jungfische, Vögel, Steinbutt, Scholle, Ostseeschnäpel, Finten, Stör und Schweinswale. Der Greifswalder Bodden erstreckt sich zwischen Südost Rügen im Norden, dem Festland im Süden und Westen, Usedom im Südosten, im Westen bildet der Strelasund einen weiteren Zugang zur Ostsee. Beispielsweise ragt die Halbinsel Mönchgut in den Greifswalder Bodden hinein. Sie gehört teilweise zum Biosphärenreservat Südost Rügen und steht zum Großteil unter Naturschutz. Darauf liegen die berühmten Ostseebäder Göhren und Baabe sowie der beliebte Urlauberort Thiessow. Ebenfalls im Greifswalder Bodden liegt die Insel Vilm, welche seit 1936 Naturschutzgebiet ist. Sie ist Europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet und für sanften Tourismus zugänglich. Die Greifswalder Oie steht unter Naturschutz. Seit einigen Jahren zeigen umfangreiche Schutzmaßnahmen Erfolg, so dass im Greifswalder Bodden und rund um Rügen immer öfter Kegelrobben gesichtet werden. Außerdem ist der Greifswalder Bodden ein beliebtes Wassersportgebiet. Direkt am Strelasund liegt die Halbinsel Devin, ebenfalls ein Naturschutz- und beliebtes Naherholungsgebiet. Der Peenestrom ist ein Arm der Ostsee und mündet in das Stettiner Haff. Er trennt die Insel Usedom vom Festland. Der Fluss Peene mündet bei Anklam in gleichnamigen Strom. Im Peeneurstromtal befinden sich mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete, darunter ist das größte, zusammenhängende Niedermoorgebiet Mitteleuropas. Angesichts dieser Beispiele für den ökologischen, touristischen und fischereiwirtschaftlichen Wert der Aufsuchungsfelder, können wir die Entscheidungen des Bergamtes Stralsund nicht nachvollziehen. Wir lehnen umweltschädigende Explorationsverfahren, wie die 3D-Seismik und andere mit Lärm verbundene Bohrungsmethoden, in den Küstengewässern und in Naturschutzgebieten auf dem Festlandsockel ab. Außerdem lehnen wir Offshore-Erdöl bzw. –Erdgasförderung in Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich ab. Zu groß sind die damit verbundenen Risiken für Natur- und Umwelt sowie die Tourismus- und Fischereiwirtschaft. Angesichts der Wende in der Energiepolitik, welche u. a. eine schrittweise Umstellung der Energierohstoffe von fossilen Energieträgern auf erneuerbare zum Ziel hat, dürfte Erdölförderung um jeden Preis nicht mehr sinnvoll sein. Außerdem mag die durch die Deepwater Horizon verursachte Katastrophe nun nicht mehr so präsent in den Köpfen der Menschen sein wie vor 2 Jahren, für diejenigen, die vor Ort leben, ist sie allgegenwärtig. Die Meeresbewohner weisen zu einem großen Teil Deformationen und Mutationen auf. Ob sich die Umwelt überhaupt irgendwann regeneriert, ist unter Experten fraglich. NABU KV Greifswald, Vorstand Juli 2012 Kontakt NABU Greifswald • Markt 25 • 17489 Greifswald Tel./Fax: 0 38 34 – 79 97 19 E-Mail: info@NABU-greifswald.de Internet: NABU KV Greifswald Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, die Ostsee vor der Erdölsuche zu schützen Unterschriftenliste des NABU Greifswald herunterladen (260 kb, PDF-Datei)