Alle Beiträge von Jana

Kurzurlaub in Naumburg an der Saale

Vom 20. bis zum 25. August 2012 besuchten wir die Domstadt Naumburg, in der „Toskana des Nordens“ gelegen. Als „Toskana des Nordens“ wird die Region im Nordosten von Thüringen und Südwesten von Sachsen-Anhalt bezeichnet, deren hügelige Landschaft und das milde Klima tatsächlich an die Italienische Toskana erinnern sollen. Ebenso wird hier in der Saale-Unstrut Region Wein angebaut. Naumburg ist Kreisstadt des Burgenlandkreises und Mittelpunkt des nördlichsten Qualitätsweinanbaugebietes in Deutschland. Die Tatsache, dass Naumburg ein Verkehrsknotenpunkt der Bahn ist, dürfte vor allem für Menschen interessant sein, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Die Stadt wird von einem Wirrwar an Straßen durchzogen, was die Orientierung nicht gerade einfach macht. Positiv sind die zahlreichen Zebrastreifen, welche das Überqueren der Straßen erleichtern. Auch finden sich hier und da Orientierungshilfen in Form von Rillen- und Noppenplatten. Um sich innerhalb eines Stadtgebietes zurecht zu finden, leistet uns vor allem das Navigationsgerät Kapten Plus gute Dienste. Mit seiner Hilfe fanden wir u. a. unsere Ferienwohnung, den Marktplatz mit der Wenzelskirche und den Dom.
Das Wahrzeichen von Naumburg, der Dom St. Peter und Paul, ist an seinen 4 Türmen zu erkennen. Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit 2 Chören und einem Kreuzgang. Das Bauwerk vereint den spätromanischen sowie den frühgotischen Baustiel. Berühmt ist er für die 12 lebensgroßen Stifterfiguren im Westchor, von denen Uta wohl die bekannteste sein dürfte. Sehr beeindruckt waren wir auch vom goldenen Treppengeländer, auf welchem kunstvoll der heilige Franziskus von Assisi und die Tiere dargestellt sind, zu denen er der Legende nach im Wald gepredigt haben soll. Wir haben es gründlich poliert. Im Dom St. Peter und Paul liegen Audioguides in Form von iPods für 3 Euro zur Ausleihe bereit. Leider sind die Ziffern, welche dort eingegeben werden müssen, kaum lesbar und auch nicht taktil an den Exponaten angebracht. Wir hatten an einer öffentlichen Führung teilgenommen, die zusammen mit dem eintritt 8,50 Euro kostet, wobei die Begleitperson freien Eintritt hat. Wir haben es nicht bereut!
Am Marktplatz von Naumburg steht die Wenzelskirche, welche im spätgotischen Stiel errichtet wurde. Ihr Turm misst 72 Meter und überragt somit die türme des Doms. In einer Höhe von 53 Metern befindet sich eine zu den Öffnungszeiten des Turms zugängliche Aussichtsplattform, von welcher man einen schönen Blick auf die Altstadt hat.

Es gibt einen Saale-Wanderweg, den wir gerne ausprobieren wollten und den es erstmal zu finden galt. Die Saale fließt nicht etwa durch Naumburg hindurch, sie umkreist die Stadt viel mehr in einem Abstand von mindestens 2 bis 3 Kilometern. Aufgrund der dürftigen Beschilderung viel es uns nicht ganz leicht, den Saale-Wanderweg zu finden. Auch dort ist die Beschilderung nicht besser, so dass man raten muss, wo dieser oder jener Abzweig hinführt. Entfernungsangaben fehlen ganz. Das Kapten-Navigationsgerät ist fernab des Straßennetzes leider keine Hilfe.
Unsere Wanderung führte uns, nach einigen Fehlversuchen, entlang der Kösener Straße bis hin zur Kleinen Saale und dort den Waldweg weiter bis hin zum Kloster Pforta. Die ehemalige Zisterzienserabtei beherbergt seit dem sechzehnten Jahrhundert die Landeschule Pforta. Doch da gerade Ferien waren, war das Internatsgymnasium leer und die Gebäude geschlossen. Statt dessen konnten wir in aller Ruhe die Außenbereiche und Innenhöfe erkunden.
Während unserer Wanderung entlang der Saale nach Bad Kösen kamen wir an Weinbergen und Weinwirtschaften vorbei. Das größte von ihnen ist das Landesweingut Klosterpforta mit seiner 850 jährigen Tradition.

Von Bad Kösen aus kann man mit dem Fahrgastschiff zur Rudelsburg fahren. Allerdings sollte man wissen, dass sich der Bootsanleger rechts neben dem Tierpark befindet. Vom Bahnhof aus sind es nur etwa 10 Gehminuten bis zum Bootsanleger. Ausgeschildert ist er, wie sollte es auch anders sein, nicht. Die mangelnde Beschilderung und die hoch frequentierte B87, die mitten durch den Ort führt, machten Bad Kösen für uns wenig attraktiv, so dass wir keinen Nerv dafür hatten, Sehenswürdigkeiten zu suchen. Die heiße Augustsonne tat ihr übriges.
Nach einer etwa 25 minütigen Bootsfahrt erreicht man den Bootsanleger unterhalb der Rudelsburg, welche zum Ort Saaleck gehört. Die unregelmäßigen Steintreppen die steil zum Höhenrücken hinauf führen, sind vermutlich ebenso alt wie die Burgruine selbst! Rechter Hand trifft man zunächst auf die Vorburg, wo man erst einmal einen kleinen Eintritt zahlen muss. Erhalten ist nicht viel, nur Reste der Ringmauern und zwei kleine Türme. Vom ersten Turm erhält man eine schöne Sicht über das Saaletal. Die Kernburg ist durch einen Halsgraben von der Vorburg getrennt. Wie man hinkommt, fragt man am besten den Mann am Eingang. Die Ruine der Rudelsburg wird gastronomisch genutzt. Bei schönem Wetter kann man auf einem kleinen Innenhof sitzen. Vom 20 Meter hohem Bergfried, der mit einem Durmhelm bekrönt ist, kann man das Saaletal überblicken.

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Apolda. Von Naumburg aus kann man stündlich mit der Bahn über Bad Kösen und Bad Sulza nach Apolda gelangen. Die Stadt war einst für Strickwaren und die Glockengießerei bekannt. In der Bahnhofsstraße befindet sich das Glocken- und Stadtmuseum. Hier kann man große und kleine, antike und neuzeitliche Glocken nicht nur ansehen sondern auch anfassen und schlagen. Ebenfalls laden Strick- und Textilmaschinen zum Begreifen ein. Die Bahnhofsstraße führt geradewegs in die Fußgängerzone hinein, die durch eine Straße zerschnitten wird. Anschließend mündet die Fußgängerzone in den Marktplatz, wo man unter anderem Thüringer Rostbratwurst und Apoldaer Bier genießen kann. Rechter Hand der Bahnhofsstraße, am Beginn der Buttstädter Straße, führt die Eisenbahnlinie Halle-Erfurt über einen 95 Meter langen, 23 Meter hohen und 8,80 Meter breiten Viadukt. Dieser wurde im 19. Jahrhundert aus Kalksandstein gebaut und steht unter Denkmalschutz.

Ganz besonders gut hat uns der Ausflug zum 5,5 km entfernten und zu Naumburg gehörigen Blütengrund gefallen. Dieser befindet sich an der Saale-Unstrut-Mündung, welche idyllisch von mit Reben bewachsenen Bergen gesäumt ist. Von einem Anleger aus pendelt die Fähre „Blütengrund“ hinüber zu einem Gartenlokal und entlang der Unstrut. Links vom Gartenlokal beginnen die Weinberge mit Straußwirtschaften und rechts führt ein schmaler Wanderweg durch eingezäunte Obstplantagen. Wir nutzen einen recht abenteuerlichen Weg, welcher den Berg des bekannten Malers Max Klinger hinauf führt. Oben befinden sich ein Museum und ein kleines Cafe, wo man anscheinend nicht auf Besucher wartet. Der tolle Blick entschädigt uns allerdings. Anschließend setzten wir unseren Weg weiter bis Kleinjena fort, von wo wir mit der Burgenlandbahn zurück nach Naumburg fuhren.

Das Naumburger Weinfest findet immer am letzten Augustwochenende statt. Wir hatten die Möglichkeit, bei der Eröffnung dabei zu sein. Anwesend waren vor allem Weinwirtschaften aus der 735 ha umfassenden Saale-Unstrut Region. Um die 30 verschiedene Rebsorten werden auf 50 Gütern angebaut und zu Wein verarbeitet. Auf der Bühne standen die Weinkönigin und die Weinprinzessinnen und erzählten von ihren Aufgaben. Wir erfuhren, dass nicht nur in Naumburg, Bad Kösen und Freiburg sondern auch in Laucha, Nebra sowie neuerdings in Bad Sulza und Weimar Wein angebaut wird. Dass der Saale-Unstrut-Wein nicht immer trocken sein muss, davon konnten wir uns überzeugen!

Rechts Uta und links Ekkehard
Foto: Uta und Ekkehard
Goldenes Geländer mit einem Pfau, Schlangen, Schnecken und anderen Tieren des Waldes. An der Spitze des Geländers befindet sich der heilige Franziskus.
Foto: Goldenes Geländer im Naumburger Dom
Wenzelskirche
Foto: Wenzelskirche
Blick über Naumburg - in der Ferne ist der Dom mit seinen vier Türmen zu sehen
Foto: Blick über Naumburg – in der Ferne ist der Dom mit seinen vier Türmen zu sehen
Kloster Pforta
Foto: Kloster Pforta
Innenhof des Kloster Pforta
Foto: Innenhof des Kloster Pforta
Blick in die Weinberge - in der Ferne ist hinter den Reben Saale-Unstrut Wein zu lesen.
Foto: Blick in die Weinberge
Im Vordergrund die Rudelsburg und im Hintergrund die Burg Saaleck
Foto: Blick von der Rudelsburg
Atemberaubender Blick von der Rudelsburg ins Tal
Foto: Blick von der Rudelsburg ins Tal
Viadukt in Apolda
Foto: Viadukt in Apolda
Eine Glocke aus dem Glockenmuseum in Apolda
Foto: Glocke
Blick über die Unstrut zu Weinwirtschaften
Foto: Blick über die Unstrut zu Weinwirtschaften
Blick hinauf, zu einer Straußwirtschaft
Foto: Blick hinauf, zu einer Straußwirtschaft
Blick vom Max Klinger Haus
Foto: Blick vom Max Klinger Haus

Weitere Informationen: http://www.saale-unstrut-tourismus.de

Genehmigte Erdölsuche in der Ostsee

Der NABU Kreisverband Greifswald, hat ein Positionspapier verfasst, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wichtig der Schutz der Ostsee vor der Erdölförderung durch die CEP GmbH ist. Positionierung des NABU Kreisverbandes Greifswald zu den vom Bergamt Stralsund erteilten Erlaubnissen der Central European Petroleum Ltd. (CEP GmbH) zur Aufsuchung des bergfreien Bodenschatzes Kohlenwasserstoff nebst den bei ihrer Gewinnung anfallenden Gasen in den Feldern Plantagenetgrund, Ribnitz und Oderbank. Im Folgenden beziehen wir Position zu o. g. Sachverhalt: Am 17.04.2012 erhielt der NABU Kreisverband Greifswald beim Bergamt Stralsund Einsicht in die Akten der CEP GmbH, welche die Felder Oderbank KW, Ribnitz KW und Plantagenetgrund KW betreffen. In den uns vorliegenden 3 Ordnern befanden sich hauptsächlich
die Anträge der CEP GmbH zur Aufsucherlaubnis in o. g. Feldern, die Aufsucherlaubnisse des Bergamtes Stralsund und die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, welche bei der Entscheidungsfindung eingebunden waren. Aus letzteren geht hervor, dass viele Behörden hinsichtlich des Umweltschutzes, der Trinkwasserversorgung, des Tourismus bzw. der Fischerei und Seeschifffahrt den Plänen der CEP GmbH sehr kritisch gegenüber stehen. Naturschutzverbände waren nicht beteiligt worden. Etlichen Behörden waren die eingereichten Unterlagen der Antragstellerin nicht aussagekräftig genug und die geplanten Aufsuchungsfelder im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu groß, um eine Entscheidung treffen zu können. Die Behörden wiesen in ihren Stellungnahmen u. a. auf die Überlagerung der Aufsuchungsfelder mit wertvollen Naturschutzgebieten, Gebieten der Natura 2000 (FFH – und Vogelschutzgebiete) sowie geschützten Biotopen im Bereich des Festlandsockels und des Küstenmeeres hin. Eine Fauna-Flora-Habitat- (FFH) Betrachtung wird empfohlen. Außerdem wurde das Bergamt auf die negative Wirkung von seismischen Untersuchungen auf Gesundheit und Leben der Meerestiere und der streng geschützten Meeressäuger, wie den von Aussterben bedrohten Ostseeschweinswalen, hingewiesen. Industrielle Aktivitäten führen, neben dem Schiffsverkehr, zur immer weiter zunehmenden Verlärmung der Küstengewässer. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung für schallsensible Meeressäuger, aber auch für Fische und wirbellose Tiere, dar. Direkt betroffen von der Aufsucherlaubnis sind nach unserem Kenntnisstand u. a. in der AWZ die FFH-Gebiete Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank und die Kadetrinne sowie das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht, innerhalb der 12-Seemeilenzone die FFH-Gebiete Greifswalder Boddenrandschwelle mit Teilen der Pommerschen Bucht, Darßer Schwelle und Plantagenetgrund, Recknitz Ästuar und Halbinsel Zingst, Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff, sowie u.a. die Vogelschutzgebiete Plantagenetgrund, die Vorpommersche Boddenlandschaft und nördlicher Strelasund, das Gebiet Westlich Pommersche Bucht, der Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund, Peenestrom und Achterwasser sowie das Kleine Haff. 1992 verabschiedete die europäische Union (EU) die FFH-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere, um das andauernde Artensterben zu beenden. Die Mitgliedstaaten verpflichteten sich, den „günstigen Erhaltungszustand“ von wild lebenden Arten wieder herzustellen und dauerhaft zu sichern. Die Schutzgebiete sind das wichtigste Instrument der Richtlinie. Diese bilden, gemeinsam mit denen nach der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1997 entstandenen Schutzgebieten, ein Netz geschützter Lebensräume. In diesen dürfen die festgesetzten ökologischen Erhaltungsziele nicht gefährdet werden. Es besteht ein Verschlechterungsverbot. Informationen zu den Schutzgebieten innerhalb bzw. neben den Aufsuchungsfeldern Im Feld Plantagenetgrund leben die FFH-Arten Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal. Die Felder Plantagenetgrund mit Darßer Schwelle betreffen den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaftmit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, welche bei Urlaubern, die schöne Natur zu schätzen wissen, sehr beliebt ist. Der wild-romantische Weststrand gehört laut Arte zu den 20 schönsten Stränden der Welt. Der Nordstrand vom Ostseebad Prerow ist ein echter Traumstrand und wurde bereits mehrmals mit der blauen Flagge für einen hohen Umweltstandart und eine besonders hohe Wasserqualität ausgezeichnet. Zingst ist ein quirliges Ostseebad. Pramort dient mehr als 30 verschiedenen Wattvogelarten, vor allem Kranichen, als Rast- und Brutplatz. Es ist unvorstellbar, dass bald Bohrtürme den Blick auf die Ostsee trüben sollen. Zum Feld Ribnitz gehört u. a. der Fluss Recknitz, welcher bei Ribnitz-Damgarten in den Saaler Bodden mündet. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Programms Natura 2000 eine Vielzahl von Renaturierungsmaßnahmen vollzogen. Dadurch wird die Landschaft, auch für den Kanu-Tourismus, attraktiver. Außerdem wächst die Recknitz dadurch in manchen Gebieten zu einer Sumpf- und Schilfwildnis zu, was die Vorraussetzungen für ein Vogelschutzgebiet sind. Etliche Landschafts- und Naturschutzgebiete sind in ihrem Verlauf ausgewiesen. Der Adlergrund gehört zum Naturschutzgebiet Pommersche Bucht und ist ein Naturschutzgebiet des Bundes. Er dient nachweislich durchziehenden Kegelrobben und Schweinswalen als Nahrungsgrund. Die Kadetrinne weißt ein besonders hohes Aufkommen an auf der Roten Liste verzeichneten Meerestieren auf. Schweinswale kommen hier nachweislich regelmäßig vor. Die Oderbank ist ein Schutzgebiet, welches die südliche Hälfte der Pommerschen Bucht umfasst. Es handelt sich um eine Sandbank, welche einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche geschützte Tiere darstellt. Dazu zählen u. a. Muscheln, Flohkrebse, Jungfische, Vögel, Steinbutt, Scholle, Ostseeschnäpel, Finten, Stör und Schweinswale. Der Greifswalder Bodden erstreckt sich zwischen Südost Rügen im Norden, dem Festland im Süden und Westen, Usedom im Südosten, im Westen bildet der Strelasund einen weiteren Zugang zur Ostsee. Beispielsweise ragt die Halbinsel Mönchgut in den Greifswalder Bodden hinein. Sie gehört teilweise zum Biosphärenreservat Südost Rügen und steht zum Großteil unter Naturschutz. Darauf liegen die berühmten Ostseebäder Göhren und Baabe sowie der beliebte Urlauberort Thiessow. Ebenfalls im Greifswalder Bodden liegt die Insel Vilm, welche seit 1936 Naturschutzgebiet ist. Sie ist Europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet und für sanften Tourismus zugänglich. Die Greifswalder Oie steht unter Naturschutz. Seit einigen Jahren zeigen umfangreiche Schutzmaßnahmen Erfolg, so dass im Greifswalder Bodden und rund um Rügen immer öfter Kegelrobben gesichtet werden. Außerdem ist der Greifswalder Bodden ein beliebtes Wassersportgebiet. Direkt am Strelasund liegt die Halbinsel Devin, ebenfalls ein Naturschutz- und beliebtes Naherholungsgebiet. Der Peenestrom ist ein Arm der Ostsee und mündet in das Stettiner Haff. Er trennt die Insel Usedom vom Festland. Der Fluss Peene mündet bei Anklam in gleichnamigen Strom. Im Peeneurstromtal befinden sich mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete, darunter ist das größte, zusammenhängende Niedermoorgebiet Mitteleuropas. Angesichts dieser Beispiele für den ökologischen, touristischen und fischereiwirtschaftlichen Wert der Aufsuchungsfelder, können wir die Entscheidungen des Bergamtes Stralsund nicht nachvollziehen. Wir lehnen umweltschädigende Explorationsverfahren, wie die 3D-Seismik und andere mit Lärm verbundene Bohrungsmethoden, in den Küstengewässern und in Naturschutzgebieten auf dem Festlandsockel ab. Außerdem lehnen wir Offshore-Erdöl bzw. –Erdgasförderung in Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich ab. Zu groß sind die damit verbundenen Risiken für Natur- und Umwelt sowie die Tourismus- und Fischereiwirtschaft. Angesichts der Wende in der Energiepolitik, welche u. a. eine schrittweise Umstellung der Energierohstoffe von fossilen Energieträgern auf erneuerbare zum Ziel hat, dürfte Erdölförderung um jeden Preis nicht mehr sinnvoll sein. Außerdem mag die durch die Deepwater Horizon verursachte Katastrophe nun nicht mehr so präsent in den Köpfen der Menschen sein wie vor 2 Jahren, für diejenigen, die vor Ort leben, ist sie allgegenwärtig. Die Meeresbewohner weisen zu einem großen Teil Deformationen und Mutationen auf. Ob sich die Umwelt überhaupt irgendwann regeneriert, ist unter Experten fraglich. NABU KV Greifswald, Vorstand Juli 2012 Kontakt NABU Greifswald • Markt 25 • 17489 Greifswald Tel./Fax: 0 38 34 – 79 97 19 E-Mail: info@NABU-greifswald.de Internet: NABU KV Greifswald Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, die Ostsee vor der Erdölsuche zu schützen Unterschriftenliste des NABU Greifswald herunterladen (260 kb, PDF-Datei)

Mediaguides für Lilienthal

Am 24. Juni 2012 statteten wir dem Otto-Lilienthal-Museum in Anklam erneut einen Besuch ab, da wir von Neuerungen bei der Informationsvermittlung gehört haben (siehe unseren Bericht vom 19. Mai 2010).

Im Museum in Lilienthals Geburtsstadt stehen den Besuchern seit kurzem derzeit „Mediaguides“ zur Verfügung, mit deren Hilfe ergänzende Informationen zur Ausstellung abgerufen werden können.

Das funktioniert über sogenannte QR-Codes. Diese, in Japan schon weit verbreiteten, zweidimensionalen Quick-Response-Codes, sind an den quadratischen Symbolen zu erkennen. Diese können mittels Smartphone-Kameras und QR-Code-Reader App ausgelesen werden.
Im Personalmuseum für den Flugpionier, Ingenieur und Humanisten kann man sich derzeit für 3,- Euro ein iPad oder einen iPod Touch ausleihen. Diese wurden von der Firma Networks Marketing AG zur Verfügung gestellt, welche eine entsprechende App zum Scannen der Codes darauf installiert hat.
Nachdem das Museumspersonal an der Kasse einen Zugangscode eingegeben hat, kann es los gehen.
Wir aktivieren auf unserem iPad 2 VoiceOver, um überhaupt mit der App arbeiten zu können.
Nun können wir uns vorlesen lassen, was auf dem Bildschirm steht. Links oben finden wir „Scannen“. Wir öffnen mit Doppeltipp und legen den Ausschnitt der stabilen iPad-Hülle, worin sich die Kamera befindet, auf einen Code. Jetzt bewegen wir das iPad wagerecht und etwas nach oben, bis wir einen Quittierungston hören. Anschließend können wir uns die Überschrift vorlesen lassen. Durch die Aktivierung von Audio, MP3 und Play nacheinander, gelangen wir zum aufgesprochenen Text.
Für das Auflesen der Texte wurden Schauspieler der Theaterbühne Vorpommern engagiert.
Die Texte enthalten keine Beschreibungen des Raumes und der Exponate und keine Orientierungshinweise. Die etwa 5 x 5 cm großen und gut fühlbaren Quadrate, auf denen die Codes aufgeklebt sind, sind entweder links oder rechts der Informationsschilder, in verschiedener Höhe, angebracht.

Das selbstständige Auffinden ist durch blinde Personen kaum möglich, da man sich, aufgrund der vielen frei stehenden Exponate, nicht an den Wänden entlangtasten kann.

Weitere Informationen unter: Networks Mediaguide

Besucheradresse:
Ellbogenstraße 1, 17389 Anklam
Internet: Lilenthal-Museum

Jana beim Scannen eines QR-Codes. Im Display des iPads erscheint im rechten oberen Teil ein QR Code.
Jana beim Scannen eines QR-Codes. Im Display des iPads erscheint im rechten oberen Teil ein QR Code.
Warne Farben umhüllen einen blau gelb gestreiften Ballon.
Warne Farben umhüllen einen blau gelb gestreiften Ballon.

 

Multimar Wattforum Tönning

Im Rahmen eines Kurzurlaubs in Husum an der Nordsee, besuchten wir am 13. Mai 2012 das Informationszentrum für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, das Multimar Wattforum in Tönning. Von Husum aus ist Tönning stündlich innerhalb von ca. 20 Minuten mit dem Zug erreichbar.

In Tönning angekommen, folgt man zunächst der Straße nach Nordwesten in Richtung Zentrum, vorbei am Biohotel Miramar. Anschließend geht es weiter Richtung Nordost entlang der Westerstraße bis zu einem Park (Schlossgarten), den man durchqueren muss. Man wechselt die Straßenseite. An der Straße Am Hafen geht es zunächst in Richtung Südosten weiter, bis diese einen Bogen nach Nordosten einschlägt. Man folgt dem Straßenverlauf bis zum Ende. Der Fußweg führt nun direkt bis vor einen horizontal aufgestellten Reliefplan, welcher einen Überblick über das Weltnaturerbe Wattenmeer gibt.
Anschließend wendet man sich nach rechts, passiert eine Brücke und steht gleich darauf vor dem roten Eingang zum Multimar.
Nach dem Passieren von zwei Türen befindet sich rechts der Informationsstand mit Kasse.

Am Informationsstand leihen wir uns zunächst einen Hörstift aus, einen stiftartigen, robusten Audioguide ohne Kabel und Umhängeband. Dafür müssen wir 10 Euro Pfand hinterlegen.
Dann bitten wir noch darum, uns den Reliefordner ausleihen zu dürfen.
Auf einer Bank unweit des Infoschalters ertasten wir die farbig gestalteten reliefartigen Abbildungen einiger Nordseebewohner und lesen die zugehörigen Texte in Punkt- und kontrastreicher Großschrift.
Unsere Jacken verstauen wir in einem Schließfach.
Der Hörstift, welcher nur für die Walausstellung benötigt wird, findet bis dahin Platz in der Netzaußentasche des Rucksacks. Der Blindenführhund scheint willkommen zu sein.

Die Ausstellung beginnt vielversprechend mit riesigen Tastmodellen von Sandklaffmuschel, Amerikanischer Schwertmuschel und Wattwurm.
Die Texte sind in Großdruck und in Augenhöhe angebracht. In der Nähe steht ein großes, ca. 1,30 Meter hohes Meerwasserbecken, welches unabgedeckt ist.
Hier leben Nordseebewohner wie Schollen. Es folgen Aquarien, welche alle in der linken oberen Ecke blaue Schilder mit weißer Pyramidenschrift und Punktschrift besitzen.
Dort kann man den Inhalt der Glaskästen erfahren, wie z. B. Muschelbank, Seegraswiese, Sandgrund, Felswand, Hafenbecken, Geröllgrund.
Zum Begreifen gibt es hier leider nichts.
Insgesamt werden in 36 Aquarien 280 Arten gezeigt, welche im Wattenmeer beheimatet sind. Die Hörstation „Satt im Watt“ ist ebenfalls entsprechend beschildert und wird über einen Trackball bedient.
Es gibt zahlreiche interaktive Stationen, welche aber für blinde und hochgradig sehbehinderte Besucher nicht so gut zu erschließen sind. So kann man zwar an einem Fitnessgerät testen, wie schnell man treten kann, ohne allerdings akustisch zu erfahren, ob das nun die Geschwindigkeit eines jagenden Seehunds oder einer fliehenden Gans war.

In einem Aquarium kann man die bedrohten Seepferdchen bewundern und in Großschrift erfahren, dass diese eigentlich seit 2004 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und dennoch vom Aussterben bedroht sind. Als Beispiel für Meeresfrüchte kann man einen klebrigen Haufen lebendiger Miesmuscheln betasten.
Richtig toll ist die Station „von Augenblick und Generation“.
Hierbei handelt es sich um eine Hörstation mit Hörer. Die Hörstation ist an einer Wand angebracht und sieht aus wie ein riesiges Memory.
Links folgen mehrere Schalter von oben nach unten, welche auch in Braille beschriftet sind. Hier sind Seehund, Ringelgans, Seeregenpfeifer, Scholle, Kieselalge, Plankton, Seegras und Gezeitenmücke aufgeführt. Außerdem gibt es eine Zeiteinteilung, welche von links nach rechts aufgebaut ist. Diese beinhaltet Minute, Stunde, Tag, Jahr, Monat und Jahrzehnt, was alles auch in Braille zu lesen ist.
Man kann so jeweils eine Kombination aus Zeit und Art wählen und erhält sowohl akustische als auch visuelle Informationen.

Anschließend lockte uns ein Riesenaquarium eine Treppe hinunter. In diesem mehrere Meter hohen Aquarium leben unter anderem Störe.
Leider sind die zugehörigen Informationen auf dem Monitor für uns nicht zu entziffern und auch nicht akustisch abrufbar.

Weiterhin gibt es im Multimar zahlreiche Simmulationsgeräte, welche aber nicht für blinde geeignet sind.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bot interessante Diavorträge zu aktuellen Themen wie der Bedrohung von Korallenriffen und Überfischung an.
Wir folgen einigen Stufen nach unten. Rechts befindet sich ein kleiner Kinosaal. Wir wenden uns nach links und betreten die Walausstellung.

Die in dunkelblau gehaltene und daher ziemlich düster wirkende Walausstellung ist für uns das Highlight.
Wir passieren ein Schweinswalmodell und stehen linkerhand vor einem taktilen Übersichtsplan dieser Ausstellung mit Legende in Braille- und Großschrift.
Er wurde von Jochen Brodersen, drei-D Formenbau, erschaffen.
An der rechten Wand befindet sich mittig über diesem Reliefplan der erste Infopunkt für den Hörstift.

Wir schalten den Hörstift ein und vernehmen einen Quittierungston. Wir setzen ihn mit der Spitze voraus in die Öffnung und der Hörstift gleitet ein kleines stück hinein. Ein Quittierungston verrät uns sofort, dass er das Label erkannt hat.
Wir halten den Hörstift näher ans Ohr und lauschen einer sehr gut verständlichen Frauenstimme, welche uns in die Nutzung des Audioguides einweist.
Außerdem erfahren wir, wo die Infopunkte für den Hörstift zu finden sin. In der Regel befinden sich diese an den Wänden in Höhe eines Lichtschalters.
Bei Exponaten findet sich der Infopunkt immer an der rechten unteren Ecke.

Direkt auf dem Reliefplan befindet sich ein weiterer Infopunkt, über den wir nun Hinweise zur Orientierung mittels einer genauen Raumbeschreibung erhalten.
Solche Orientierungshinweise werden immer von einer sehr gut verständlichen männlichen Stimme gesprochen, alle anderen Informationen von der Weiblichen.

Das erste Thema ist die Wanderung der Wale.
Wir halten uns so gut wie möglich an der rechten Wand. Bald darauf stoßen wir auf einen großen, hell leuchtenden Globus, wo die Wanderrouten der Wale, leider nur graphisch, dargestellt sind – Vorsicht, auf die Nase achten!

Nun folgen rechts 10 unterschiedlich große Themenkammern, welche mit einem schweren Vorhang vom restlichen Raum getrennt sind.
Jede Kammer behandelt ein anderes, spannendes Thema zu Walen. Vor dem Zugang einer jeden Kammer sind, immer in der gleichen Höhe, Infopunkte für den Hörstift vorhanden, welche über das jeweilige Thema informieren, über davor befindliche Tastmodelle aufklären und eine genaue Raumbeschreibung geben.

Wir betreten sofort, nachdem der Hörstift das Thema genannt und die Außenmodelle beschrieben hat, die Kammer, um die Raumbeschreibung gleichzeitig hören und nachvollziehen zu können. In der ersten Kammer kann man verschiedene Walarten mittels Tastmodellen erfühlen.
Gleich gegenüber des Eingangs steht ein aufrechtes Modell eines Schweinswals in Originalgröße.
Rechts befinden sich, ca. in 1,80 Metern Höhe, kleinere Modelle von Schwertwal, Pott- und Buckelwal.
Hörbar gemacht wurden jeweils die meisten Texte, aber keine Grafiken auf Landkarten und Übersichtsplänen, die z. B. Schutzgebiete für Schweinswale und Wanderrouten der großen Wale zeigen.
Die Infopunkte befinden sich immer in der selben Höhe, so dass sie beim entlang gleiten der Hand an der Wand relativ leicht aufzufinden sind.
Auch in den anderen Kammern findet man hier und da Tastmodelle, wie z. B. von einem Kraken, einer Tiefseequelle und von riesigen Harpunen.
Mit denen werden auch noch heutzutage jedes Jahr mehr als tausend, eigentlich streng geschützte Wale abgeschlachtet, zu rein wissenschaftlichen Zwecken, versteht sich!!!

Manch eine Kammer hält auch akustische Überraschungen bereit, wie z. B. zum Thema Orientierungssystem der Meeressäuger und Lärmemission unter Wasser. In einer der letzten Kammern läuft eine Hörfilmschleife, in welcher man erfährt, wie der riesige Pottwal, der in der Mitte der Walausstellung zu bewundern ist, ins Multimar gelangt ist und wie er präpariert wurde.

Der Multimarwal ist sehr beeindruckend, man kann vor allem sein Gebiss gut ertasten. Auf einer Seite zeigt er seine künstliche Haut, auf der anderen sein nachempfundenes Skelett. Er ist 18 Meter lang und hat zu Lebzeiten um die 40 Tonnen gewogen. Allein der Kopf des Pottwals misst 5 Meter.
Diesem Giganten ist 1997 das flache Wattenmeer zum Verhängnis geworden, wo er mit 28 Jahren gestrandet war.

In der Walausstellung des Multimar konnten wir uns mit Hilfe des Hörstiftes und der Tastmodelle einen guten Überblick über die Riesen der Meere verschaffen, welche stark bedroht sind und unseren Schutz brauchen, um auch morgen noch durch die Meere unseres Planeten wandern zu können.

Besucheradresse:
Multima Wattforum, Am Robbenberg, 25832 Tönning
Internet: www.multimar-wattforum.de

Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Ein Bewohner eines Aquariums in einem braunen, wabbligen Schuppenkleid.
Foto: Die auf einem Kunststoffetikett aufgebrachte Pyramidenschrift ist weiß auf blauem Grund, während die Punktschrift blau auf weißem Grund gestaltet ist.
Foto: Braile- und Pyramidenbeschriftung am Aquarium
Foto: Auf dem Tastplan der Walausstellung erkennt man die Themenkammern, welche in verschiedenen Farben dargestellt sind. Weiterhin sind die Braile- und Schwarzschriftbeschriftungen gut zu erkennen. Rechts unten sieht man einen Infopunkt, in den der Hörstift hineingeschoben wird.
Foto: Tastplan Walausstellung
Foto: Der Hörstift wird in einen roten, trichterförmigen erhabenen Kreis eingeführt. Im Hintergrund erkennt man eine Informationstafel, welche weiße Schrift auf blauem Grund enthält.
Foto: Hörstift im Infopunkt

Info-Terminal in Güstrower Marienkirche

Sacris heißt der Prototyp eines mobilen Info-Terminals, welches seit März 2012 für ein Jahr in der Marienkirche Güstrow steht. Hierbei handelt es sich um ein digitales Informationssystem, also um eine Kombination aus Bildschirm und Hörstation.

Betritt man die Marienkirche, so fällt eventuell rechts ein leuchtendes i auf, welches für Information steht. Das orange-silberne Gerät steht nur wenige Meter vom Eingang entfernt. Links unterhalb des Bildschirms befindet sich ein großer, runder Knopf, durch dessen Betätigung der Willkommenstext mit der Benutzeranleitung vorgelesen wird. Rechts daneben ist selbiger Text in Brailleschrift aufgebracht. Rechts findet man 3 große, runde Knöpfe in Reihe. Diese dienen der Menüsteuerung. Alles was auf dem Monitor als Bild und Text angezeigt wird, ist gleichzeitig hörbar. Der Inhalt gleicht einer normalen Kirchenführung, beinhaltet also keine bildhaften Beschreibungen.

Die Navigation mittels der 3 gut tastbaren Knöpfe ist ungewöhnlich und teilweise nicht ganz einfach. Der Monitor ist vermutlich für Rollifahrer und Kinder in Augenhöhe angebracht, für Sehbehinderte ist das Erkennen des Monitorinhalts deshalb ziemlich unbequem. Dieser ist nicht höhenverstellbar. Es befindet sich keine Sitzgelegenheit vor dem Terminal.

Die Erschaffer von Sacris, das Architekturbüro Rutsch+Rutsch aus der Nähe von Schwerin, haben Fragebögen zur Nutzerfreundlichkeit des Prototypen ausgelegt. Die hieraus hervorgegangenen Informationen sollen in die Weiterentwicklung des Gerätes einfließen. Es wird angestrebt, Sacris in Kirchen in Mecklenburg einzusetzen, wo kein Personal für Kirchenführungen vorhanden ist.

Besucheradresse: Pfarrkirche St. Marien, Am Markt 1, 18273 Güstrow
Kontakt Architekturbüro: www.rutsch-rutsch.de

Foto: Sacris frontal - der Bildschirm und die darunter befindlichen Bedienelemente nebst Braillebeschreibung zur Handhabung des Geräts sind gut erkennbar.
Foto: Sacris
Foto: Sacris spricht für sich selbst - des Informationssystem ist in der seitlichen Ansicht wie ein i gestaltet. Der untere Teil des i's ist orange während der i-Punkt aus Aluminium gefertigt ist. Er enthält wiederum ein orange leuchtendes i. Die obere Rundung des i's leuchtet in einem hellen weiß.
Foto: Sacris seitlich
Foto: Der Eingang zu St. Marien
Foto: Eingang St. Marien

Positionspapier der Umweltverbände zu Seismik in der Ostsee

Bereits im Januar haben wir uns mit dem Thema der geplanten Erdölbohrungen in der Ostsee durch die Central European Petroleum GmbH (CEP) beschäftigt.
Mittlerweile hat CEP vom Bergamt Stralsund eine Bergbauberechtigung zur Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee erhalten.
Verschiedene Umweltverbände haben eine gemeinsame Stellungnahme zu dem Vorhaben verfasst, dessen Text wir hier veröffentlichen möchten.
Am Ende des Artikels befindet sich ein Downloadlink um die gesamte Stellungnahme inkl. aller Abbildungen und Tabellen herunterzuladen.

Gemeinsame Stellungnahme – Geplante seismische Untersuchungen entlang der deutschen Ostseeküste

Das Unternehmen Central European Petroleum GmbH (CEP) hat vom Bergamt Stralsund die Bergbauberechtigung zur Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee erhalten. Betroffen sind zahlreiche Gebiete des Natura 2000-Netzwerkes vor der Küste Mecklenburg- Vorpommerns, die dem Schutz besonders bedrohter Arten und Lebensräume dienen. Die beteiligten Umweltverbände lehnen die mit der Erkundung verbundenen Eingriffe in Meeresschutzgebieten ab.

Das CEP Projekt

CEP hält nach eigenen Angaben etwa 13.800 km² Erlaubnisfelder entlang vermuteter Erdöl- und Erdgasvorkommen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Abbildungen 1-4 zeigen einen Teil der geplanten Explorationsgebiete, die sich mit mehr als zwölf Marinen Natura 2000- Gebieten in den Küstengewässern und der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) überschneiden.

Natura 2000 – Artenvielfalt in Nord- und Ostsee

1992 verabschiedeten die Staaten der Europäischen Union die Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie). Damit verpflichteten sie sich, den „günstigen Erhaltungszustand“ von wildlebenden Arten und deren Lebensräumen wiederherzustellen und dauerhaft zu sichern. Gemeinsam mit den Vogelschutzgebieten gemäß EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979 bilden die FFH-Gebiete ein zusammenhängendes Netzwerk von geschützten Lebensräumen: Natura 2000 (Abb. 5).

Neben Schweinswalen, Kegelrobben und Seehunden leben in den betroffenen Gebieten verschiedene wanderende Fischarten (z.B. Stör, Finte) und mehr als 20 Vogelarten (z.B. Seetaucher, Flussseeschwalbe, Eisente), die durch die FFH-und Vogelschutzrichtlinie streng geschützt sind. Im Greifswalder Bodden wird seit einigen Jahren die erfolgreiche Rückkehr der Kegelrobbe beobachtet. Direkt betroffen sind u.a. in der AWZ die FFH-Gebiete Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank und die Kadetrinne sowie das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht, innerhalb der 12-Seemeilenzone die FFH-Gebiete Greifswalder Boddenrandschwelle mit Teilen der Pommerschen Bucht, Darßer Schwelle und Plantagenetgrund, Rechnitz Ästuar und Halbinsel Zingst, Peeneunterlauf, Peenestrom, Achterwasser und Kleines Haff, sowie u.a. die Vogelschutzgebiete Plantagenetgrund, die Vorpommersche Boddenlandschaft und nördlicher Strelasund, das Gebiet Westlich Pommersche Bucht, der Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund, Peenestrom und Achterwasser sowie das Kleine Haff.

Seismische Exploration

Bei seismischen Untersuchungen werden Schallwellen eingesetzt, um mögliche Erdgas- und Erdölvorkommen zu erkunden. Die Explorationen werden mit so genannten Druckluftkanonen (engl. Airguns) durchgeführt und gehören zu den lautesten anthropogenen Schalleinträgen im Meer. Das Unternehmen CEP plant die sogenannte 3D-Seismik einzusetzen. Dabei werden in schneller Abfolge (alle 5-10 Sek) zum Meeresboden gerichtete Druckluft-Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p- p) re1µPa erzeugt. Eine beträchtliche Energie in einem breiten Frequenzspektrum strahlt auch in alle anderen Richtungen aus, was bis mehr als 1000 Kilometern Entfernung gemessen wurde (Nieukirk et al., 2004). Darüber hinaus sind die hydrographischen Bedingungen der Ostsee ausgesprochen komplex und lassen eine korrekte Schallprognose und Risikoabschätzung nur unter großem technischem Aufwand zu. Der Lärm bedroht aufgrund seiner enormen Stärke und der Vielzahl der Schallimpulse Meerestiere direkt und kann zusätzlich zu vorübergehenden oder andauernden Vertreibungen aus einem Gebiet führen. Dies ist mit den Erhaltungszielen der betroffenen marinen Schutzgebiete nicht vereinbar. Zudem können die seismischen Erkundungen zu Verstößen gegen die artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände des Bundesnaturschutzgesetzes führen.

Ökologische Auswirkungen durch Unterwasserlärm

Wale, aber auch andere marine Säugetiere, Fische, Seevögel und am Meeresboden lebende Organismen (Benthos) sind durch Schalleinträge aus der Schifffahrt, durch Offshore-Konstruktionen, seismische Explorationen oder militärische Sonar-Einsätze gefährdet. Die ökologischen Effekte reichen von Vertreibung, Überdeckung wichtiger biologischer Schallsignale (Maskierung) bis zu physischen Verletzungen und Tod.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich entgegen früherer Annahmen, die Energie der Druckluftkanonen über das gesamte von Meeressäugetieren genutzte Frequenzspektrum verteilt (Goold and Coates, 2005). Durch die hohen Schalldrücke und das breite Frequenzspektrum sind demnach auch negative Effekte auf die auf hohe Frequenzen spezialisierten Schweinswale zu erwarten. Die einzelnen Airgun-Impulse sind mit dem Verfahren der Impulsrammung vergleichbar, welche beim Bau von Offshore-Windanlagen angewendet wird. Zu erwarten sind deshalb räumliche Vertreibung von bis zu 20 Kilometern (Tougaard et al., 2009), weitreichende Maskierungseffekte und temporäre (TTS) oder gar permanente (PTS) Schädigungen des Gehörs (Lucke et al., 2009). Letzteres kommt für ein vollständig vom Gehör abhängiges Tier (akustische Orientierung, Echoortung bei der Jagd und soziale Kommunikation) einem Todesurteil gleich. Zudem kann es bei Schalleinträgen während der Aufzuchtphase zu Trennungen von Mutter-Kalb-Paaren kommen, im Nahbereich sind darüber hinaus Gewebeverletzungen nicht auszuschließen. Durch den besonders hohen Schalldruck werden im Nahbereich ernste Verletzungen auch bei Fischen erwartet, insbesondere bei Fischeiern und den verschiedenen Larvenstadien, Jungfischen und Fischen mit Schwimmblase (Keller et al., 2006). Auch Verhaltensänderungen wurden nachgewiesen (CALTRANS, 2011). Damit wäre wiederum ein negativer Einfluss auf die Fischereiwirtschaft in den betroffenen Regionen nicht auszuschließen. Ebenso können tauchende Seevögel und am Boden lebende wirbellose Meerestiere beeinträchtigt werden.

Schlussfolgerungen und Forderungen der Umweltverbände

Bereits seit dem Juni 2010 gibt es Hinweise darauf, dass das Unternehmen Central European Petroleum GmbH (CEP) beabsichtigt, in den vermuteten Erdöl- und Erdgaslagerstätten im Bereich der deutschen Ostsee seismische Explorationen durchzuführen. Diese Pläne wurden jedoch in Anbetracht der damaligen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und der bevorstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf Eis gelegt. Ein Jahr später, unmittelbar nach der Wahl, erteilte das zuständige Bergamt Stralsund trotz kritischer Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) die bergrechtliche Erlaubnis für zwei weitere Erkundungsgebiete und machte so den Weg frei zur Erarbeitung der für die seismischen Untersuchungen notwendigen Betriebspläne.

Seismische Untersuchungen unter Einsatz von Druckluftkanonen in ausgewiesenen und anerkannten Schutzgebieten stehen nach Einschätzung der Umweltverbände im starken Widerspruch zum nationalen Naturschutzrecht sowie europäischen Arten- und Naturschutzrecht nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie und sind deshalb nicht genehmigungsfähig. Neben den ernsten naturschutzfachlichen Bedenken, sind durch das Vorhaben auch negative Auswirkungen auf die Fischerei an der Küsten Mecklenburg-Vorpommerns sowie den Tourismus zu erwarten.

Die unterzeichnenden Umweltverbände fordern deshalb:

  • ein generelles Verbot seismischer Explorationen in der gesamten Ostsee (aufgrund der stark gefährdeten Schweinswal-Population) und in marinen Schutzgebieten
  • die Verwendung schallarmer Explorationsmethoden wie z. B. passiver oder elektromagnetischer Verfahren außerhalb von Schutzgebieten (Weilgart, 2010)
  • eine transparentes und naturschutzfachlich begleitetes Genehmigungsverfahren für die aktuellen und zukünftigen Betriebspläne unter Beteiligung der Umweltverbände
  • keine Probebohrungen und keine Erdöl- oder Erdgasförderungen in geschützten und sensiblen Lebensräumen
  • aktive Förderung eines naturverträglichen Tourismus anstatt gefährlicher und die Umwelt schädigende industrielle Großprojekte
  • eine grundsätzliche Reform des deutschen Bergrechts unter Berücksichtigung der Natur- und Umweltbelange
  • verbesserte Koordination der EU Mitgliedsstaaten bei der Durchführung schallintensiver Projekte (z.B. mögliche Auswirkungen auf dänische bzw. polnische Gewässer)

Gesamte Stellungnahme herunterladen (PDF-Datei ca. 350 KB)

Enthüllung des Bronzemodells der Wismarer Altstadt

Am 31. März hatten sich rund 50 Leute am Rande des Wismarer Marktplatzes eingefunden, um bei wenig frühlingshaften Temperaturen und Sturm die Enthüllung des Bronzemodells der Altstadt zu erleben.
Pünktlich mit dem Beginn der Eröffnungsrede von Bürgermeister Thomas Beyer prasselte ein Graupelschauer auf die Anwesenden nieder, so dass die folgenden Reden und die musikalische Umrahmung in die Gerichtslaube des Rathauses verlegt wurden.
Der Künstler Egbert Broerken, der extra aus Soest angereist war, ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit Herrn Beyer die Plane von seinem Werk zu entfernen, welche auf wundersame Weise dem starken Wind getrotzt hatte.

Der Bürgermeister dankte allen Sponsoren, die es ermöglicht hatten, dieses 27.000 Euro teure Modell zu finanzieren, darunter sind Osterspiel Redentin, Lionsclub, Bürgerstiftung und Stadtwerke. Er nannte es einen neuen, gemeinsamen Treffpunkt von seheingeschränkten und sehenden Menschen beim Entdecken der Hansestadt.
Herr Broerken gab in die Entstehungsgeschichte des Altstadtmodells Einblick. Frau Rudolf, Vorsitzende des BSV Wismar und Nordwestmecklenburg, dankte im Namen der blinden und sehbehinderten Bewohner und Besucher von Wismar den Sponsoren, der Stadt und dem Bildhauer für dieses wundervolle Kunstwerk.

Das wunderschöne Tastmodell befindet sich an der Ostseite des Rathauses, kurz vor dem Marktplatz (siehe unser Audiorundgang durch die Wismarer Altstadt).
Das Bronzeabbild wurde im Maßstab 1:1000 erstellt und auf einen durchgehenden Granitsockel befestigt. Es ist siebeneckig. Man kann nicht von einer Position alle Gebäude ertasten. Die Straßennamen sind in Schwarzschrift und in Brailleschrift vorhanden.
Die 3 Backsteinkirchen, St. Nikolai, St. Marien und St. Georgen überragen die anderen Häuser. Die Giebel der Giebelhäuser sind einzeln ausgearbeitet. Sogar die Wasserkunst ist erfüllbar.
Das Hafenbecken wurde nicht angedeutet, das Modell endet hafenseitig am Gebäude, unter dem die Grube ins Hafenbecken fließt und am Wassertor.
Die Grube ist gut auszumachen, da sie sich taktil von den Straßenzügen unterscheidet.
Der Bahnhof ist ebenfalls zu entdecken, aber nicht der daneben befindliche Lindengarten.

Es macht Freude zu erleben, wie sich andere Leute hinzugesellen, wenn jemand versucht das Dargestellte nachzuvollziehen. Oft wird dann gemeinsam gesucht und gefunden.
So hat Wismar in seinem 10. Jubiläumsjahr als Welterbestadt eine Sehenswürdigkeit hinzu gewonnen, worauf die Hansestadt zu Recht stolz ist.

Foto: Bürgermeister Thomas Beyer und der Künstler Egbert Broerken enthüllen gemeinsam das Altstadtmodell der Hansestadt Wismar.
Foto: Die Enthüllung
Foto: Das vollständige Tastmodell der Hansestadt Wismar
Foto: Tastmodell
Foto: Eine Hand mit Ehering betastet den Wismarer Marktplatz. Die Finger befinden sich in der Nähe der Wasserkunst.
Foto: Gefühlssache
Foto: Der Marienkirchturm wird auf dem Tastmodell erfühlt. Im Hintergrund verschwimmen die Wasserkunst und einige historische Häuser am Rande des Wismarer Marktplatzes.
Foto: Wasserkunst und Marienkirchturm
Foto: Scharf im Vordergrund das Tastmodell mit der sich deutlich erhebenden St. Nicolaikirche und dem Marienkirchturm. In Unschärfe verschwimmt in weiter Ferne die Wasserkunst auf dem Wismarer Marktplatz.
Foto: Tastmodell und Wasserkunst
Foto: Jana im Interview mit dem Künstler Egbert Broerken.
Foto: Das Interview

Die im nachfolgenden Audiobeitrag enthaltene Rede von Egbert Broerken wurde uns von Erhard Christen zur Verfügung gestellt. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken
Der Audiobeitrag enthält außerdem ein kurzes Interview, welches Jana mit dem Künstler kurz nach dessen Rede geführt hat.
Audiobeitrag herunterladen (Länge ca. 7:30 min – Dateigröße 10 MB)

Amphibienzaun am Dorfteich in Eldena

Jedes Jahr, von Mitte März bis Mitte April, gibt es in Greifswald ein NABU-Projekt zum Schutz der Amphibien. In diesem Jahr befindet sich ein Amphibienzaun in der Teichstraße, welche von den Tieren auf ihrem Weg zum Teich überquert werden muss, wo sie dann laichen.
Hinter dem niedrigen Zaun wurden 8 Eimer eingegraben, die behaglich mit Grasbüscheln ausgestattet sind und feucht gehalten werden.

Morgens und abends werden sie durch einen Betreuer geleert. Darin befinden sich dann z. B. Kamm- und Teichmolche, Erdkröten, Teich-, Gras- und Moorfrösche.
Jedes Individuum wird möglichst genau, nach Gattung und Geschlecht bestimmt. Anschließend werden die Lurche in einem Eimer hinüber zum Teich getragen, wo sie direkt am Ufer abgesetzt werden.

Ganz besonders faszinierend ist der streng geschützte Moorfrosch.
Er gehört zusammen mit Gras- und Springfrosch zur Gattung der Braunfrösche.
Haben die paarungswilligen Männchen das Laichgewässer erreicht, so färben sich einige von ihnen teilweise oder auch an der gesamten Rückseite bläulich.
Die Farbnuancen reichen von einem Lilaton bis hin zu Himmelblau. Das seltene Schauspiel ist nur für wenige Tage zu beobachten.
Jetzt, Ende März, stimmt ein vielstimmiger Chor sein Konzert an.
Weil die Nebengeräusche spät abends leiser werden, ist der Liebesgesang der Frösche dann für uns am besten zu hören.

[pro-player width=“303″ height=“540″]http://ostsee-spezial.de/download/froschteich.mov[/pro-player]

Blauer Moorfrosch
Blauer Moorfrosch
Moorfrösche
Moorfrösche
Moorfrösche
Moorfrösche
Frosch schaut mit dem Kopf aus dem Wasser
Frosch
Moorfrosch schaut mit dem Kopf aus dem Wasser
Moorfrosch

Kulturhistorisches Museum Rostock

Rostock, die weltoffene und traditionsreiche Hanse- und Universitätsstadt an der Warnow, ist die größte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Vom nahezu barrierefrei ausgestatteten Hauptbahnhof gelangt man mit der Straßenbahn oder in ungefähr 20 Gehminuten in die Fußgängerzone in der mittelalterlichen Altstadt.
Dafür verlässt man das Bahnhofsgebäude durch den Nordausgang und wendet sich zunächst nach links. Man folgt dem Straßenverlauf bis zu einer Ampelkreuzung. Hier überquert man die Straße nach rechts und geht nun immer geradeaus, bis zum Anfang der Fußgängerzone.

In der Rostocker Altstadt, nur wenige Meter vom Kröpeliner Tor entfernt, befindet sich der Universitätsplatz.
In dessen Mitte steht der „Brunnen der Lebensfreude“.

An der Seite des Uni-Hauptgebäudes führt ein unauffälliger Durchgang zum Kloster Zum Heiligen Kreuz.
In der unversehrten, dörflich anmutenden Klosteranlage hat das Kulturhistorische Museum seinen Sitz.
Es ist die Schatzkammer der Hafenstadt und umfasst zahlreiche Gemälde, Grafiken sowie Plastiken vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Der zweite Schwerpunkt der Ausstellung sind die umfangreichen kulturgeschichtlichen Bestände.

Betritt man das Foyer, so steht links, etwa 5 m vom Eingang entfernt, eine pultartige Orientierungstafel.
Hergestellt wurde sie von Werner Klonz, BAUM Retec AG.
Die Orientierungstafel verschafft blinden und sehbehinderten Besuchern einen Überblick über das verzweigte Erdgeschoss des Museums.
Der Grundriss wurde als kontrastreiches, gut tastbares Relief auf die Tafel aufgebracht.
Rechts daneben befindet sich eine erläuternde Legende in farblich gut abgesetzter, großer Pyramiden- und Brailleschrift.
Dem unermüdlichen Engagement der Gebietsgruppe Rostock des Blinden- und Sehbehindertenvereins ist dieser erste Schritt in Richtung Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Besucher zu verdanken.

Obwohl zahlreiche Ausstellungsstücke gut erreichbar zum Abtasten aufgestellt sind, wie Holztruhen und verschiedene Plastiken, und somit geradezu zum Begreifen einladen, dürfen sie nicht berührt werden.
Wir haben angeregt, dies zukünftig Besuchern mit einer Seheinschränkung bei einigen Objekten mit speziellen Stoffhandschuhen zu erlauben. Es ist geplant, einen Audioguide zur Ausleihe anzubieten, welcher Informationen für alle zugänglich machen soll.

Besucheradresse:
Kulturhistorisches Museum Rostock, Klosterhof 7, 18055 Rostock
Kontakt: Telefon: 0381 203590, Internet: Kulturhistorisches Museum Rostock

Bild: Tasttafel des Kulturhistorischen Muserum
Bild: Tasttafel des Kulturhistorischen Muserum
Bild: Figuren der drei heiligen Könige, vollständig vergoldet.
Bild: Exponat Drei Heilige Könige

Erdölbohrungen in der Ostsee

Erdölförderung in Vorpommern – das ist nichts neues! Bereits in den sechziger Jahren wurde in Reinkenhagen bei Grimmen und bei Lütow auf Usedom Öl gefördert. Bis heute sind bei Lütow 7 Fördersonden aktiv, auch wenn diese nur noch sehr geringe Mengen Erdöl zu Tage fördern. Die Forschungsergebnisse der Geologen sowie Gesteinsproben aus DDR-Zeiten wurden damals sorgfältig kartiert und dokumentiert. Spezialisten einer Erdölfirma brauchen diese also nur zu sichten um einschätzen zu können, wo sich Probebohrungen in größeren Tiefen, als es damals technisch möglich war, lohnen. Seit März 2011 sucht die Central European Petroleum (CEP) intensiv nach dem „schwarzen Gold“ in Vorpommern. Dafür wird ein Bohrer ins Erdreich versenkt, welcher 30 Meter in den Himmel ragt und für jeweils 3 Monate dort verbleibt. Lohnt sich die Förderung, werden Förderpumpen aufgestellt. Nach den erfolgversprechenden Probebohrungen bei Saal-Barth wird nun auch bei Pudagla unter dem Achterwasser und Lütow auf Usedom probegebohrt. Nach dem Abschluss dieser Probebohrungen wird voraussichtlich 2012 mit der Erkundung des Felds, einem ca. 20 km großem Areal zwischen Stralsund und Pasewalk, begonnen. Die Genehmigung liegt bereits vor. Gebohrt wird erst vertikal und dann horizontal. Insgesamt kommt man so auf eine Bohrstrecke von rund 3 km. Es gibt Befürchtungen, dass CEP Chemikalien in das Erdreich presst, um es an die Oberfläche zu bekommen.

Aber auch vor den Küstengewässern der Ostsee macht CEP nicht Halt. Bereits zwischen 1969 und 1970 hatte die Firma Untersuchungen und Förderversuche im Greifswalder Bodden unternommen, welche allerdings negativ verliefen. Übrig geblieben sind davon bis heute die Überreste der Plattformen. CEP hat nun Offshore-Erkundungsarbeiten u. a. im Bereich der Oderbank östlich von Rügen, welche Teil des europäischen Meeresschutzsystems „Natura 2000“ ist, beantragt. Das wird vor allem von Umweltschutzverbänden, wie dem BUND, sehr kritisch betrachtet, auch wegen der dort lebenden Schweinswale. Das Genehmigungsverfahren wurde im September 2011 aufgenommen und uns bleibt nur zu hoffen, dass die Umwelt- und Naturschutzverbände in die Entscheidungsfindung tatsächlich mit eingebunden werden. Das Land soll mit 10 % am Gewinn beteiligt werden. Ob die allerdings auch reichen um eventuelle Umweltschäden zu sanieren, darf bezweifelt werden.

Mehr Informationen unter: http://gruppen.greenpeace.de/greifswald/oel.html Kampagne zum mitmachen: http://www.greenaction.de/kampagne/oel-bohrung-im-naturschutzgebiet